Archiv für März 2007

Ehrlich

15. März 2007

Schwimmweltmeister Mark Warnecke in einem Interview mit der Netzeitung:

“Ich denke nicht, dass ich mit 50 bei irgendwelchen Seniorenmeisterschaften mitmache, aber es kann durchaus sein, dass ich noch eine Kurzbahn-Meisterschaft schwimme aus Spaß an der Freud’. Kann sein, dass ich vielleicht irgendein Produkt an mir teste und dann gut bin. Kann sein. Aber ich plane das alles nicht. Ehrlich nicht.”

….

Ich hab’s zwei Mal gelesen und beide Male so verstanden wie Sie! War’s auch so gemeint?

Zielvorgabe

15. März 2007

HNA online vom 14. März 2007 nehmen die regionalen Belange in den Blick und Baunatals Bürgermeister kündigt die DAMM 2007 an. Das geht dann so:

HNA-Drei Fragen
Baunatal möchte seine Sportstätten stärker vermarkten – einer der Wege, um die Wirtschaft in der Stadt anzukurbeln. Die Bewerbung als WM-Quartier scheiterte im vorigen Jahr. Warum bewirbt sich Baunatal nun nicht wie Kassel und Göttingen um ein Spiel der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011? Unsere Redakteurin Ingrid Jünemann fragte Bürgermeister Manfred Schaub:
Herr Schaub, warum ist Baunatal nicht am Ball?
Schaub: Unser Parkstadion ist zu klein. Wir haben zu wenig Zuschauerplätze, und das Flutlicht reicht nicht aus.

Wie sieht das in Zahlen aus?
Schaub: Im Parkstadion gibt es 6000 Stehplätze und 257 Tribünensitze, also Platz für knapp 8600 Zuschauer. Verlang werden aber mindestens 10 000 Plätze. Das Flutlicht strahlt mit 700 Lux. Das reicht fürs Ausleuchten des Spielfeldes aus, nicht aber für abendliche Fernsehaufnahmen

Was ist die nächste Großveranstaltung im Parkstadion?
Schaub: Das ist die deutsche Meisterschaft der Senioren in der Leichtathletik am 22. und 23. September. Da kommen einige hundert Aktive und sicherlich ein paar Tausend Zuschauer.


!! :-)

Weltrekord

13. März 2007

Monica PellegrinelliEinige Gedanken über Monica Pellegrinelli (*1965, Gruppo Atletico Bellinzona GAB). Sie ist am Sonntag über 60 m Hürden einen W40-Weltrekord gelaufen. Beim Masters-Meeting in Aosta (ITA) verbesserte die Schweizerin ihren eigenen, vor Jahresfrist an der Masters-WM in Linz (AUT) erstellten W40-Weltrekord von 8,71 um 5 Hundertstel auf die neue Marke von 8.66 sec! Monica sagte unmittelbar nachdem Rennen, dass sie froh sei, den Weltrekord nicht allzu stark verbessert zu haben, denn sie wolle bei der EM in Helsinki noch schneller laufen. Sie lief die neue Marke in Beisein ihres legendären Trainers Fiorenzo Marchesi, 1941, M65, der es sich ebenfalls nicht nehmen liess, in Vorbereitung für die Masters-EM in Helsinki auf Touren zu kommen. Dies alles spielte sich vor den Augen des als Speaker fungierenden Eddy Ottoz, der italienischen Weltklasse-Hürdenlegende der 60er Jahre, ab.

