Archiv für April 2009

Suchmeldung

27. April 2009

Seit gestern suchen wir die Dänin Bente Ingvardsen.

Sie soll beim Hamburg-Marathon auf Rang 13 (!)  als Erste der Altersklasse W60  ins Ziel gelaufen sein. Mit Startnummer F283 und mit der Zeit von 2:58:41… Das wäre Weltbestleistung in dieser Altersklasse. Mehr als vier Minuten besser als die amtierende Weltrekordlerin und -nur zum Vergleich-  rund 17 Minuten schneller als die deutsche Bestmarke aus dem  Jahr 1997. Also: Wo ist  Bente aus Holstebro?

Oder trifft diese Zeit nicht zu?  Immerhin:
a) Bente Ingvardsen ist bisher nicht durch besondere Leistungen aufgefallen. Wir finden im Internet deutlich langsamere Zeiten von ihr , zB bei einem Frauenlauf über 5,1km mit 29 Minuten und bei einem Halbmarathon mit 1:56 h.
b) Die Zeit ist, wie gesagt, mehr als 4 Minuten besser als die bisherige AK W60 Weltbestleistung.
c) Zum Vergleich: Der deutsche Marathonrekord dieser AK liegt seit rd. 12 Jahren bei 3:14:56 h.
d) Wir können auf dem Zieleinlauf-Video die Läuferin nicht entdecken.

Erst mal haben wir jetzt  in Hamburg nachgefragt…

Lahti III

19. April 2009

LahtilogoWir haben uns ja schon früh über die finnischen Preise beschwert, die den Genuss der bevor stehenden Masters-WM der Leichtathleten in Lahti schon im Vorfeld trüben und viele Mastersathleten fernhalten. Sie erinnern sich u.a. an diesen  Blogbeitrag und diesen sowie unsere Alternative?

Es sind Preise, die während der WM nach oben geschoben werden. Das finden wir gar nicht gut. Zunächst haben die Verantwortlichen der WMA sich empört, wir und andere hätten behauptet, es gebe keine Übernachtungsmöglichkeiten in Lahti mehr. Das ist falsch, aber so konnte man von eigener Untätigkeit ablenken. Inzwischen versucht die WMA, der Weltverband der Seniorenleichtathleten, die Probleme schön zu schreiben und macht viel PR-Tamtam – vor allem in den USA. Auf der viel gelesenen und auch von uns besonders geschätzten Webseite von Ken Stone lesen wir hier, wie optimal alles sei. 

Dann wollen wir unseren US-Freunden mal vorrechnen, was auf Sie zukommt: In einfachen Schulklassen kostet die Übernachtung tatsächlich 25 Euro – aber pro Person und Nacht, also 34 USD pro Person und Nacht (=50 Euro bzw. 68 USD für zwei, DZ ist ja nicht). WCs und Duschen auf dem Gang und wahrscheinlich keine abschließbaren Schränke nur Liegen, und ob es ein Frühstück gibt, weiß ich nicht. TV gibt es sicherlich keins.

Ein weiteres Beispiel, eine Hotelübernachtung:
In Pajulahti, einem großen und attraktiven Sporthotel 20km vor den Toren Lahtis, kostet das Doppelzimmer  im älteren Teil des Komplexes mindestens (64 Euro x 2=) 128 Euro, also knapp 167 USD. Gebucht werden muss mindestens für vier Nächte. Hinzu kommt der Bustransport von 5 Euro pro Strecke und Person, also 20 Euro pro DZ-Tag = 26 USD. Der Gesamtpreis beträgt also in Wahrheit 148 Euro bzw. 193 USD. Das ist  genauso teuer wie eines der „preiswerteren“ Hotels in Lahti selbst (DZ 73 Euro pP = 146 Euro pro DZ).

Die so genannten „Summer Hotels“, die ca 30 Minuten von Lahti entfernt liegen  kosten per DZ ab 100 Euro (=130 USD) aufwärts, allerdings in einem Fall ohne Frühstück, im andern für 106 Euro (= 138 USD) inklusive Halbpension. Transportkosten von 5 euro pP und Strecke = 20 Euro für 2 am Tag kommen hinzu. Für vier DZ-Nächte müssen mindestens 480 Euro (=625 USD) bezahlt werden.

