Archiv für April 2008

Durchgehalten

30. April 2008

Gefreut habe ich mich über Georg Janelt und diesen Zeitungs- und Internetbericht, der sich nicht mit Siegern befasst, sondern mit dem Letzten:

“Irgendwie wirkte er so, als wenn er es selbst nicht fassen könnte, dass er tatsächlich im Ziel war. Doch rechts von der Ziellinie wartete bereits die Verwandtschaft und jubelte dem 52-Jährigen zu. Georg Janelt lehnte den Oberkörper auf das Absperrgitter und nahm dann einen kräftigen Schluck. Der 118-Kilo-Mann lief nach 2:49:07 Stunden als Letzter ins Ziel.

Sie wirken nicht so, als wären Sie traurig darüber, als Letzter ins Ziel gekommen zu sein
Georg Janelt: Nein, das war mein erster Halbmarathon. Ich bin froh, dass ich es überhaupt geschafft habe.

Was war Ihre Motivation, in Ingolstadt zu starten
Janelt: Ich bin ja auch schon 10 000 Meter gelaufen, und als ich das bei einem Geburtstag meinem Neffen Michael Schneider erzählt habe, hat der gemeint, dass hier in Ingolstadt im April ein Halbmarathon stattfindet. Dort könnte ich beweisen, was ich wirklich noch drauf habe.

Hatten Sie Zweifel, ob sie durchkommen würden
Janelt: Bei Kilometer 18 hätte ich beinahe aufgehört. Aber dann haben mich die zwei Mädels, die den Letzten mit ihren Besen begleiten, so motiviert, da musste ich durchhalten.”

Von Gerhard Kapff iwww.donaukurier.de 

Herzlichen Glückwunsch, Georg Janelt, dass Du durchgehalten hast!

Auswertung

28. April 2008

Viel Arbeit macht die Auswertung der einzelnen Sportfeste. Manchmal freut man sich auch nur, weil hinter dürren Resultatlisten auf den ersten Blick mehr als nur gemessene Weiten und Zeiten, nämlich  großartige Persönlichkeiten und Geschichten stecken. Zum Beispiel haben wir heute bei der Bahneröffnung im niedersächsischen Nienhagen diese Daten gefunden:

Frauen W75 [Klassenübersicht]

100 m Endlauf                  Wind: 0,9                        26.04.2008
 1.Stölting, Ingrid            32 MTV Wolfenbüttel                 22,09 sec

Kugelstoß  Vor-/Endkampf                                        26.04.2008
 1.Stölting, Ingrid            32 MTV Wolfenbüttel                  5,95 m  

Diskuswurf  Vor-/Endkampf                                       26.04.2008
 1.Stölting, Ingrid            32 MTV Wolfenbüttel                 13,80 m

       

Männer M75 [Klassenübersicht]

100 m Endlauf                  Wind: -1,0                       26.04.2008
 1.Stölting. Konrad            30 MTV Wolfenbüttel                 23,39 sec

Diskuswurf  Vor-/Endkampf                                       26.04.2008
 1.Stölting. Konrad            30 MTV Wolfenbüttel                 15,10 m

Ist es nicht einfach nur toll, wenn die Stöltings im jugendlichen Alter des achten Lebensjahrzehnts gemeinsam Leichtathletik machen, sie dabei schneller ist als er, aber er wiederum die Diskusscheibe weiter wirft als sie?

Übrigens können wir nicht jede persönliche Leistung aufgreifen und veröffentlichen. Dafür bitten wir um Verständnis. Meist richten wir uns ein bisschen nach “dem Reckemeier” des Vorjahres. Wenn eine Leistung unter die zehn Besten der entsprechenden Altersklasse gepasst hätte, berichten wir (oder wollen es zumindest). Allerdings gibt es natürlich keinen Grundsatz ohne Ausnahme, zumal wir längst nicht von allen Sportfesten erfahren, bei denen Masters-Leichtathleten gute Resultate erzielen. Also die Bitte: Mailt uns, wenn es spannende, berichtenswerte, neue Informationen aus der Seniorenleichtathletik gibt…

Missgriffe

27. April 2008

Die Männer und Frauen der deutschen Leichtathletik sind bekanntlich zurzeit nicht sonderlich gut. Da bekommt dann dieser Satz eine ganz besondere Aussagekraft:

“Wenn unsere Athleten/innen so gut sind wie die neue Kollektion, dann ist mir vor der Leichtathletik-Zukunft nicht bange”, sagte DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop vor 250 geladenen Gästen im stets beeindruckenden Oberhausener Gasometer. Der Anlass: Die werbewirksame Vorstellung “der neuen DLV-Kollektion”. 