Beide liefen auch über die seltene 50 m-Hürdendistanz, und dabei spielte sich im Vorlauf von Monica wiederum eine bei ihr klassische Szene ab. Die kleingewachsene Monica wirft sich jeweils derart ins Ziel, dass sie in der Regel die elektronische Zeitschranke unterläuft. So geben bei ihr jeweils in vielen Rennen, in der sie als erste durchs Ziel geht - und das ist oft auch noch bei den Aktiven der Fall - die Ziffern an der Leuchttafel nicht ihre Zeit an, sondern jene der Zweitklassierten. Monicas Zeit muss dann jeweils aus dem Fotofinish entnommen werden. Dies war in Aosta beim 50m-Hürden-Vorlauf nicht möglich. Deshalb hatte sich Monica vorgenommen, bei den anderen Läufen jeweils hoch durchs Ziel zu laufen, was ihr dann auch gelang. In Helsinki werden die Zeitnahmen perfekt sein, Monica wird sich in gewohnter Manier mit einem englischen Finish ins Ziel stürzen, und man daher darf man auf eine Verbesserung ihrer Bestleistung hoffen.

Eine andere Bemerkung ist an dieser Stelle angebracht:
Monica Pellegrinelli ist sich sehr genau des Umstandes bewusst, dass sie nicht die schnellste W 40-Hürdenläuferin der Welt ist. Das ist nämlich seit diesem Winter Gail Devers (USA), die heuer die 60 m Hürden in 7.86 sec. gelaufen ist. Monica selbst ist diesen Winter in Magglingen 8.55 sec. gelaufen und letztes Jahr, schon als W 40, noch schneller: 8.45 sec).
Worin besteht nun der Unterschied, dass Monica mit einer langsameren Zeit den Weltrekord der W 40 läuft? Nun, ganz einfach darin, dass die Hürden bei den Frauen folgende Parameter aufweisen: Sie sind 84 cm (33“) hoch, vom Start bis zur 1. Hürde sind es 13 m; zwischen den Hürden jeweils 8,50 m und von der letzten Hürde bis ins Ziel wiederum 13 m. Dahingegen sind die Hürden bei den Athletinnen der W40 lediglich 76,2 cm (30“) hoch und die Distanz vom Start bis zur 1. Hürde ist nur 12 m, zwischen den Hürden sind es nur 8 m, dafür ist es von der letzten Hürde bis zum Ziel 16 m. Dies gilt normalerweise als Erleichterung. Da nun aber Monica in der Regel, und das seit Jahrzehnten, die normalen Hürden läuft, sind die W 40-Parameter für sie eher ungewohnt und daher läuft sie langsamer (was sicher auch bei Gail Devers der Fall sein würde, wenn…).
Monica hat übrigens einen Traum: Einmal gegen/mit Gail Devers zu laufen.
W 40 Vorlauf 50 m Hürden 76,2 cm (12/8/14m), Monica Pellegrinelli, GAB, 65, ohne Resultat
Final 50 m Hürden 76,2 cm (12/8/14m), Monica Pellegrinelli, GAB, 65, 7.58
Vorlauf 60 m Hürden 76,2 cm (12/8/16m), Monica Pellegrinelli, GAB, 65, 8.66 WR W40
Final 60 m Hürden 76,2 cm (12/8/16m), Monica Pellegrinelli, GAB, 65, 8.75
Pino Pilotto

Ästhetik

12. März 2007

Das Seniorenvolk zeigte sich verwirrt, war erstaunt über eine der ersten Diensthandlungen seines obersten Dienstherren, Prof. Böhnke, als Vizepräsident Allgemeine Leichtathletik im DLV-Präsidium verantwortlich für die Senioren. Mit der Einführung des Bundesfachausschusses Senioren hatte er auch für die Einbindung eines „Verantwortlichen für Ästhetik“ gesorgt. Natürlich ohne Befragung des Volkes. Aber notwendige Maßnahmen müssen auch mal ohne entsprechenden Volkswillen durchgesetzt werden. So ist Demokratie halt; frei nach dem Satzungsauftrag: Der Verband ist der Vertreter der Athletinnen und Athleten, Näheres regeln die Notwendigkeiten.

