Sonderweg

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ga1Erinnern Sie sich?
Vor zwei Jahren lagen für die WMA-Generalversammlung in Riccione Anträge in Hülle und Fülle vor, mit denen die Wettkampfregeln ( „Rules of Competiton“) an aktuelle Entwicklungen und Bedürfnisse angepasst werden sollten. Damals nahm die Sitzung aus Zeitmangel ein vorzeitiges, manche sagen chaotisches  Ende und die Anträge wurden nicht mehr behandelt.
Jeder wusste aber, dass sie jetzt in Lahti debattiert werden sollten. Und dort wurden sie jetzt beschlossen: im Hürdenlauf die Anlaufänderung von 16 m auf 12 m, die  neuen Gewichte im Hammer- und Gewichtwurf der Frauen ab 70 bzw. 75.
Jeder wusste also seit Riccione vor zwei Jahren, was anstand. Sollten die DLV-Verantwortlichen das verdrängt haben? Weder in der Zeit zwischen den beiden WMA-Sitzungen noch vor der Zusammenkunft in Lahti äußerte man sich, zum Beispiel mit einem Gegenantrag. Hat es irgendwann Kritik oder Opposition des DLV zu den Anträgen gegeben?  Offenbar erst jetzt, mehr als einen Monat nach Lahti und seinen Beschlüssen, wurden diese Anträge im DLV-Bundesfachausschuss Senioren diskutiert. Mit einem sonderbaren Ergebnis: In Deutschland folgt man nicht allen geänderten Regeln der WMA und geht eigene Wege. Wie lange wird verschwiegen. Also: Warum reagiert der DLV erst jetzt?
Warum hat der DLV nicht vor Lahti bereits Initiative gezeigt und gegen diese Regeländerungen Stellung bezogen?
Jetzt geraten deutsche Senioren ins Spannungsfeld der Verbände ganz und fragen sich ganz praktisch: Warum können z.B. keine internationale Rekorde 2010 bei deutschen Meisterschaften „über die Hürden“ oder bei den suspendierten Wurfdisziplinen der Frauen erzielt werden, obwohl deutsche Athletinnen hier zu den Weltbesten zählen?
Erst jetzt in Hamburg hat der DLV erstmals zum Ausdruck gebracht, dass er als weltstärkster und weltbester Seniorenverband nicht mit allem einverstanden ist, was da beschlossen wurde. Doch warum hat er dies nicht bei und während der internationalen Versammlungen gesagt? Warum schwiegen die DLV-Vertreter in Lahti, wo sie doch seit zwei Jahren wussten, was kommt, und um die praktischen Probleme, die sie jetzt zum Sonderweg veranlassten – Wochen, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist? Niemanden konnten die WMA-Beschlüsse  überraschen, auch niemanden im DLV.
Hätte er nicht in Lahti jedenfalls eine Übergangsphase ins Gespräch bringen können, die er jetzt mit seinem deutschen Sonderweg will? Doch auf der Generalversammlung  in Lahti (Foto; © Ken Stone) ergriff kein DLV-Vertreter das Wort. Hätte so nicht der Sonderweg vermieden werden können, von dem niemand sagt (und weiß), wie lange er gegangen werden soll?

Nachtrag: Kritik an der jetzigen DLV-Position auch aus den USA

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3 Antworten to “Sonderweg”

  1. Michael Sauer Says:

    In diesem Zusammenhang würde es die Leichtathletik-Community durchaus interessieren:
    < Welche Funktionäre haben den DLV in Lahti vertreten?
    < Welchem Gremium haben sie wann und wie über die Beratungen in Lahti berichtet?
    < Wann steht in welchem Gremium eine Wiederwahl dieser Funktionäre an?
    Im Klartext: Bitte Ross und Reiter nennen!

  2. Klimmer,H. (sen.) Says:

    Genau die gleichen Fragen, die Michael stellt, kamen mir auch.
    Und zwar nicht das erste Mal.Schon der „Alleingang“ des DLV bei der N i c h t verwendung der Altersklassenfaktoren vor Jahren bei Mehrkämpfen war einer bornierten Haltung unserer Seniorenverantwortlichen geschuldet.Wir „Teutschen“ glauben immer (noch?), alle andren sollten sich nach uns richten.Dabei hätten wir allen Grund,nicht rechthaberisch zu sei, keine „Vormachtstellung“ anzustreben.

    Wenn wir leitende Funktionäre und Mitglieder in Internationalen Föderationen haben, ist von ihnen aktives Agieren zum Wohle der Senioren-Leichtathletik in der ganzen Welt (!) zu fordern.Funktionäre müssen „funktionieren“ und die Meinung der Masse unserer Aktiven vertreten!Dazu ist es aber auch nötig, dass schon in den Landesverbänden die Seniorenwarte mehr Mitspracherecht erhalten und sie dort nachdrücklich-fordernd unsere Probleme artikulieren.
    Und von Dieter M a s s i n muss man in seiner Eigenschaft als vielfacher Funktionär in den Intern. Föderationen erwarten, dass solche Fehler vermieden werden u n d dass es in seinem nationalen Verband
    keine Irrwege und Alleingänge gibt, rechtzeitiges Einschreiten dagegen täte not.

    H.Klimmer (sen.)

  3. Arno Hamaekers Says:

    Der unsinnige 16 m Hürdenanlauf der Klassen M 60/65 wurde mit der Begründung beibehalten, es gebe in den Stadien keine Markierungen für den Hürdenaufbau mit 12 Metern Anlauf und Folgeabstände. Konkret müssten zu den bestehenden Markierungen jeweils exakt 6 Meter Richtung Start zusätzliche Farbpunkte angebracht werden. Ein einmaliger, weiß Gott überschaubarer und zumutbarer Arbeitsaufwand. Dies ist die einzige Altersklasse in der es unterschiedliche Anlauflängen bei den Stadion- und Hallen-Hürdenläufen gibt. Sinnvollerweise werden die notwendigen Längenanpassungen in den Auslauf gelegt.
    Ähnlich sieht es bei den geänderten Wurfgewichten für die älteren Damen aus. Sind diese Geräte wirklich so teuer, daß man dem Ausrichter einer deutschen Meisterschaft deren Anschaffung nicht zumuten kann?
    Diese deutschen Sonderwege sind wunderschöne Beispiele für das häufig nicht sehr athletenfreundliche Funktionärsdenken unserer Entscheider.

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