Archiv für die Kategorie ‘Doping’

Ring

16. November 2009

Die 18. Weltmeisterschaften der Senioren im finnischen Lahti hatten ihren positiven Dopingfall. Der Ex-Amateur-Boxer Pekka Viippo war erwischt worden. Gleich mehrere Substanzen konnte das Labor ihm nachweisen und als fällige Konsequenz hat der Neu-Kugelstoßer zwei Jahre Zeit zum Nachdenken.
Das Medieninteresse in Finnland, das vor Jahren im Wintersport eine Flut von Dopingskandalen hinter sich gebracht hatte, war groß. Erst Boxer (der mit Doping damals nichts anzufangen wusste, so Viippo heute), nun Leichtathlet, der unter Erfolgs- und Öffentlichkeitsdruck stand. Diese Öffentlichkeit nutzt der 45 Jährige nun, um Erklärungen abzugeben, die hanebüchen sind: geringe Ahnung von medizinischen Vorgaben, Nutzung von Medizin, die er dringend benötigt und so weiter.
Den Übergang vom Boxen zur Leichtathletik hatte sich der Finne wohl leichter vorgestellt. Doch weit gefehlt, denn in der Leichtathletik gibt es auch Regeln und Vereinbarungen wie zum Beispiel die medizinische Ausnahmeregelung (MAR, auch TUE genannt).
Ausreden über Ausreden, Entschuldigungen sind in seinem Interview der finnischen Presse nicht aufgetaucht. Zumindest eine Entschuldigung hätte gereicht, um den Mitstreitern des Kugelwettkampfes sein Bedauern für den Betrug auszudrücken. Kein Sterbenswort, keine Silbe dazu; stattdessen nur Ausflüchte und Rechtfertigungen und der Hinweis, dass er in zwei Jahren wieder auflaufen wird und dann mit gleichen Leistungen beweisen will, dass alles nur halb so schlimm war.
In diesem Falle wäre es angebracht, dass sich Pekka Viippo einen Berater gönnt, der ihm vielleicht den Weg zum Boxen wieder ebnet, wo ja auch Altersklassen in den Ring gehen können. Gemeint ist mit diesem Ring aber der quadratische 5 x 5 Ring und nicht der kreisrunde mit 2,135 m Durchmesser.
Ralf Peters

(Foto © Siegfried Fries, pixelio.de)

KO

6. November 2009

KNOCK_OUTDer finnische Kugelstoßer Pekka Ilmari Viippo (M45) hat gedopt. Bei der WM wurde bei dem frisch gebackenen Vizeweltmeister eine Dopingkontrolle durchgeführt. Sie erfolgte offenbar gezielt, nach dem der Mann binnen eines Jahres seine Bestleistung um mehr 1 m gesteigert hatte. Die Dopinguntersuchung überführte ihn. Jetzt ist er für mindestens zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen.
Mit Knock-out-Erlebnissen bei internationalen Sportereignissen hat Pekka Viippo so seine Erfahrungen. Von 1985 bis 1990 wurde er nämlich jeweils finnischer Meister im Superschwergewicht und durfte deshalb im Mai 1989 bei der Box-Europameisterschaft in Athen an den Start. Dort schlug ihn der Russe Alexandr Miroshnichenko in der ersten EM-Runde – ko.

(Foto © Rike, pixelio.de)

Frage

28. Mai 2009

328954_R_K_B_by_geralt_pixelio.deWir melden heute:

Die US-Amerikanerin Nadine O’Connor, 67, hat am 23. Mai ihre eigenen Stabhochsprungweltbestleistung auf 3,13m verbessert. Bei einem Leichtatletiksportfest im südkalifornischen Orange Coast College in Costa Mesa steigerte sie ohne Fehlversuch ihren eigenen früheren Weltrekord gleich um 6 Zentimeter. Ihr unglaublicher Weltrekord liegt sogar über den Altersklassenrekorden im Stabhochsprung der W 60 (3,12m), den sie selbst augestellt hat und dem der W 55 (3,05m), den keine geringere als ihre berühmte Landsfrau Phil Raschker (USA) aufgestellt hat. …

Ich frage mich, ob diese Leistung mit lauteren Mitteln möglich ist. Bis zum Beweis des Gegenteils wird man es mit der Antwort halten müssen wie damals bei Marion Jones –  oder?

 

(Grafik/Foto: geralt, pixelio)

Tasche

3. Mai 2009

tascheStrafjuristen, die nördlich der Mainlinie etwas auf sich halten, irritiert schon traditionell vieles von dem, was südlich dieser Linie, zumal in Bayern, an staatlichem Zwang und Eingriff für normal oder jedenfalls geboten gehalten wird. So wundert es sie kaum, wenn die Postillen seit ein paar Tagen melden, Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), fordere „erneut ein härteres Vorgehen gehen Dopingsünder“.