Umso verwunderte rieb sich das „Volk“ die Augen, als der benannte Repräsentant für diese Aufgaben, Karl-Heinz Flucke, gleich als eine seiner ersten Diensthandlungen bei den Europameisterschaften in Poznan im vergangenen Jahr, den Trikot-Wildwuchs und damit die Zulassungspraxis seines Verbandes, des DLV, anprangerte. Die Vielzahl der Trikots, in denen „das Volk“ den Deutschen Leichtathletik-Verband repräsentierte, war nicht nur ärgerlich, sondern fiel auch den Veranstaltern und den ausländischen Mitbewerbern auf. Es war ein hässlicher Anblick, den Flucke in Poznan anprangerte, sowie ein Stein des ästhetischen Anstoßes, den er ins Rollen brachte. Er scheute sich dabei nicht, seinem eigenen Verband Pflichtversäumnisse ins Stammbuch zu schreiben. Denn ausschließlich dieser ist verantwortlich dafür, welche Trikots zu internationalen Meisterschaften von ihm zugelassen werden, und welche aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Dies ergibt sich eindeutig sowohl aus dem WMA‑ als auch dem IAAF-Regelwerk (Regel 143 IWR). Letzteres schreibt sogar vor, dass bei allen internationalen Meisterschaften, auch bei denen der Senioren, jede Nation in einem „einheitlichen“, vom Verband zugelassenen Trikot an den Start gehen müsse.

Dies bei seinem eigenen Verband durchzusetzen, setzte sich der „Repräsentant fürs Ästhetische“ Karl-Heinz Flucke, zum Ziel, sich also selbst eine längst überfällige Aufgabe zu setzen. Da kam ihm der Antrag von Kurt Kaschke, Kollege im Bundesfachausschuss, zuständig fürs „Internationale“, und der Interessengemeinschaft „proMASTERs“, deren Sprecher Kaschke gleichzeitig ist, gerade recht, der im Ausschuss zur Vereinheitlichung des Nationaltrikots eingebracht wurde. Seit dem sind Monate vergangen und der Antrag ruht wohl im Dickicht der Ausschussarbeit.

Die nächsten internationalen Meisterschaften stehen an (22.-25. März in Helsinki und 17.-20.5.07 in Regensburg). Vielleicht hat es aber „das Volk“ noch nicht mitbekommen und Änderungen wurden als Konsequenz aus dem Vorpreschen Karl-Heinz Fluckes bereits gezogen. Zumindest sind sie aber bislang nicht veröffentlicht worden (nur, dass der Verband am Verkauf der Nationalmannschaftstrikot auf einen geringen Teil seines „Verdienstes am Senioren“ verzichtet, wurde beschlossen, veröffentlicht und bereits in die Tat umgesetzt). Aber vielleicht liegt das ja daran, dass die Koordination der im Bundesfachausschuss Senioren Zuständigen -denn den gibt’s schließlich auch- noch nicht so richtig klappt. Denn alles braucht seine Zeit, vor allem, wenn der Ausschuss noch so jung ist und sich die einzelnen Mitglieder noch zusammenfinden müssen. Schließlich handelt es bei allen um Ehrenamtliche, die bei der Umsetzung von Ausschussarbeit nicht genauso professionell arbeiten können wie Hauptamtliche. Allerdings könnten der Beauftragte des Ausschusses für Ästhetik und der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit vielleicht etwas effektiver zusammenarbeiten…

Jedenfalls ist das „Seniorenvolk“ gespannt auf „Helsinki“, wenn sich zeigen wird, welche Konsequenzen aus dem Anstoß von Karl-Heinz Flucke in Poznan gezogen worden sind. Handeln ist geboten, denn Proteste gegen das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft sind vorprogrammiert. Die anderen Nationen sehen genüsslich zu, wie „die Deutschen“, bekannt für ihre beflissentliche Regeltreue und –einhaltung, in einem Trikot-Flickenteppich an den Start gehen, weil der Verband seiner Aufgabe, die Zulassung der zu tragenden Trikots ernst zu nehmen und zu regeln sowie aus Verstößen hiergegen Konsequenzen zu ziehen, nicht nachkommt, nicht nachkommen kann oder nicht nachkommen will.