Den Bericht über die ”neue Kollektion” der DLV-Athleten habe ich mit einer Mischung aus Erschrecken und Kopfschütteln gelesen, und im Internetforum des DLV habe ich spontan geschrieben: 

“Wer entwirft so peinliche und vom Schnitt mehr als verunglückte Wettkampfbekleidung und wer segnet sie ab? Gab es wirklich niemandem beim DLV, der diese verunglückte Kollektion abgelehnt oder gar verhindert hat? Und die Nationalfarben in der falschen Reihenfolge - oh jeh!

Die Leipziger Internetzeitung lizzy  schreibt hingegen begeistert: “Trägerhemd und Turnhose war früher. Heute würde ein Sportler für dieses Outfit höchsten noch ein mildes Lächeln ernten.” Denn -und jetzt folgt eine Passage Krampf aus der peinlichen Wortküche der Werbestrategen:

“So verloren die Laufschuhe dramatisch an Gewicht - dank Lunarlite Foam Technologie und Flywire Technologie . Auch wurde der einteilige Nike-Swift-Laufanzug durch den Einsatz von noch aerodynamischeren Stoffen für die Sprinter noch windschlüpfriger gemacht. Dabei gewährleistet die Aerographics-Technologie am Rücken eine maximale Kühlung. Außerdem gibt’s kaum noch Nähte an der neuen Kleidung. Das wiederum ist ein Verdienst der No-Sew-Technologie. Als “optisches Highlight” wird das Aerographics-Motiv gepriesen, das die Rückenpartie der Kollektion ziert.”

Da muss ich -noch mal ganz spontan-  hinzu- und drauf setzen: Irgendwie gefallen mir die Wörter “Trägerhemd und Turnhose”  - bei all diesem Technologie-Gefasel.

Und was muss noch gesagt werden? Na klar! Den Seniorensportlern im DLV wäre weder der sprachliche noch der gestalterische Missgriff bei der Wettkampfkleidung passiert. An den sprachlichen Problemen  arbeitet sich längst EVAA-Chef Dieter Massin ab, und dank DLV-Vize Michael Böhnke haben wir für das andere längst unseren Mann für die Ästhetik  nebst einer ebenso folgerichtig wie traditionell ungeheuer vielfältigen Trikot-Auswahl 

Schulterschluss

22. April 2008

Früchte trägt die erstrebte Zusammenarbeit zwischen dem DLV und proMASTERs, der Interessengemeinschaft Seniorenleichtathletik. Und diese Zusammenarbeit kommt den Senioren insgesamt zugute. Die Repräsentanten von DLV (Dr. Anne Jakob), der EVAA (Präsident Dieter Massin), der Zeitschrift Senioren-Leichtathletik (Frank Krümmer) und proMASTERs (Kurt Kaschke und Rüdiger Nickel) hatten ein koordiniertes Vorgehen ins Auge gefasst. proMASTERs hatte daraufhin den proMASTERs-Substanzen-FINDEX kreiert und auf seine Website (www.promasters-la.de) gestellt. Sie wurde als wertvolle Hilfe für Seniorenleichtathleten, die auf Medikamente angewiesen sind, reißend in Anspruch genommen, gib er doch eine bislang nicht gekannte Schnell-Information, bevor zu jedem Medikament die NADA in Anspruch genommen wird (Denn bei der NADA kann jeweils eine Medikamentenanfrage gestartet werden).

Auf diesen proMASTERs-Substanzen-FINDEX verweist jetzt der DLV auf seiner Homepage unter www.leichtathletik.de – zur offiziellen Verbandsseite – Anti-Doping – Links – „proMASTERs-Findex - ermöglicht ein rasches Auffinden verbotener Substanzen“.

