Archive for the ‘International’ Category

Formschreiben

23. Juli 2013

Bildschirmfoto 2013-07-23 um 22.52.50Formschreiben, Serienbriefe und Newsletter gehören zu den Bürotätigkeiten mit Prioritäten-Vermerk. Da gibt es nicht viel zu denken, nicht viel zu schreiben; die Tasten bewegen sich automatisch.

So muss man sich das Rundschreiben vorstellen, das vor Monatsfrist die Geschäftsstelle in Darmstadt verlassen hat. Die Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner der EVAA Straßenlaufmeisterschaft im tschechischen Upice wurden beglückwünscht für Gold, Silber oder Bronze. Unterzeichnet vom DLV-Vizepräsidenten Dr. Matthias Reick und seiner Senioren-Verantwortlichen Margit Jungmann. Beide freuen sich immer gemeinsam über Erfolge und Medaillenspiegel bei Europa- und Weltmeisterschaften und leiten daraus die Vormachtstellung des DLV weltweit ab.

Beim jüngsten Glückwunschschreiben verließ der DLV, der bekanntlich laut Satzung sich beim Thema Politik Neutralität auferlegt hat, diese Neutralität aber dann so weit, dass die Sudentendeutschen diesem Verband in Kürze wohl eine Sondermitgliedschaft anbieten werden. Denn wann hat es schon einmal Zeiten gegeben, wo ein Verband mit Weltbedeutung die alten (politischen) Zeiten wieder herausbeschwört?

Steht doch im Schlusssatz des DLV-Glückwunsches klar leserlich „…im eigenen Land“. Upice – im eigenen Land, laut Formschreiben des DLV vom 17. Juni 2013.

Ralf Peters

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London Marathon

21. April 2013

Bildschirmfoto 2013-04-21 um 23.55.33

Boston

16. April 2013

Dave Ortman (Seattle): “Bill Iffrig, a M78 masters runner, is one of the Club Northwest runners (from Lake Stevens, WA) shown right at the finish line when the bomb goes off. He’s at about 00:36 of the second video clip. Also a writeup on him at Boston.”

Bill won three medals at 2011 Sacramento worlds, including bronze in the 5K and 10K. I saw him interviewed on CNN Monday night, and a Google search shows close to 5,000 stories mentioning him and the Boston Marathon. Ken Stone(Masterstrack.com): „We hope all our roadie friends and family are safe and find a way to get up and finish the way Bill did. Let us know what you heard or saw.“

[mehr auf deutsch…]

Quelle: masterstrack.com

Sandy

31. Oktober 2012

Oh jeh. Da haben die Ostküstenbewohner der USA wirklich „etwas mitgemacht“. Der Tropensturm Sandy hat viele Opfer gekostet und riesige Schäden angerichtet, auch in New York City, wo am kommenden Sonntag der NYC-Marathon stattfinden soll. SPON meldet dazu heute Nacht:

„Trotz der Zerstörungen in der Stadt soll der New York Marathon am kommenden Sonntag wie geplant stattfinden. Der Veranstalter New York Road Runners (NYRR) äußerte sich am Dienstag zuversichtlich, das größte Massenlauf-Spektakel der Welt wie geplant ausrichten zu können. Die Vorbereitungen dazu würden vorangetrieben, sagte NYRR-Präsidentin Mary Wittenberg.

Vor allem die rechtzeitige Anreise der 20.000 Läufer aus dem Ausland stellt angesichts der durcheinandergewirbelten Flugpläne ein großes Problem dar. Aber auch die Anfahrt für die rund 30.000 Läufer aus den USA dürfte wegen der Schäden im öffentlichen Nahverkehr nicht einfach werden. Denn die durch den Sturm lahmgelegte New Yorker U-Bahn, die werktags 5,3 Millionen Menschen befördert, kann laut Bürgermeister Michael Bloomberg auch noch am Wochenende ausfallen.“

Auch angesichts der Opfer fällt es schwer daran zu glauben, dass bis und am Sonntag alles klappt. Wir werden am Mittwoch mehr sehen, twitterte das Büro von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg.

Everglades

30. Oktober 2011

Die USA wird ihrem weltweiten Ruf  als Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder und weiter gerecht. Leider auch auf dem Sektor Doping. Der Beleg: Scheibchenweise kommen immer weiter positve Nachrichten von den US-Masters-Meisterschaften, Ende Juli in Berea (Ohio), zu Tage.

Noch während in Sacramento die Mastersathleten bei der WM um Medaillen und Resultate kämpften, wurde bekannt, dass die US-Amerikaner das Thema Doping ernst nehmen wollen. Von  US-Mastersathleten waren wie nie zuvor TUE-Anträge eingereicht worden und sie, die Masters, machten damit die USA weltweit zur führenden Nation sauberer Verhältnisse, was diese Anträge anging. Und als dann bei den nationalen US-Titelkämpfen kurz danach erstmals in der Geschichte des Verbandes auch noch (wenn auch nicht sehr viele) Doping-Tests stattfanden, war klar, dass Doping bei den US-Boys-and-Girls wirklich ein Thema geworden war.

Dass jedoch bei diesen nationalen Meisterschaften bislang drei positive Tests festgestellt wurden (hier der letzte), sprengt doch ein wenig den Rahmen des Vorgestellten. Dazu ein positiver Fall bei der WM in Sacramento, so dass in toto gar der (deutsche) Doping- GAU von Lübeck aus dem Jahr 2004 noch übertroffen wurde, als gezielt die kontrolliert wurden, über deren beeindruckende Leistungen hinter vorgehaltener Hand viel geflüstert worden war.