Bernd Hippel

“Schnäppchen”

3. März 2007

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat den Teilnehmern an internationalen Meisterschaften beim Erwerb der Nationalmannschaftskleidung 20 %ige Ermäßigung angeboten. Dies ergibt sich aus einer Pressemitteilung des DLV. Damit sollen die Senioren, die den DLV nach außen repräsentieren entgegen gekommen werden. Damit soll aber auch ein Beitrag zur Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes von deutschen Senioren bei ihrem internationalen Auftritt geleistet werden. Der DLV will damit weniger an seinen eigenen Senioren verdienen.
Dagmar Fuhrmann, Aktivensprecherin bei proMASTERs, der Interessengemeinschaft der deutschen Senioren, hatte den Anstoß gegeben, weil sie immer wieder von ihren ausländischen Konkurrenten auf die Vielfalt der deutschen Senioren angesprochen wurde. Die ausländischen Seniorenmannschaften bei Europa- oder Weltmeisterschaften stachen durch Einheitlichkeit heraus. Vielfalt dokumentierten die DLV-Senioren insbesondere bei den Staffelwettbewerben – vier Athleten in einer Staffel und vier unterschiedliche Trikots. Das widersprach dem Vorstellungsbild vieler Athleten vom Auftritt in der Nationalmannschaft.

Das DLV-Team glänzte nicht nur jeweils mit der größten Mannschaft, sondern auch mit einer ausgeprägten „Flexibilität und Vielfältigkeit im Erscheinungsbild“. Grundsätzlich dürfen DLV-Senioren bei internationalen Meisterschaften in jedem Nationaltrikot starten, das jemals als solches vom DLV eingeführt und zugelassen wurde, wie proMASTERs-Vertreter Rüdiger Nickel bestätigte, der den hierfür zuständigen DLV-Vizepräsidenten Prof. Böhnke am Rande der Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften hierzu befragt hatte. Sicherlich trägt diese Ausdehnung der Zulassung auf sämtliche Nationaltrikots, deren Zulassung nicht zurückgenommen worden ist – also bei keinem -, nicht zur Vereinheitlichung des DLV-Erscheinungsbildes, vor allem bei den Staffeln, bei.
Mit der Gewährung eines 20 %igen Rabatts auf den Einzelhandelsverkaufspreises hat der DLV nunmehr aber auf einem anderen Gebiet Bewegung in die von proMASTERs initiierte Diskussion gebracht. Da davon auszugehen ist, dass der Trikot-Hersteller als DLV-Generalausrüster und ‑sponsor dem Verband zumindest die gleichen Bedingungen einräumt wie jedem Einzelhändler auch, reduziert der DLV seinen Gewinn durch den verbilligten Verkauf der Nationalmannschaftstrikots an seine Repräsentanten bei Seniorenmeisterschaften erheblich. Dies ist eine erhebliche finanzielle Einbuße des Verbandes, wenn man die durchschnittlichen Spannen zwischen den Einkaufs- und Verkaufspreisen, in etwa das Doppelte des Einkaufspreises, berücksichtigt. Mit der Reduzierung des Verkaufspreises um 20 % verdient der DLV damit nur noch 80 % der Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis.
Und so sieht die Rechnung für ein Nationaltrikot aus: Kostet dieses beispielsweise 40 € im Verkauf und verkauft es der DLV an seine Senioren-Nationalmannschaftsmitglieder für 20 % weniger, also für 32 €, dann reduziert er seinen Gewinn um 8 € und verdient an den Senioren „nur“ noch 12 € (bei einem Einkaufspreis von 50 % des Verkaufspreises, also 20 %). Nur noch 12 € pro Trikot an einem Senioren, der im deutschen Nationaltrikot starten will und den DLV vertreten soll! Das ist schon ein „Schnäppchen der besonderen Art“! Für wen, mag jeder selbst entscheiden.

Bernd Hippel