«Die Nationale Antidoping-Agentur NADA müsste so etwas wie eine Doping-Polizei mit staatlicher Kompetenz werden», sagte der 52-jährige DLV-Chef in einem Interview der «Mittelbayerischen Zeitung» in Regensburg. Prokop, der 2006 am Entwurf der bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU) für ein schärferes Anti-Doping-Gesetz maßgeblich beteiligt war, sprach sich dafür aus, Dopingkontrollbehörden mit hoheitlichem Charakter auszustatten.

Bemerkenswert, wenn der DLV-Chef, im Hauptberuf Amtsgerichtsdirektor im bayerischen Kelheim, grundlegende rechtstaatliche Dinge über Bord werfen will.,  so es gegen Doping geht, etwa  dass grundsätzlich Durchsuchungen nur durch einen Richter   angeordnet werden können. Gleichwohl wünscht er sich eine NADA-Dopingpolizei, denn:

«Sie könnte – banal gesagt – auf dem Sportplatz auch einmal in die Tasche eines Trainer schauen, was dieser denn so bei sich trägt.» 

Möglicherweise ist es ja eher ungewöhnlich, dass Trainer auf dem Sportplatz Spritzbesteck und Dopingtralala in ihrer Tasche dabei haben. Könnt’ ich mir jedenfalls vorstellen. Und dann gibt es da außerdem noch diese unpraktischen rechtsstaatlichen Regeln, die so gar nicht den Grundsatz „Der Zweck heiligt die Mittel“ akzeptieren. Bestimmte Vorschläge sollte man besser zu Ende denken, bevor man sie ausplappert.

 

(Foto: Johannes Wortmann, pixelio

Richtiger Schritt

8. April 2009

Zur Erklärung der fünf DLV-Trainer veröffentlicht die Frankfurter Runschau diesen Kommentar. Wir schließen uns den Aussagen an.

Richtiger Schritt

VON REINHARD SOGL
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Zwanzig Jahre nach Ende des Kalten Krieges und des Nebengefechtsfelds Sport mit seiner speziellen Aufrüstung wird eine der letzten Spätfolgen aufgearbeitet. Fünf Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) mit einer Vergangenheit als Mitarbeiter im dopinggestützten DDR-Sport waren die ersten, die die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gebaute Brücke nutzten. Viele weitere Trainer aus anderen Sportarten werden die Erklärung ebenfalls noch abgeben, in der sie sich zu ihrer Doping-Mitschuld bekennen und ihre Taten bedauern, ohne gleich um den Arbeitsplatz fürchten zu müssen. Und das ist auch gut so.

Die Zeit der Heuchelei hat damit hoffentlich ein Ende. Dass der DOSB respektive die Verbände Trainer mit DDR-Vergangenheit wider besseres Wissen zu Ehrenerklärungen nötigten, nie etwas mit den von Manfred Ewald verordneten unterstützenden Mittel-Methoden zu tun gehabt zu haben, wenn sie nicht ihren Status als Bundestrainer oder die Aufnahme in das Olympiateam aufs Spiel setzen wollten, war der Gipfel der Bigotterie. Insofern ist die von Sportpolitikern nun gefundene Lösung, die freilich auch erst auf Initiative von Leichtathletiktrainern und -sportlern entwickelt wurde, vielleicht auch so etwas wie die Reaktion auf ein schlechtes Gewissen. Wichtig aber bleibt, dass die Trainer-Erklärungen keine Persilscheine sind, sondern jeder Einzelfall von der Steiner-Kommission noch bewertet wird. Aber nach zwei Dekaden, in denen sich die geständigen Trainer hoffentlich nichts Weiteres zu Schulden kommen ließen, muss es auch im Sport so etwas wie Verjährung geben.

Freilich gibt es auch im Sport zwei Seiten einer Medaille. Da sind nämlich zum einen die Trainer, die mehr oder weniger Schuld auf sich geladen haben und – mit Ausnahme des nach wie vor um seine Wiederanstellung klagenden Wurftrainers Werner Goldmann – ihren Beruf weiterhin ausüben dürfen, und zum anderen die DDR-Dopingopfer. Dass sie die von ihnen als „politische Perversion“ (Ines Geipel) bezeichnete Amnestie für geständige Trainer geißeln, ist verständlich. Ist ihr Leben schlimmstenfalls doch zerstört, derweil gewisse Trainer für ihr Fehlverhalten nicht büßen mussten – im Gegensatz zu Kollegen, die sich Befehlen widersetzten.