Dann wirbt die WMA noch für „ein Erlebnis mit noch mehr Tiefe“: Übernachtungen in Privatquartieren. Mit Tiefe ist aber  wohl nicht das Preisniveau gemeint. Denn die sicherlich sozial spannende Altermative ist in Wahrheit ein teueres Vergnügen: Gefordert werden 43 Euro pro Person und Nacht, also 86 Euro pro DZ (= 112 USD) und das für mindestens 7 Tage. Gesamtpreis also gut 600 Euro bzw. 780 USD für ein DZ im Privathaus: Hohe und keine tiefen Preise für Bed&Breakfast – ohne Shuttlebus, denn die fahren nur  die Hotels in Lahti an.

Unser Fazit: Man kann eben die hohen Übernachtungspreise nicht billig schreiben und zugleich die  außerhalb Lahtis entstehenden Buskosten weglassen. 

Nebenbei: Unverständlich ist, warum ein 5-Tages-Busticket ab/bis Pajulahti pro Nase 60 Euro kostet. Kaum jemand wird mehr als einmal am Tag von Pajulahti nach Lahti und zurück fahren, also 10 Euro ausgeben. An fünf Tagen zahlt er also 50 Euro, folglich weniger (!) als das 60-Euro-Sonderangebot, wobei noch interessiert, ob das Ticket tageweise individuell abgefahren werden kann oder gezwungermaßen ab dem ersten Gültigkeitstag die anschließenden fünf Tage hintereinander. Da wären dann nämlich auch wettkampffreie Tage dabei. 

Aus Helsinki kostet das Busticket nach Lahti übrigens knapp 20 Euro pro Person und Strecke (= 26 USD). Es soll nach einer kursierenden Nachricht ein Zugticket zum Sonderpreis von 60 Euro für 10 Fahrten geben. Eine offizielle Bestätigung haben wir noch nicht und nehmen auch an, dass es 10 Einfachfahrten sind und man für ein Ticket Helsinki und zurück folglich das Doppelte zahlen muss. Für zwei Personen errechnen sich dann 60 x 2 x Hin- und zurück = 240 Euro (= 320 USD)

Also: Hotels teuer und, wo sie billig sind, kommt der teuere Transport hinzu und dann ist es wieder teuer. 

Neben Hotels und Transport darf auch sonst noch heftig gezahlt werden. Hier eine von Ken Stone veröffentlichte Liste der Zusatz- und Meldekosten für US-Athletinnen und -Athleten.

Lahtikosten

Mein lieber Mann!  Das ist ja wirklich nicht wenig…. aber wenn wir unsere Euromeldekosten ansehen… 

Ergebnis:
Dieses Preisniveau schließt einfach viel zu viele Top-Athletinnen und -Athleten aus, die sich so etwas nicht leisten können oder wollen. Egal ob es Masters aus Nordamerika oder Europa sind – von denen aus anderen Kontinenten ganz zu schweigen.  Die hohen Preise richten sich also direkt gegen die Sportler und damit gegen den Sport. Die WMA nimmt dies alles billigend in Kauf. Wer so handelt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Die Abzocke („rip-off“) der Athleten ist die Folge.

Oder siehst Du das anders, Ken?

-.-.-.

ps Alle Berechnungen basieren auf 1 Euro = 1,30 USD

Disqualifikation 2

12. April 2009

Wer läuft denn da...Wenn man einmal versucht, die Hintergründe disqualifizierter Lauf-Betrüger aufzuklären, erfährt man bisweilen ganz ungewöhnliche Dinge. Da gab es 2007 in Berlin die Geschichte mit dem mexikanischen Präsidentschaftsbewerber zum Beispiel. Oder 2008 den Italiener, der in New York jemand Schnelleren mit seiner Startnummer loslaufen ließ.

