Archiv für Juni 2007

Erklärbar

29. Juni 2007

Honi soit qui mal y pense:
In einer Presseinformation stellte jetzt der DLV dar, wie intensiv die Bemühungen des DLV im Kampf gegen Doping sind. Zitiert wird DLV-Generalsekretär Frank Hensel:
„Hensel verwies darauf, dass der DLV der deutsche Sportverband sei, der seit 1993 „am offensivsten mit dem Thema Doping umgegangen ist. Wir haben modellhafte Dinge auf den Weg gebracht.“ Als Beispiele nannte er die Athletenvereinbarung, den Antidoping-Beauftragten und den Sonderkontrollkader.“
Allgemein bekannt ist allerdings, dass der DLV bereits zwei Jahre vor dem von Hensel genannten Datum, nämlich seit 1991 diesen offensiven Kampf gegen Doping betreibt, als er damals – in Deutschland erstmalig – einen Antidoping-Beauftragten installierte und federführend durchgriff (mit den Verfahren Krabbe & Co.). Auch der Sonderkontrollkader wurde durch den ersten DLV-Antidoping-Beauftragten eingeführt.
Dieser erste DLV-Antidoping-Beauftragte war Rüdiger Nickel, der heute dieselbe verdienstvolle Arbeit für die EVAA leistet. Dies macht die Weglassung der ersten Jahre ernsthaften Doping-Kampfes kaum anders erklärbar als so: Rüdiger Nickel, bis 2004 dienstältestes Präsidiumsmitglied des DLV, stört bisweilen und könnte so für die Spitze des Verbandes eine persona-non-gratasein, über deren Konsequenz und Verdienste nicht mehr gesprochen wird…
Arnd Dieter Noffke

Gleich

26. Juni 2007

Weltmeisterin Christel Happ schreibt uns:
„Heute habe ich eine Bitte an Euch. Ich war in Hamburg bei den Norddeutschen Meisterschaften am Start. Leider mußten wir 75er wieder in der Alterklasse W7o starten. Im vergangenen Jahr durften wir in unserer Altersklasse antreten. Meine Frage: Wieso ist das so und warum wird bei den Männern bis zur M 80 ausgeschrieben?
In Hamburg waren in der W 70 von 25 Einzel-Meldungen 17 aus der Altersklasse W75.
Warum werden wir immer gegenüber den Männern benachteiligt? Es ist ja so, daß wir nicht nur gegen die Jüngeren antreten müssen, sondern wir müssen ja auch, z.B. bei DM in der Halle, auch die Normen für diese AK erfüllen.
Gestern habe ich dies an die Seniorenwartin unseres Landesverbandes in Sachsen-Anhalt geschrieben. Dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr Mal auf dieses Thema eingehen könntet.“

Christel Happ hat Recht. Wann beschäftigt sich der DLV-Bundesausschuss Senioren mit dem Thema?

Reiterei

24. Juni 2007

Der DLV hat uns von seiner Rechtsanwältin Anne Jakob eine E-Mail schreiben lassen. Sie lautet im Wortlaut:
„Sehr geehrter Herr Koop,
ich vertrete die rechtlichen Interessen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes DLV in Darmstadt aufgrund einer Generalvollmacht, die mir im Original vorliegt, und die ich Ihnen als eingescanntes Dokument anhänge.
Sie veröffentlichen aktuell auf Ihrer Internetseite www.masters-sport.de einen Text zu den Meldungen für die WM in Riccione. Insbesondere steht dort der folgende Satz:

