Archiv für Juli 2007

Random

29. Juli 2007

Stan Perkins, in der WMA Vorsitzender des Antidopingkomitees, weist auf der Webseite des Verbandes daraufhin, dass Ausnahmeanträge für die Einnahme medizinidsch verordneter Wirkstoffe und Medikamente, die auf der WADA-Dopingliste stehen, bis zum 13. August bei WMA-Experten Karri Wichmann in Helsinki eingereicht werden müssen („21-Tage-Regel“) und setzt hinzu:

It should be noted by all athletes’ that random doping testing will take place during the championships.

Frei übersetzt: Alle Athleten sollten zur Kenntnis nehmen, dass es bei den Weltmeisterschaften stichprobenartige Antidopingkontrollen geben wird.

Nun, wir hoffen, dass es in Riccione zahlreiche Antidopingkontrollen geben wird, nicht nur eine Handvoll. Andererseits reicht das längst nicht aus. Denn jeder Mastersleichtathlet verliert sein Duell mit der Zeit, mit seinem Älterwerden und seine Leistungen werden, absolut betrachtet, langsamer oder kürzer. Gleichzeitig sieht man immer wieder, dass Konkurrenten und Konkurrentinnen zwar genauso älter werden wie andere, aber trotzdem schneller, besser – und zwar deutlich. Honi soit quy mal y pense?
Nein, sicherlich nicht. Wenn DLV-Präsident Prokop vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages über Doping im Seniorensport schwadroniert und IAAF-Vize Digel kurz danach mit geradezu wüsten Vorwürfen ins selbe Horn stößt, dann belegt dies allemal auch die Skepsis der Funktionäre vor mancherlei „masterlicher“ Leistungssteigerung. Diese Skepsis ist weder unberechtigt noch unangebracht. Seniorenleichtathleten sind Menschen wie andere, sie haben dieselben Schwächen. Sie wollen bisweilen den Kampf gegen die Zeit gewinnen und helfen dann eben nach.
Wie also muss die Seniorenleichtathletik reagieren? Keine Lösung ist die Doping-Freigabe, wie sie einzelne nicht nur in den USA wollen. In einer Zeit, in der über das Internet Dopingpräparate so leicht gekauft werden können wie Hustenbonbons, helfen nur konsequente Antidopingkontrollen: Sie dürfen eben nicht nur „Random“-mäßig bei Internationalen Meisterschaften oder bei Deutschen Meisterschaften stattfinden. Auch unterhalb von internationalen und nationalen Meisterschaften müssen sie sein – bei Landes-, Bezirks- und Kreismeisterschaften, bei regionalen Meetings und Sportfesten. Sie müssen genau so selbstverständlich sein wie die Windmessung, die elektronische Zeitnahme oder das Aufsperren des Stadions. Andernfalls kann man absehen, dass auch unser Wettkampfsport große, existentielle Probleme bekommen wird.
Lasst uns damit hierzulande anfangen und nicht nur mit dem Finger auf Regionen auf unserem Erdball zeigen, wo gar nicht kontrolliert wird („Good morning America, how are you?“); lasst uns nicht glauben, dass wir uns wegen der Untätigkeit andernorts zufrieden zurücklehnen können. Wir sollten für einen ehrlichen, sauberen Sport kämpfen und vorn sein – nicht nur im Medaillenspiegel sondern auch im Antidopingkampf.
hhn

Gelb

23. Juli 2007

Lasst uns lästerhaft fragen:
Was ist der Unterschied zwischen dem „Gelben Trikot“ und einem „gelben Schein„?
Beim „Gelben Trikot“ nimmt man die Pillen vorher….

Zudem

22. Juli 2007

„Zudem möchte der Verband in Zukunft der demographischen Entwicklung Rechnung tragen und der wachsenden Bedeutung des Senioren-Sports durch Hauptbetreuung gerecht werden.“
Das berichtet www.leichtathletik.de über die Erfurter Eröffnungspressekonferenz von DLV-Präsident Prokop.
Nicht gesagt wird, was dies bedeutet. Was hat man unter „Rechnung tragen“ und „Hauptbetreuung“ zu verstehen? Ich bin gespannt, was nach dieser Ankündigung jetzt tatsächlich geschieht.
Annette

75!

16. Juli 2007

Was noch zu berichten ist:
Guido Müller hat in Fulda seinen 75. Deutschen Seniorenmeistertitel errungen und gleichzeitig seinen Abschied bei Deutschen Meisterschaften aus der M65 gegeben.
Unsere herzlichen Glückwünsche aus dem Nordwesten

Strohfeuer

16. Juli 2007

Der Sonntag war im Stadion Johannisaue der Stadt Fulda zur Dopingkampf freien Zone erklärt worden. Zumindest konnte der aufmerksame Beobachter bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften II diesen Eindruck gewinnen. Der Dopingkontrollraum war verwaist. Kein Helfer hielt nach Abschluss einer Disziplin einem Athleten das Formular unter die Nase, aus dem sich ergab, dass er zur Dopingkontrolle ausgewählt worden sei und seine Probe abgeben müsse. Ob der Verantwortliche für die Dopingprobenabnahme am Sonntag im Stadion war, wusste keiner. Zu sehen war er jedenfalls nicht. Das war am Vortag noch anders. Samstag: der übliche Betrieb hinter der Tribüne: Athleten wurden „gebracht“ und verließen, die einen schneller, die anderen – von der Hitze ausgedörrt – später, den Probenraum.