Und heute habe ich entdeckt, dass Annette Koop beim New York City Marathon am 6. November 2005 in 4:35:35 h insgesamt 4699. Läuferin geworden ist. Offenbar war ich dabei. Sie zweifeln? Ich auch, weil ich am 6. November 2005 hier zuhause im deutschen Nordwesten und gar nicht in NYC war und sowieso noch nie den NYC-Marathon gelaufen bin. Anders die offizielle Ergebnisliste des prominentesten Marathons: Annette Koop (43) aus New York (USA), die 4699. Läuferin beim NYC Marathon 2005. Gibt es etwa eine Doppelgängerin? Ich habe in den USA keine marathonlaufende Annette Koop und schon gar keine in oder aus New York gefunden, nur eine Namensgleiche in Leo, Indiana (USA). Aber wer war das dann, die da in New York gestartet ist? Muss sie – muss Annette Koop vielleicht disqualifiziert werden?

Wer hilft?

(Foto: Johannes Kohl, pixelio)

Disqualifikation

12. April 2009

parismarathon_2009Bei der Recherche und der Suche nach interessanten Ergebnissen deutscher Mastersathleten habe ich auf der offiziellen Webseite des Paris-Marathons eine eigene Seite der Läuferinnen und Läufer gefunden, die nach einer Überprüfung disqualifiziert wurden. Mit Namen und (fast) allem Pipapo werden die Herrschaften „geoutet“. Gut so! In Deutschland ist mir eine solche Auswertung noch nicht aufgefallen. Oder gibt es bei einem deutschen Marathon eine solche Veröffentlichung?
Übrigens starteten in der französischen Hauptstadt 31373 Läuferinnen und Läufer bei der 33. Auflage des Paris Marathons. 250.000 Zuschauer feuerten sie an. Auch übrigens die rund 200, die zu beschummeln suchten oder einfach nur ins Ziel laufen wollten, ohne zuvor die 41,195m zurückgelegt zu haben. Disqualifiziert wurden übrigens Läuferinnen und Läufer aus aller Herren Länder.

Richtiger Schritt

8. April 2009

Zur Erklärung der fünf DLV-Trainer veröffentlicht die Frankfurter Runschau diesen Kommentar. Wir schließen uns den Aussagen an.

Richtiger Schritt

VON REINHARD SOGL
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Zwanzig Jahre nach Ende des Kalten Krieges und des Nebengefechtsfelds Sport mit seiner speziellen Aufrüstung wird eine der letzten Spätfolgen aufgearbeitet. Fünf Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) mit einer Vergangenheit als Mitarbeiter im dopinggestützten DDR-Sport waren die ersten, die die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gebaute Brücke nutzten. Viele weitere Trainer aus anderen Sportarten werden die Erklärung ebenfalls noch abgeben, in der sie sich zu ihrer Doping-Mitschuld bekennen und ihre Taten bedauern, ohne gleich um den Arbeitsplatz fürchten zu müssen. Und das ist auch gut so.

Die Zeit der Heuchelei hat damit hoffentlich ein Ende. Dass der DOSB respektive die Verbände Trainer mit DDR-Vergangenheit wider besseres Wissen zu Ehrenerklärungen nötigten, nie etwas mit den von Manfred Ewald verordneten unterstützenden Mittel-Methoden zu tun gehabt zu haben, wenn sie nicht ihren Status als Bundestrainer oder die Aufnahme in das Olympiateam aufs Spiel setzen wollten, war der Gipfel der Bigotterie. Insofern ist die von Sportpolitikern nun gefundene Lösung, die freilich auch erst auf Initiative von Leichtathletiktrainern und -sportlern entwickelt wurde, vielleicht auch so etwas wie die Reaktion auf ein schlechtes Gewissen. Wichtig aber bleibt, dass die Trainer-Erklärungen keine Persilscheine sind, sondern jeder Einzelfall von der Steiner-Kommission noch bewertet wird. Aber nach zwei Dekaden, in denen sich die geständigen Trainer hoffentlich nichts Weiteres zu Schulden kommen ließen, muss es auch im Sport so etwas wie Verjährung geben.