„Der DLV lehnt offenbar jede Initiative ab, obwohl der Bundesfachausschuss Senioren bei seiner Tagung im Februar in Düsseldorf beschlossen hatte, künftig bei allen Internationalen Meisterschaften durch den DLV bei den Veranstaltern nach einer optionalen Nachmeldung zu fragen.“
Diese Aussage ist falsch. Dies ist Ihnen bekannt. Aufgrund der auf Ihre gestrige Frage hin gelieferten Fakten wissen Sie, dass sich der DLV mehrmals darum bemüht hat, die Anmeldefrist zu Gunsten der Athleten zu verlängern und Nachmeldungen weiterhin zuzulassen. Dies wurde dem DLV jedoch verwehrt. Den Wortlaut des entsprechenden Schreibens der WMA haben wir Ihnen zur Kenntnis gebracht. Auch mit heutigem Datum erhielt der DLV eine weitere schrifliche Absage durch die WMA.
Sie verbreiten daher wider besseren Wissens falsche Tatsachen. Der DLV hat sich nämlich offensichtlich sehr wohl und intensiv um die Möglichkeit von Nachmeldungen bemüht. Mit Ihrer falschen Aussage schädigen Sie den Ruf meines Mandanten. Ich fordere Sie daher namens und im Auftrag meines Mandanten auf, die falsche Aussage auf Ihrer Seite zu löschen und die Tatsache zutreffend darzustellen. Hierzu setzen wir Ihnen Frist bis heute, 14. Juni 2007, nachmittag 15 Uhr. Anderenfalls werde ich meinem Mandanten raten, seinen berechtigen Anspruch auf anderem Wege weiter zu verfolgen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Anne Jakob, LL.M.
Rechtsanwältin“

Wir haben daraufhin geantwortet. Auszugsweise:


Verehrte Frau Kollegin,

Wenn der große DLV einer kleinen privaten Internetseite so viel juristische Aufmerksamkeit schenkt, ist dies schon ungewöhnlich. Schöner wär’s allerdings, wenn man sich beim DLV genauso Ziel führend um die Athleten, zu denen auch die Senioren zählen, und ihre berechtigten Anliegen kümmerte. Wenn Sie mich verklagen wollen, können Sie das gern machen, desgleichen wenn Sie zu einer Strafanzeige greifen. Wissen Sie, verehrte Kollegin, ich bin knapp 30 Jahre im Geschäft, und derlei beeindruckt mich nicht.
Mit freundlichen und koll. Grüßen
Robert Koop
ps Um der mir wenig souverän erscheinenden Aufgeregtheit der DLV-Offiziellen entgegen zu wirken, wurde der Text inzwischen modifiziert. Den Grund dafür habe ich allerdings hinzu gesetzt. „

Es heißt jetzt statt der beanstandeten Formulierung in unserem Artikel:

Gleichzeitig gibt es von deutschen Mastersathleten die Frage nach einer Nachmeldeoption. Offenbar haben eine Reihe Athleten den frühen Meldetermin Ende Mai verpasst. der DLV lehnt offenbar jede weitere Initiative ab, nachdem der Bundesfachausschuss Senioren noch bei seiner Tagung im Februar in Düsseldorf beschlossen hatte, künftig bei allen Internationalen Meisterschaften durch den DLV bei den Veranstaltern nach einer optionalen Nachmeldung zu fragen. Bei der letzten WM im baskischen San Sebastian waren Nachmeldungen („late entries“) offiziell gegen ein Extra-Startgeld von 100 $ möglich. Auch bei der Hallen-EM im März in Helsinki hat es eine nicht öffentlich gemachte Nachmeldemöglichkeit gegeben. Eine Anfrage von www.masters-sport.de bei einem der Organisationschefs von Riccione, Lamberto Vacchi, brachte bisher keine Antwort. (14.06.07, update 14.06.07 nach Drohung des DLV mit rechtlichen Schritten)

Tatsache ist, dass niemand beim DLV es auch nur versucht hat, die rund 20 verspäteten Meldungen einfach nach Italien zu schicken. Die italienische Antwort auf diese Nachsendung wäre nach allem, was wir wissen, gewesen, die Meldungen einfach und stillschweigend in die Liste der Athleten aufzunehmen. Denn bis heute (!) liegen den Organisatoren aus technischen Gründen noch nicht die Meldungen aller Nationalverbände vor; es fehlen noch fast eine Handvoll. Selbst jetzt könnte der DLV also noch versuchen, die 20 Verspäteten einfach zu melden, wozu wir ihn aufgefordert haben. Unter den Säumigen sind übrigens mehrere Weltmeister, Weltrekordler und Titelaspiranten. Aber selbst diesen einfachen Meldeversuch lassen die Verantwortlichen des DLV sein, wie es heißt „aus Gründen der Gleichbehandlung“, und man schickt lieber unserer kleinen Webseite eine anwaltliche Abmahnung.
Welch eine lächerlich-bürokratische und zugleich wenig athletenfreundliche Prinzipienreiterei…
Robert Koop