Archiv für April 2007

Gehandelt

15. April 2007

Die EAA hat gewählt. In Cannes wurde Hansjörg Wirz als EAA-Präsident, ohne Gegenkandidaten, für weitere zwei Jahre bestätigt. Um die 2 Vizepräsidenten, die 13 Council-Mitglieder und die jeweils 4 Komitee-Mitglieder (Development und Competition) hingegen gab es Gerangel.
Während die DLV-Kandidaten Manfred Mamontow (Aus in Wahlgang 1 mit 6 Stimmen) und Georg Kemper (Aus in Wahlgang 2 mit 15 Stimmen) durchfielen, sicherte sich DLV-Generalsekretär Frank Hensel (Wahl mit 31 Stimmen in Wahlgang 1) als Prokop-Nachfolger einen Platz im EAA-Council.
Nicht mehr in einem EAA-Gremium hingegen ist Alfio Giomi, der bisherige Verbindungsmann zwischen EAA und EVAA. Die FIDAL hatte ihren Landsmann nicht mehr aufgestellt. Die EVAA wird daher einen neue Verbindungsperson bekommen.
In Insiderkreise wird Frank Hensel bereits als Nachfolger von Alfio Giomi gehandelt. Damit hätte das EVAA-Council, dem bereits Dieter Massin und Kurt Kaschke angehören, einen dritten Deutschen im Präsidium…
;-) André Rottricht

Tatbestand

7. April 2007

Die Berliner Zeitung fasst heute einen Beitrag von Andreas Singler zum Todestag der Mehrkämpferin Birgit Dressel vor 20 Jahren zusammen. Sie starb in der Mainzer Uniklinik am 10. April 1987 im Alter von 26 Jahren an einem „komplexen toxisch allergischen Schock“.
Hintergrund: Die Athletin war seit 1981 Patientin des Freiburger Sportmediziners Professor Dr. Armin Klümper, der heute seinen Lebensabend in Südafrika verbringt, und hatte zuletzt in 16 Monaten ca. 400 Spritzen erhalten. Sie erhielt das Anabolikum Stromba und nahm am Schluss die Höchstdosis von 6 Tabletten wöchentlich ein [Quelle]. Im Februar 1987 hatte ihr Klümper 15 verschiedene Arzneimittel gespritzt, u.a. tierische Zellpräparate die zu Dauerimmunreaktionen des Körpers führten.[Quelle] Dressel nahm 20 verschiedene Präparate von drei Ärzten ein [Quelle].
Helmut Meyer, der damalige Chef des DLV-Bundesausschusses für Leistungssport, versicherte eilfertig, „dass Birgit Dressels Tod mit Doping nichts zu tun“ gehabt habe. Das Gegenteil stand schon damals fest. BZ: „Auf kritische Selbstreflektion verzichteten die meisten führenden Vertreter des Spitzensports. Wer wie der mittlerweile verstorbene Dr. Eberhard Munzert als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ernsthaft gegen Doping vorgehen wollte, wurde weggemobbt.“ Wie meist mit dabei BILD: „Herr Munzert! Entschuldigen Sie sich bei Professor Klümper.“ Munzert trat 1988 zurück. BZ: „Vordergründig hatte man ihn im Verband wegen eines DLV-Etatlochs von 200.000 DM kritisiert. Die Heftigkeit der Angriffe gegen ihn – der Dressels Arzt Klümper selbst auf Intervention von NOK-Präsident Willi Daume nicht zurück ins Olympiateam holen wollte – war seiner „leistungssportfeindlichen“ Dopinggegnerschaft geschuldet. Munzert gehörte zu den wenigen Funktionären, die durch Birgit Dressels Tod aufgerüttelt worden waren.“
Die allgemeine Linie war eine andere „Die zeitlich limitierte Gabe von Anabolika zum Wiederaufbau atrophierter Muskulatur nach Immobilisierung oder langdauernden Verletzungen stellt eine therapeutische Maßnahme dar und erfüllt nicht den Tatbestand des Dopings“, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention 1988.
Was damals sonst noch gesagt wurde, liest sich so:

„Die sportärztlich durchgeführte Therapie mit ihren vielfältigen und variantenreichen Maßnahmen wird angesichts der außergewöhnlichen Zahl und der unterschiedlichen Arten von Kombinationspräparaten und Fremdeiweißapplikationen als nicht mehr überschaubar und in ihren Wirkungen auf den Organismus (auch Kombinationswirkungen) nicht abschätzbar angesehen.“
Aus dem medizinischen Gutachten zum Todesfall Birgit Dressel

„Ich möchte hier nur nochmals betonen, dass es sich bei diesen Substanzen (Anabolika, d. Red.) nicht um verbotene Stoffe handelt, sondern die Einnahme unter sportethischen Gesichtspunkten diskutiert und kritisiert wird.“
Birgit Dressels Trainer Thomas Kohlbacher bei der polizeilichen Vernehmung

„Wenn meine ärztlichen Mitarbeiter oder ich Anabolika rezeptiert oder verabreicht haben, so geschah dies ausschließlich aus medizinischen Gründen.“
Birgit Dressels Arzt Armin Klümper bei der polizeilichen Vernehmung

„Ich sah die ganze Sache mehr als Versuch an, ob dadurch Leistungssteigerungen zu erzielen wären.“
Thomas Kohlbacher

„Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich mir von Funktionären oder von irgendwelchen Reglementen vorschreiben lasse, wie ich Medizin zu betreiben habe.“
Armin Klümper in einem Interview

„Außerdem kann wohl bei einer Anabolika-Applikation im Januar keine Dopingabsicht des behandelnden Arztes hinsichtlich der Wettkämpfe im August/September unterstellt werden.“
Armin Klümper in einer Eidesstattlichen Erklärung vom 26.10.1991 in Widerspruch zum Dopingreglement

„Man sollte Doping freigeben.“
Prof. August Kirsch, DLV-Ehrenpräsident und damals Chef des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 1988

„Unkraut vergeht nicht.“
Publikation Klümpers zu Heilkräutern

Andreas Singler ist Autor des Buches „Doping im Spitzensport“ (Meyer & Meyer Verlag, 2006).

Mehr in der Netzeitung

„Der Fall war ein einziges Mahnmal – und das müsste er heute noch sein“ , sagte Helmut Digel, der Vize-Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), am Wochenende gegenüber dpa. Ich möchte angesichts der ungebrochenen Dopingmentalität und mit Blick auf die Vaterstettener Erklärung daran erinnern.

Davonlaufen

7. April 2007

Diese Kolumne habe ich Ostern in DIE ZEIT 15/2007 gefunden:

„Veteranen an die Front!
EIN RENTNER SIEHT ROT
Haug von Kuenheim wünscht sich mehr Ältere in der Politik

Kaum zu glauben, aber es gab und gibt doch wirklich Stimmen, die den frisch gekürten Kandidaten für den Hamburger Bürgermeistersessel für zu alt halten. Ja, für zu alt! Was? Der mit seinen 65 Jahren will eine Millionenstadt regieren? Ein Veteran möchte an die Front? Die so schwadronieren, meinen unseren Freund und Kollegen aus der ZEIT, Mike Naumann, der für die Sozialdemokraten den CDU- Bürgermeister Ole von Beust herausfordern wird.
Man fasst es nicht. 65 Jahre und zu alt.
Alter ist nicht gleich Alter. Das Alter hat viele Gesichter. Zum Beispiel schätzen wir das Alter eines sechsjährigen Kindes meistens recht genau ein. Bei einem 75-Jährigen liegen wir hingegen oft daneben. Der kann ausschauen wie 80 oder 60. Eigentlich müsste es längst Allgemeingut geworden sein: Die heutigen Alten sind vitaler als die Gleichaltrigen aus früheren Generationen. Ein 65-Jähriger des Jahres 2007 ist geistig und körperlich so fit wie ein 50- bis 60-Jähriger vor dreißig Jahren.
Der herrliche Spruch, den Jacob Grimm vor fast 150 Jahren in der Berliner Akademie der Wissen- schaften zitierte, ist längst überholt: Vierzig Jahre stillestan, fünfzig Jahre geht Alter an, sechzig Jahre ist wohlgetan, siebzig Jahre ein Greis, achtzig Jahre schneeweiß, neunzig Jahr der Kinder Spott, hundert Jahr gnad Dir Gott. In unseren Tagen glauben nur noch Gewerkschaftsfunktionäre an die Sprüche von dunnemals. Sie halten einen 65-Jährigen heute nicht mehr für leistungsfähig, der deswegen unbedingt in den Ruhestand geschickt werden soll. Diese Einstellung sollte schleunigst aufgegeben werden, denn sie widerspricht allen Erkenntnissen. Im Gegenteil, eine starre Altersgrenze für den Einstieg ins Pensionsalter darf es nicht länger geben.
Gewiss, im Alter gibt es nicht zu leugnende Defizite. Neues schnell zu lernen fällt unsereinem schwerer als einem Springinsfeld. Der Ton liegt auf schnell. Aber wir müssen ja nicht unbedingt chinesische Vokabeln büffeln, und auch ein Hamburger Bürgermeister muss dies nicht tun. Dafür bringen wir in der Regel Lebenserfahrung ein, soziale Kompetenz, Ausdauer, verstehen mit Menschen umzugehen und haben auch unsere Neugierde nicht verloren.
Dass nun in der Politik praktisch nur das Mittelalter den Ton angibt, die 40- bis 50-Jährigen – im Bundestag sind weniger als eine Handvoll über 70 Jahre alt –, ist von Nachteil. Denn die Gruppe der Mittelalterlichen ist es, die das Alter lieber verdrängt und es nur als Problem definiert. Sie übersieht geflissentlich die Chancen und Möglichkeiten, die das Alter bietet.
Quod erat demonstrandum. 65 Jahre – ein gerade-zu idealer Zeitpunkt, um sich als junger Alter noch ein paar Lorbeeren zu holen.“
Haug von Kuenheim ist 72. Nach 40 Jahren bei der
ZEIT – unter anderem als Leiter des Modernen Lebens
und stellvertretender Chefredakteur – privatisiert er heute.

Nicht nur Peter Lessing (M65) würde übrigens dem Ole von Beust locker davonlaufen…

Bella Italia

3. April 2007

Diese Sache mit den vielfältigen Trikots… Sollte es das etwa auch andernorts geben?

Bella Italia
(Foto L. Locati)

und mehr in italienischer Sprache, die ich nicht wirklich verstehe, aber ich denke mir mal …
:-)