Archiv für Juli 2008

Weißblau

28. Juli 2008

Als Veranstalter muss man sich immer auch unkonventionell zu helfen wissen. 41 Leichtathletik-Landesverbände sind bei den 16. Europameisterschaften der Seniorenleichtathleten in Ljubljana vertreten und daher gibt es auch 41 Fahnen. Gestern flatterten die 41 oberhalb der Gegengerade und 41wurden auch bei den Siegerehrungen benötigt. Drei junge Männer tragen sie mit ernsthaftem Blick auf die kleine Bühne nahe der Start- und Ziellinie, postieren sich hinter den Athleten und sehen einmal mehr wie EVAA-Schatzmeister Pekka Kurki die Medaillen überreicht und anschließend bei den  Klängen diverser Natioanlhymnen die militärische Ausgangsstellung einnimmt und nur bei der italienischen leicht mit den Füßen wippt.

Gestern nun gab es ein Problem. Nur 40 Flaggen. Ausgerechnet die finnische fehlte. Nur wurde sie eben mehrfach benötigt. Da traf es sich gut, dass auch Israel Mitglied der EVAA ist und die israelische Flagge nicht nur nicht gebraucht wurde sondern in exakt demselben Weißblau gehalten ist – just wie die finnische. Ein um’s andere Mal knuddelte also der Fahnenträger die israelische Flagge am Griff zusammen und präsentierte sie so ernsthaft wie eine finnische Fahne. Eigentlich ist es (fast) nicht aufgefallen, denk ich mal.
Heute ist das Problem gelöst und die Finnen sind flaggenmäßig up-to-date.

Allerdings flattern inzwischen auch 42 Fahnen auf der Gegengerade, die Ungarische ist hinzu gekommen, etwas abgesetzt und ganz rechts außen. Warum 42, wenn nur 41 Länder gemeldet sind? Aber das ist eine andere Geschichte.

1,21

26. Juli 2008

Also, wir sind in Ljubljana angekommen nach 1200 und ein paar Kilometern mehr. Der Empfang im Hotel war eher reserviert. Die Kueche hatte geschlossen. Im Stadion gab es kein drahtloses Internet und das Media-Center sind sechs (oder sieben) heruntergeklappte Tischchen in Hoehe der Ziellinie. Aber an der ersten slowenischen Tankstelle kostete das Superbenzin 1,21 Euro. Welch ein Erlebnis… :-) )

DDR

23. Juli 2008
142 Jahre nach dem Ende des Deutschen Bund ergeben sich neue Perspektiven. Johann Gloggnitzer, Präsident des Österreichischen Leichtahletik-Verbandes, sagte jetzt diesen ‘Spruch der Woche’: 

„Wir wollen mit der DDR-Vergangenheit, die es auch bei uns gegeben hat, endgültig Schluss machen.“ 

Bernt Sterrenberg

19. Juli 2008

Manche wissen, dass ich die ersten gut 20 Jahre meiner Leichtathletikzeit beim VfL Lingen aktiv war. Mit meinem Trainer Arno Kosmider bin ich dann zur LG Emstal Dörpen gewechselt. Aber zu vielen VfL’ern habe ich noch guten Kontakt. Als ich bei der WM in San Sebastian startete, wünschte mir Bernt Sterrenberg alles Gute. Nur Tage später starb der aktive Seniorensportler dann bei einem Unfall. Seither gedenkt der VfL Lingen alljährlich seiner durch das Bernt-Sterrenberg-Senioren-Sportfest. In diesem Jahr findet es am Samstag, 30.08.2008 ab 14.30 Uhr im Lingener Emsland-Stadion statt, das an der Teichstraße 14 liegt; direkt nebenan befinden sich übrigens das Hallenbad Linus sowie ein kostenloser Platz für Wohnmobile. Das Startgeld beträgt 2 Euro.
Neben einem 5-Kampf finden Wettbewerbe über 200 m (ZL), 400 m (ZL), 1500 m, 5000 m, Weit- und Hochsprung, Kugelstoßen, Diskus-, Speer- und Hammerwurf statt. Die Ausschreibung findet sich hier. Der VfL hofft, dass in diesem Jahr mehr Teilnehmer aus nah und fern an diesem Wettkampf zum Andenken an Bernt Sterrenberg teilnehmen. Ich auch.

Meldungen bis Mi. 27. Aug. 2008 an Axel Hecht, Zum Neuen Hafen 14, 49808 Lingen(Ems) oder axel.hecht@ewetel.net.

Extrem

14. Juli 2008

Am Sonntagabend bin ich glücklich und zufrieden von der DM II aus Schweinfurt zurück gekommen. Dann las ich die ersten schrecklichen Meldungen vom „Extremberglauf“ zur Zugspitze, bei dem am selben Tag zwei Mastersläufer gestorben sind. Ich bin tief erschrocken. Meine Gemütslage gibt dieser Kommentar von Birgit Lutz-Temsch aus der Süddeutschen am besten wieder:

Das dramatische Ende des Zugspitzlaufs mit zwei Toten ist besonders tragisch – weil es vermeidbar war. Die Veranstalter versagten, als sie Verantwortung übernehmen mussten. 
Ein Kommentar von Birgit Lutz-Temsch

Der Lauf auf die Zugspitze hat mit dem Tod zweier Menschen ein tragisches Ende genommen. Der Sonntag steht symbolisch für eine Entwicklung, über die sich Bergwacht, Alpenverein und Hüttenwirte hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand schon lange beklagen: Immer mehr Menschen begeben sich allzu leichtfertig in Situationen, aus denen sie sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien können. Und sie geben ihre Verantwortung bei Bergführern oder Veranstaltern ab.