Das ist ein Schulterschluss zwischen DLV und proMASTERs zugunsten der Interessen der Senioren.  Nur weiter so: Dass hilft allen Seniorenathleten!

Bernd Hippel



6 Prozent

21. April 2008

Wer hat die WDR-Sendung ”sport inside” am 21. April gesehen? Und was hat die Sendung gebracht?

Ich meine: Das Problem ist, dass niemand etwas weiß, aber alle etwas zu wissen glauben, obwohl sie wie gesagt gar nichts wissen. Die Rede ist vom Doping, seinem Umfang und seinen Kontrollen sowie vom 5-Minuten-Bericht darüber, den heute Abend die WDR-Sendung dem Doping im Seniorensport allgemein und dem Doping in der Seniorenleichtathletik und dem Seniorenradsport im Besonderen widmete.

Letztlich hat der Bericht kaum etwas Neues gebracht, was interessierte Masters nicht schon wussten. Abgesehen davon, dass man jetzt die Anzahl der Kontrollen bei Deutschen Hallen-Meisterschaften kennt: “Wir machen heute vier und morgen zwei!” hieß es. Wenn es denn stimmt. Die taz schrieb, es seien acht - naja, kein wesentlicher Unterschied.

Was in der Sendung aber nicht gesagt wurde: Die Hälfte der “positiven” Kontrollen der letzten Jahre waren Zielkontrollen á la Susanne Pumper. Die Verantwortlichen kennen also schon ihre Pappenheimer.

Natürlich kann man die noch besser erwischen, wenn Geld auch für “out-of-competition-Kontrollen” oder jedenfalls für Kontrollen auch bei allgemeinen Sportfesten vorhanden ist und diese dann auch praktiziert werden. Erst wenn betrügende Mastersathleten damit rechnen müssen, aufzufliegen, hat unsauberer unfairer Sport keine Chance. Da sind wir dann wieder beim “Arno-Euro“. Er muss endlich kommen. 1 Euro pro Startmeldung stört niemanden, bringt aber Finanzen, um mehr und besser zu kontrollieren. 

Dann brauchen wir uns keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob nun tatsächlich 6 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer deutschen Meisterschaft gedopt sind, wie der WDR-Beitrag meinte. Dann kontrollieren wir und spekulieren nicht. 

Ach ja: Wenn die DLV-Antidopingbeauftragte Dr. Anne Jakob  in der Erfurter Leichtathletikhalle bei den Senioren-Hallenmeisterschaften dieses Jahres keinen Besuch informationshungriger Mastersleichtathleten hatte (was im März bereits die taz und jetzt der WDR mit erhobenem Zeigefinger berichteten), dann aus zwei Gründen:
Einmal haben die engagierten Antidoping-Streiter um proMasters in den letzten Jahren Aufklärung, Aufklärung und noch einmal Aufklärung geleistet. Und zweitens wendet man sich bei der notwendigen Einnahme von Medikamenten besser direkt an die NADA, wie ich es vor zwei Jahren gemacht habe. Die Antwort kam schnell, kompetent und vor allem lange vor dem Wettkampf, an dem ich teilnehmen wollte; ich brauchte damals übrigens keine TUE. Heute geht es bekanntlich noch schneller, denn es gibt den proMasters-Findex, den Rüdiger Nickel geschaffen hat. Eigentlich war das eine Aufgabe für den DLV, der aber im letzten Sommer mitgeteilt hat, nicht einmal mehr die TUE-Anträge an die NADA weiterleiten zu wollen…

Ziel

19. April 2008
Es geht einmal mehr um Doping. Da hat der Name “Pumper” im jüngsten Dopingskandal der europäischen Leichtathletik ja  durchaus etwas… Bedeutsam ist,  dass die positive Probe der Langläuferin Susanne Pumper (W35) nach einer mutigen Aktion von Wilhelm Lilge, der Sportkoordinator bei Pumpers Verein LCC Wien ist, zustande kam; das erinnert mich an ähnliche, erfolgreiche Kontrollen in Deutschland. Lilge hatte Zielkontrollen beantragt, wollte sich nach Dopinggerüchten um die Sportlerin Klarheit verschaffen. Offenbar hat in diesem Fall “Intelligent Testing” (Zielkontrolle) gegriffen. Es handelt sich dabei um unangekündigte Dopingkontrollen (oft abseits von Wettkämpfen) zu Zeitpunkten, an denen die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass der Sportler zu verbotenen Mitteln greift.
 