Freilich gibt es auch im Sport zwei Seiten einer Medaille. Da sind nämlich zum einen die Trainer, die mehr oder weniger Schuld auf sich geladen haben und – mit Ausnahme des nach wie vor um seine Wiederanstellung klagenden Wurftrainers Werner Goldmann – ihren Beruf weiterhin ausüben dürfen, und zum anderen die DDR-Dopingopfer. Dass sie die von ihnen als „politische Perversion“ (Ines Geipel) bezeichnete Amnestie für geständige Trainer geißeln, ist verständlich. Ist ihr Leben schlimmstenfalls doch zerstört, derweil gewisse Trainer für ihr Fehlverhalten nicht büßen mussten – im Gegensatz zu Kollegen, die sich Befehlen widersetzten.

Zeit

7. April 2009

Ein „angefressener“ Günter Krehl berichtet im Online-Magazin Laufreport über die 33. Deutschen Halbmarathonmeisterschaften, die am letzten Samstag in der bayerischen Läuferhochburg Aichach stattfanden und in einem Zeitnahmechaos endeten. Krehl, selbst in Aichach am Start, kommentiert:

DLV Präsident Clemens Prokop schreibt …, dass die deutschen Straßenlaufmeisterschaften für jung und alt sich zu einer der größten und wichtigsten Meisterschaftsveranstaltungen mit jährlich mehr als 1.000 Teilnehmern entwickelt hätten. In welchen Jahr lebt unser Präsident? Einst gab es Rennen für die Jugend über 15 und 7,5 Kilometer, später über jeweils 10.000 Meter. Dann hat man die Jungen hinauskomplimentiert. Heute dümpeln die jungen Aktiven nur noch vor sich hin. Um sie zu retten, hat man vor Jahren die Altersklassen M30 und M35 abgeschafft, trotzdem erreichten geradezu lächerliche 95 Männer und Junioren das Ziel des 2. Laufes. 

Ein gemeinsames Rennen bei einer Startzeit allerspätestens um 11 Uhr wäre sinnvoll, schließlich sind Anfang April Warmlufteinbrüche keine Seltenheit. Spitzenläufer im Seniorenbereich wie Eduard Scherer hätten bessere Konkurrenz und den jüngeren leistungsschwächeren Athleten am Ende des Minifeldes könnte man Frust ersparen.

Der DLV muss aufpassen, dass diese wunderbare Meisterschaft nicht zu Grunde geht. Dazu gehört, dass endlich die Auswertung ohne Probleme über die Bühne geht. Wie ein roter Faden ziehen sich diese von Meisterschaft zu Meisterschaft. ..

Zur Kritik von Günter Krehl zählt auch, dass nur 95 Teilnehmer des Männer und Seniorenlaufes ins Ziel kamen. Peinlich wenig. Es ist offenbar hohe Zeit, dass sich etwas zum Guten ändert.

Omen

2. April 2009

Ein weiteres Mal ist die WMA als Stellvertreter der IAAF gescheitert, ein Mitglied für das „Board of Govenours“ im internationalen Masters-Sportverband IMGA zu positionieren. 1995 zählte  der langjährige WMA-Präsident Torsten Carlius noch zu den IMGA-Gründern. Die Welt war noch In Ordnung, weil der Schwerde bis zu seinem plötzlichen Tod 2005  der IMGA-Führung angehörte und die Leichtathletik vertrat. Er wurde dann von WMA-Präsident Cesare Beccalli „beerbt“, der Ende 2007 verstarb.

Ohne Erfolg versuchte im letzten Jahr  dann der amtierende WMA-Präsident Monty Hacker (RSA), ins „IMGA-Board“ aufzusteigen und jetzt, so hören wir, scheiterte auch Rex Harvey (USA) bei der IMGA-Jahrestagung Mitte März  in Denver (Colorado).

Die Folge: Die Kernsportart Leichtathletik, Herzstück der von der IMGA verantworteten World Masters Games, ist nicht mehr im Vorstand der IMGA vertreten. Mit Fug und Recht darf über das fehlende Gespür der WMA-Verantwortlichen um die Bedeutung der IMGA spekultiert werden und auch darüber, ob die Nichtwahl Rex Harveys vielleicht ein schlechtes Omen für ihn ist.  In vier Monaten wird bei der WMA-Generalversammlung in Lahti gewählt. Dort tritt der Amerikaner dann gegen den Australier Stan Perkins bei der Wahl zum WMA-Präsident an.