Der Extremsportevent auf die Zugspitze ist kein Stadtlauf in einer beliebigen Innenstadt, bei dem man sich jederzeit in einen geschützten Raum zurückziehen kann. Es ist ein Lauf über 2100 Höhenmeter durch hochalpines Gelände, in einem Gebiet, das für seine plötzlichen Wetterumschwünge bekannt ist. Dies sind Faktoren, die bei jedem Teilnehmer zu erhöhter Wachsamkeit führen müssten, die kein einziger der Teilnehmer ignorieren dürfte – gleich welche Aussage der Veranstalter trifft. Denn auch ein Veranstalter kann sich irren.

Viele Sportler, speziell Extremsportler, sind vor einer solchen Veranstaltung in ihrem Denken jedoch stark verengt: Manche bereiten sich monatelang vor, für einige ist dieser Lauf der Höhepunkt ihres Laufjahres. Dabei ist nicht jeder Bergläufer auch ein erfahrener Bergsteiger, oft ist er nicht geübt in der Wetterbeobachtung, weiß nicht, worauf er sich einlässt, wenn er im Tal steht und auf einen wolkenumhangenen Gipfel in knapp 3000 Meter Höhe blickt.

Was zählt, ist der Thrill des Außergewöhnlichen. Der Reiz, persönlich den höchsten Berg Deutschlands im Laufschritt zu bezwingen. Die Zugspitze – der Ort, an dem sich deutsche Nationalmannschaftsfußballer oder Spitzenpolitiker präsentieren – als Nonplusultra in einer expandierenden Freizeitgesellschaft.

Der Berg wird in dem Moment des Starts als eine Art Sportgerät betrachtet, der den Lauf den nötigen Schwierigkeitsgrad verleiht. Der Läufer konzentriert sich auf sich selbst und nichts anderes. Diesen Umstand kann man anprangern, man kann ihn geißeln, man kann in ihm eine generelle gesellschaftliche Entwicklung einer eindimensionalen Konsumhaltung sehen.

Was man jedoch als Veranstalter nicht darf, ist diesen Umstand zu ignorieren. Der Organisator eines hochalpinen Berglaufs muss nicht nur über die Risiken Bescheid wissen, die mit jedem Höhenmeter exponentiell steigen. Er kann sich auch nicht darauf berufen, dass gerade die Teilnehmer eines solchen Laufs wissen, wass sie sich zumuten können.

Im Gegenteil – der Ausrichter muss wissen, dass zumindest einige seiner Kunden diese Risiken aller Wahrscheinlichkeit spätestens nach dem Start unterschätzen. Denn mit dem Fortgang des Laufs tritt der Läufer in einen Zustand ein, der ihm den Blick auf die Realität weitgehend versperrt. Das Ziel will erreicht werden. Anders als ein hochalpiner Bergsteiger, für den ein mögliches Umkehren aufgrund widriger Bedingungen immer Teil seines Plans sein muss, existiert für den Bergläufer die Möglichkeit des Aufgebens in seinem Kopf nicht – sonst würde er es gar nicht auf den Gipfel schaffen.

2007 war der Zugspitzlauf wegen der schlechten Bedingungen verkürzt worden – was teils scharfen Protest der Läufer nach sich zog. Auch diesmal waren die Wetterverhältnisse in den Tagen vor dem Lauf im Zugspitzgebiet alarmierend. Auf sie hätte von einem umsichtigen Veranstalter, der die „Verrücktheit“ seiner Läufer kennt, dennoch deutlich reagiert werden müssen. Gerade als Organisator extremer Veranstaltungen muss man die Menschen manchmal vor sich selbst schützen.

Nun steht die Frage im Raum, ob gerade die Proteste der Sportler aus dem vergangenen Jahr dazu führten, dass der Lauf in diesem Jahr zu spät verkürzt wurde. Allem Anschein nach waren die Organisatoren mit der Situation überfordert. Das dramatische Ende des Zugspitzlaufs ist besonders tragisch, weil es vermeidbar war, hätte man die Zugspitze als das gesehen, was sie ist: Ein anspruchsvoller Berg, und keine kontrollierbare Event-Arena.

Nr. 1

10. Juli 2008

Vor ein paar Tagen habe ich Hallenweltmeister Dieter Tisch (ABC Ludwigshafen, M60) geschrieben und frozzelnd wegen seiner Startnummer 1 gelobt, unter der er in der Teilnehmerliste der DM II in Schweinfurt geführt wird.

Man soll aber bekanntlich nicht zu früh loben. Denn gerade sehe ich, dass Hochspringer  Hans Peter Probst (LG Baar, M 75) dieselbe Startnummer 1 auch hat. 

Da ist wohl wirklich in der Schweinfurter Vorbereitung manches durcheinander gegangen…

Hamburg

1. Juli 2008

Ich ärgere mich über die Internetseite des Hamburger Leichtathletikverbandes. Die Seite hat eine eigene Abteilung für die Seniorenleichtathletik. Das aber sollte eigentlich nicht bedeuten, dass sie besonders alte Informationen präsentiert.
Jedenfalls tut sich seit 2006 nichts auf dieser Seite. Man liest immer wieder:

BERICHTE 

„Senioren-Europameisterschaft 2006 in Posen (Polen) 

Die internationalen Masters Championchips haben sich als Höhepunkt der Senioren-Leichtathletik etabliert. In diesem Jahr war die polnische Stadt Posen der Gastgeber. Zwischen dem 19. und 30. Juli gingen 6.304 Athleten aus 40 Ländern an den Start. Der DLV stellte mit 681 Teilnehmern das größte Aufgebot aller Nationen. 15 Athleten davon kamen aus dem Bereich des Hamburger Leichtathletikverbandes…. „

Merke: Flotte Fotos und ein ansprechendes Äußeres können über veraltete Inhalte nicht hinwegtäuschen.