Gleich

7. März 2009

Alle Athleten sind gleich, nur Fußballer sind gleicher. Der DFB hat jetzt das Doping-Verfahren gegen die beiden Hoffenheimer Fußballspieler eingestellt. Dem Verein und dem dortigen Dopingbeauftragten drohen hingegen Strafen bis zu € 150.000,– und die Aberkennung von Punkten; meine Frage: Wer ist denn für die Kontrolle zuständig? Die Athleten selbst oder der Verein, der Manager oder der Trainer?
Wieder einmal zeigt sich, wie einfach es sich der Fußball macht. Im Höchstfall packt man den Verein und bestraft per Punkteabzug. So einfach ist das. Und € 150.000,– werden aus der Portokasse bezahlt.
Hätte ein Leichtathlet das gemacht, stände er wochenlang am Pranger und könnte seine Karriere beenden.
Wie gesagt: Alle Athleten sind gleich, nur die Fußballer sind gleicher.

Prominent

31. August 2008

Wir haben in einem Vorbericht über die European Masters Games in Malmö diesen Satz geschrieben:

Zu den prominenten deutschen Startern in Malmö zählen bislang Annette Weiss, Simone Noack, Sigrid Böse und Ann-Kathrin Eriksen, David Alexander, Jan Voigt und Wolfgang Reuter

Die vielfache Kritik an dieser Formulierung hat uns voll getroffen. Jan Voigt ist bekanntlich nach einem Dopingverstoß aufgefallen und war zwei Jahre gesperrt. Inzwischen ist er wieder startberechtigt. Hier eine typische E-Mail, die wir erhalten haben:

Ihr nennt nennt einen Dopingsünder in einem Atemzug mit einem Wolfgang Reuter und habt die Vaterstettener Erklärung auf der Homepage; wenn man es mit antidoping ernst meint, dann gebt diesen Betrügern wie Liedtke und Konsorten keine Plattform und bezeichnet sie auch noch als prominete Starter. Ich habe mir jedenfalls geschworen, sollte ich mal auf z. B. auf den Ahrensburger Muschinski treffen – kurz vor  Voigt beim Dopen erwischt – er wird keine Hand bekommen, egal ob er vor oder hinter mir ist und ich werde mich nicht ablichten lassen oder mit ihm auf ein Podest gehen. So muß man m. E.mit diesen Leuten ummgehen.
Unsere Antwort:
Wir haben über die Frage diskutiert, ob wir Jan Voigt in die Aufzählung aufnehmen, gerade weil wir natürlich genau um sein Dopingvergehen wussten und wissen, und dass er zwei Jahre gesperrt war. Wir haben uns dann ganz bewusst dafür entschieden und ihn nicht als leistungsstark sondern „prominent“ deklariert. Das ist er sicherlich, wenn auch in negativer Hinsicht.
Damit haben wir die Kritiker nicht überzeugt, und man kann sicherlich auch diskutieren, ob der Begriff „prominent“ richtig gewählt war. Aber ist es wirklich richtig, einen Dopingbetrüger dauerhaft und „auf ewig“ so zu brandmarken? Auch wenn seine Sperre abgelaufen ist? Soll er keine zweite Chance bekommen?

Muster

14. August 2008

Ich lese eine Presseerklärung von PHOENIX. Danach hat sich der ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt kritisch zur Weltrekordflut der Schwimmer bei den Olympischen Spielen in Peking geäußert. Es „müssen noch andere Faktoren“ als Trainingstechnik, verbesserte Schwimmanzüge oder weicheres Wasser eine Rolle spielen, sagte Seppelt. Die Aussagekraft von Dopingkontrollen während der Olympischen Spiele nannte Seppelt ein „Muster ohne Wert“, da Kontrollen im Wettkampf und in der unmittelbaren Vorbereitung „nicht viel Aussagekraft haben“ könnten. „Wer sich auf Olympische Spiele vorbereitet, im Training, der dopt zu diesem Zeitpunkt, aber der ist nicht so blöd und lässt sich bei den Olympischen Spielen erwischen“, so Seppelt.

Das ist in der Altersklasse genau so, denke ich. Warum sollte es in den Altersklassen der Leichtathletik keinen übertriebenen Ehrgeiz, keine Unfairness und keinen Geltungsdrang geben? All dies führt zu Dopingbetrug.

Mit Blick auf die Dopingtests bei nationalen und internationalen Mastersmeisterschaften frage ich mich, wie das Antidopingsystem in der Seniorenleichtathletik besser werden kann. Es wird in jedem Fall teuer werden, zu teuer. Ich fürchte, am Geld scheitert jede wirkliche Verbesserung.