Socken

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Das Wort „Socke“ stammt, wie ich seit heute weiss, aus dem Lateinischen. Der „soccus“ war ein Schlüpfschuh, der meist zuhause getragen wurde. Hier in Linz gibt es derlei in vielfältigster Weise bei Leichtathleten zu sehen, vorzugsweise -pardon- bei den Herren der Schöpfung. Während die Füsse meist mit atemraubend modernen Sprint-, Wurf- oder Sprungschuhen ausgestattet sind, regelmässig das neueste Modell in den brüllenden Farben der Saison, tendiert der männliche Leichtathletikmasters zum Bewahren historischer Besitzstände, und zwar um so mehr je älter. Nicht nur konservativ orientierte Sportler achten offenbar darauf, nur Socken zu tragen, die sie bereits zehn Jahre ihr eigen nennen – die sich folglich bei mindestens je vier Welt- und Kontinentmeisterschaften bewährt haben. Die von jüngeren Menschen heutzutage gern genutzten Motiv- und Ringelsocken, die dynamisch wirken und Esprit zeigen sollen, sind in der Halle eigentlich nicht zu sehen, ebenso wenig das Barfusslaufen. Dass aber der wahre Leichtathlet-Gentleman Langsocken trägt, zeigte sich an Pino Pilotto. Der Schweizer Teammanager, Architekt aus Luzern, trägt wirklich die beeindruckendsten Langstrümpfe dieser Weltmeisterschaft. An Socken hält er sich nicht auf. Morgen läuft er die 400m, um 14.00 Uhr. Ich bin dabei, er ist nämlich auch ein Pfundskerl…

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4 Antworten to “Socken”

  1. philologos Says:

    zunächst:
    die etymologie des wortes „socke“ ist unsicher. im griechischen meint „sykchis“ oder „sykchos“, eine art schuh oder socken. übers lateinische „soccus“, was schlupfschuh bedeutet und den die komödienschauspieler (ha! da haben wir’s!) anzogen, kam es zum althochdeutschen „soc“, was leichter schuh aus stoff bedeutet.
    dann:
    socken gehören fleissig gewechselt und sauber gepflegt und daher ist es möglich, diese an verschiedenen weltmeisterschaften -auch wenn es indoor bisher nur zwei waren – zu tragen. besonders dann, wenn es sich um , wie der scheizer sagt, „kniesocken“ handelt.
    schliesslich:
    nach der weitspringerin heide rosenthal und dem hochspringer xavier sotomajor, die beide nicht (nur) durch ihre socken auffielen, sondern durch ihre leistungen, kann ein kurz- resp. tiefspringer seine (athletischen und anderen) mängel unter kniesocken verstecken. denn: entgegen der von apelles verfügten maxime: „ne sutor supra crepidam“ ist philologos der auffassung: „supra sutorem crepida“.

  2. philologos Says:

    nachtrag:
    wenn schon von baren füssen die rede ist, dann bitte die baren füsse schlechthin zeigen, nämlich: mantegnas füsse christi. zu sehen in der brera in milano.
    interferenz:
    „socket error“ heisst es häufig im web und bedeutet: falsche socken – oder so.

  3. Kaffee II « annettes BLOG seite Says:

    […] Dieser Blog befasst sich traditionell mit der Kaffee- und der Sockenfrage. Bei der 2. Seniorenleichtathletik-Hallen-WM in Linz zum Beispiel. Das war vor zwei Jahren. […]

  4. Ch-orrespondent « AnnettesBLOGseite Says:

    […] Die Strümpfe zählen seit der Hallen-WM 2006 in Linz zur redaktionellen Grundausstattung von […]

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