Auch der ansonsten übliche Stand des DLV war nirgends ausfindig zu machen, an dem sich Athletinnen und Athleten Informationen zum Dopingkontroll-Procedere abholen konnten. Der Doping-Info-Stand der Anti-Doping-Koordinierungsstelle war einfach nicht da. Das, was sich in Zittau bei den Seniorenmeisterschaften I angekündigt hat, wurde in Fulda fortgesetzt.

Am Sonntag erinnerte nur das hastig hingekrickselte Schild „Dopingraum“ daran, dass Dopingkampf auch bei Senioren angesagt ist. Noch in der „Vor-Zittau- und Fulda-Zeit“ hatte der DLV Farbe bekannt, nachdem die Interessengemeinschaft „proMASTERs“ auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen hatte, bei Senioren gerade die Aufklärung und Information in den Vordergrund zu stellen. proMASTERs hatte dies mit eigenen Sprechstunden und Anti-Doping-Ständen auch in die Tat umgesetzt. Nach dieser proMASTERs-Initiative hatte sich was getan in Darmstadt. Die Notwendigkeit war – sehr zum Wohlgefallen der überwiegenden Mehrheit der Senioren – erkannt worden.

Noch in Düsseldorf war eine Vereinbarung mit dem DLV getroffen worden, nach der die Maßnahmen mit proMASTERs koordiniert werden, um Doppelgleisigkeit zu vermeiden. Wenn der DLV die Idee von proMASTERs, einen Anti-Doping-Aufklärungsstand bei den Seniorenmeisterschaften aufzustellen, um das Informationsbedürfnis zu befriedigen, übernimmt und einen solchen Stand aufstellt, dann muss proMASTERs nicht auch noch einen Stand aufstellen. Vernunft, Effektivität und Transparenz bahnten sich ihren Weg.

Damit war in Zittau und Fulda aber Schluss. Dass kein Aufklärungs- und Informationsstand aufgebaut war, verwunderte die Teilnehmer. Glücklicherweise war der Anti-Doping-Beauftragte von proMASTERs in Fulda anwesend,  der sich, wie schon bei den vergangenen Meisterschaften, den Fragen und Anregungen der Teilnehmer annahm.

Dass es im Dopingraum am Sonntag so ruhig war, mag zweierlei Gründe haben: Entweder war der „doping-officer“ mit seinem Personal anwesend und hatte nichts zu tun, dann fragt man sich, warum. Hätte das Geld nicht anderweitig im Kampf gegen Doping verwendet werden können? Oder es wurden gar keine Proben am Sonntag abgenommen. Dann fragt man sich, ist das noch effektiver Dopingkampf, wenn nur ein provisorisches Schild verrät, dass da doch irgendwas mit Dopingkampf gewesen sein muss und die auf alle Veranstaltungstage zu verteilenden Kontrollen nur an einem Tag genommen werden. Die Anti-Doping-Aktivitäten schon wieder vergessen oder eingeschlafen? Ein Strohfeuer, das Aufflammen des Aufklärungsinteresses des Verbandes?

Gerade der Präsident des DLV hatte bei seinen diskriminierenden Äußerungen vor dem Sportausschuss des Bundestages zur Dopingmentalität bei den Senioren nicht nur für Unruhe und Empörung gesorgt, sondern damit auch den Fokus auf den Aufklärungs- und Informationsbedarf bei den Senioren gelenkt.

Sicherlich wird proMASTERs diese neu entstandene – alte – Lücke wieder zu schließen wissen. Denn die Notwendigkeit von Information und Aufklärung besteht nach wie vor.

 

Bernd Hippel

„Hallo,

16. Juli 2007

die letzten Tage standen ganz im Zeichen des Nachwuchses….“

Das ist die Einleitung des aktuellen DLV-Newsletters (das Denglische muss heute eben sein), den ich eben in meinem elektronischen Postfach vorgefunden habe. Dass es am Wochenende großartigen Sport bei den Seniorenmeisterschaften II in Fulda gab – Fehlanzeige. Die neue Weltbestleistung von Christiane Schmalbruch findet sich nur unter den Stichworten am Schluss der DLV-Information, die von Wladislaw Kowalczyk wird als solche nicht einmal erwähnt.
Auch nicht die beeindruckende Leistungsdichte der M65 im Speerwurf. 10 Teilnehmer übertrafen die 40-Metermarke – so etwas gab es noch nie. Platz 5 mit 43,59m hätte bei der WM in San Sebastian Platz 3 bedeutet. Übrigens: Der Oldie Dietrich Hoffmann (*1938) gewann schließlich vor dem Favoriten Peter Mörbel.
Über all dies findet sich kein Wort im DLV-Newsletter. Schade.

Schotten

9. Juli 2007

Die Schwaben, die als besonders sparsam gelten, sollten vielleicht einen Blick zu den Schotten werfen, für die dasselbe gilt. Denn während die schwäbische Weltmetropole Stuttgart die Leichtathleten aus ihrem Gottlieb-Daimler-Stadion herauswerfen und ein reines Fußballstadion will, zeigen die Schotten: Es geht auch anders und wollen einen ganz anderen Weg einschlagen. Sollte die Bewerbung für die Commonwealth Games 2014 in Glasgow von Erfolg sein, würde der „Hampden Park“, das Stadion der schottischen National-Kicker, in ein Leichtathletik-Stadion umgebaut werden.

Nicht ganz

1. Juli 2007

Während wir noch darüber rätseln, ob für die DM I am nächsten Wochenende in Zittau wirklich nur 633 Athletinnen und Athleten gemeldet haben (die Startnummernfolge nennt keine höhere als diese Zahl), lesen wir im Online-Veranstaltungsverzeichnis der Stadt Zittau diese Ankündigung:

Fr 06.07.2007 bis So 08.07.2007
Deutsche Weltmeisterschaften Senioren I
(Weinauparkstadion)