Die internationalen Verbände der Seniorenleichtathletik sollten hieraus Konsequenzen ziehen. Zum Beispiel die, dass Mastersathleten sich ausdrücklich dazu verpflichten müssen, nicht nur bei den Meisterschaften selbst sondern ganzjährig für Dopingkontrollen zur Verfügung zu stehen, wenn sie sich für Meisterschaften anmelden. Oder jedenfalls ab Anmeldung zu einer Meisterschaft. Finanziert durch die 1-Euro-Extra-Startabgabe, den nach Ideengeber Hamaekers benannten “Arno-Euro”, könnten dann effektive Zielkontrollen für eine sauberere Masters-Leichtathletik sorgen. Denn genau so wie Eitelkeit, Geltungsstreben und übertriebenen Ehrgeiz gibt es auch Doping-Betrug in jedem Alter und allen Altersklassen.

Würdig

16. April 2008

Jetzt ist es amtlich! Was kein Seniorensportler zu wagen gehofft hat, hat nunmehr der DLV amtlich bestätigt! Wolfgang Ritte ist Sport-Ass des Monats März 2008  und zwar nicht Sportsenior des Monats, was er sicherlich verdient hätte. Sondern Sport-Ass aller Klassen. Das war noch nie da. Bislang haben sich immer Aktive durchgesetzt, noch nie ein Seniorensportler. Und 45 % bei vier Kandidaten ist ein stolzes Ergebnis. Es zeigt, welchen Stellenwert zumindest die Schar der Athleten dem Seniorensport zwischenzeitlich einräumen.
Hoffentlich ist das ein Signal: Ein Signal an andere Seniorensportler, da
ss sich Leistung lohnt und ihre Leistung gewürdigt wird; Signal aber auch an alle, die Seniorensport bislang eher belächelt, zumindest nicht ernst (genug) genommen haben.
Horcht, horcht! Senioren stehen im Konzert der Großen ihre Frau, ihren Mann. Und das dank Wolfgang Ritte. Herzlichen Glückwunsch an das würdige Sport-Ass des Monats.
Bernd Hippel 

Schnellster

6. April 2008

Dass die großen deutschen Stadtmarathons längst ein Geschäft für die Veranstalter geworden sind, ist eine Binsenweisheit. Zum Halbmarathon in Berlin am Sonntag posaunten die Veranstalter eines weiß Gott attraktiven Halbmarathonlaufes dies:

Liebe Läuferinnen und Läufer,

der Halbmarathon boomt! Wenn am Sonntag, den 6. April 2008, die Teilnehmer auf die Strecke geschickt werden, erlebt die Hauptstadt den mit Abstand größten und schnellsten Halbmarathon Deutschlands. 

Der schnellste Halbmarathon? Ok, die eingeladenen Kenianer sind ziemlich flott. Aber die Mastersklassen sind es nicht. Mein Vergleich der Leistungen bei den kleinen aber feinen deutschen Halbmarathonmeisterschaften am Sonntag in Calw mit den Leistungen des großen und hochtourig verkauften Halbmarathon in Berlin sagt etwas anderes als die vollmundige Berliner Begrüßung: Alle Altersklassen in Calw hatten zumeist deutlich schnellere Siegerzeiten als die in Berlin. Ausnahme die M70, in der der Spanier Manueal Rosales in Berlin 11 Sekunden schneller war als in Calw (ausgerechnet!) Dauersieger Klemens Wittig aus Dortmund, der bekanntlich nicht nur im letzten Jahr alles in Grund und Boden gelaufen war.
Auch der ominöse und google-unbekannte, angeblich italienische M60-Sieger Loria Sergio (ohne Zwischenzeit! mit Startnummer 12821) bekräftigt die klare Erkenntnis:
Leistungsorientierte Masters-Läufer sind bei “den Deutschen” besser aufgehoben…