Verständlich, dass nun weltweit viele Masterssportler das aussprechen, was bislang -wie damals bei uns zuhause- nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde:  Die sportlichen US Everglades sind offenbar viel größer als ohnehin schon vermutet.

(Bild: Everglades Swamp, Sumpf, USA; © Hein Mück)

Again

20. Oktober 2011

… und mehr aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Stück Metall

27. Juli 2011

Gefunden im Blog von Sprinter und Fotograf Tom Philipps (GB). So offen, persönlich  und ehrlich, wie ich Tom schätze. Und wissen Sie was? Er hat recht:

„Meine regelmäßigen Leser wissen, dass ich an den Seniorenweltmeisterschaften der Leichtathleten in Sacramento, Kalifornien, teilnehmen wollte – nach zwei Jahren, in denen sich dieser Mastersathlet mit Verletzungen und Depressionen herumschlagen musste. Inzwischen bin ich  seit ein paar Tagen von dort wieder zurück. Mir schwirren einige unsortierte Gedanken durch den Kopf. Der Jetlag ärgert noch meinen Körper und natürlich habe ich auch diese übliche Probleme mit dem Immunsystem nach Meisterschaften – also eine richtig fette Erkältung.

Aber ich hab ja mit meiner 4 x 100m-Staffel diese Silbermedaille gewonnen, die ich als Entschädigung für alles nehmen könnte. Ja, eine Medaille entschädigt tatsächlich für alles und ich freu mich wahnsinnig über sie, muss ich sagen. Nun soll nicht auch noch in diesem Blog auf die lokalen Organisatoren der WM in Sacramento geschimpft werden –obwohl ich das angesichts der vielen, einfachen und vermeidbaren Fehler in Sacramento  schon verdammt gern täte. Es genügt wohl festzustellen, dass sie’s –wie ich das sehe- versemmelt haben. Sie ließen ausgezeichnete Offizielle, Kampfrichter und freiwillige Helfer mit Konzepten und Vorgaben im Regen stehen, die einfach schlecht und voller Fehler waren. Dabei ist für mich auch  klar, dass die gastgebende Sac State Universität die Veranstalter regelrecht ausgenommen und bloß versucht haben, viele, viele Dollars mit der WM zu machen.

Andere werden das alles im Nachhinein besser kritisieren können. Oder sie stecken, wie World Masters Athletics, einfach den Kopf in den Sand und tun so, als ob nichts falsch gelaufen wäre. Es ist eben in den USA viel bequemer, die US-Athleten für ihre –vielfach tatsächlich – großartigen Leistungen zu bejubeln als zu schreiben, „die Organisatoren haben die WM vermasselt“. Dabei hatten die im Vorfeld erklärt, sie als Veranstalter hätten von den Fehlern bei früheren Meisterschaften gelernt. Aber es war ganz das Gegenteil! Die Organisatoren dieser WM haben tatsächlich so viele wirklich grundlegende, schwere Fehler gemacht, dass die Macher künftiger WM dann überhaupt keine Probleme haben werden, wenn sie bloß diese Fehler  vermeiden. Vielleicht sollten wir sogar alle wirklich dankbar dafür sein, dass die Organisatoren in Sacramento uns an den wirklich schalen Beigeschmack erinnert haben, der zurückbleibt, wenn man auf einfache, grundlegende Dinge geradezu schei…t.

4x100m M55 Tom Phillips, Tony Wells, Wally Franklyn, Trevor Wade v. lks

Vor allem für eine Tatsache habe ich wirklich überhaupt kein Verständnis. Sie haben vielleicht bemerkt, dass ich von der Silbermedaille geschrieben habe, die ich nehmen  „könnte“. Nun erstmal, Gold wäre natürlich auch gut gewesen, aber die US-Staffel war an dem Tag einfach besser. Und sogar mit einer Bronzemedaille wäre ich zufrieden gewesen, weil die Australier uns so verdammt nah kamen. Aber heute habe ich in Wahrheit gar nichts, keine Medaille. Weil die Organisatoren es nämlich tatsächlich geschafft haben, dass keine Medaillen mehr da waren.

Das muss man einen Moment sacken lassen. Eine Gold, eine Silber, eine Bronze pro Wettkampf. Plus je vier davon für die drei besten Staffeln. Vielleicht noch ein paar Extra, wenn Athleten gleiche Leistungen erreichen. Jedes Schulkind könnte die Zahl der nötigen Medaillen an den Fingern abzählen – ganz ohne Computer. Und dann dieser Fehler! Bei einer internationalen Meisterschaft in einem Land, das von sich im Brustton der Überzeugung glaubt, wirklich alles zu kennen und zu wissen, was notwendig ist. Ja, es stimmt wirklich:  Einen Tag vor dem Ende der WM hatten sie keine Medaillen mehr.

4x100m WM Sacramento Staffelstab-Übergabe von Wally Franklyn an Tom Phillips (übrigens sehr weit) links 😉

Ich gebe zu, dass ich seit 2007 in diesen Dingen etwas vorgeschädigt bin. Denn bei meiner ersten Masters-WM in Riccione (Italien) habe ich in der Staffel wirklich alles gegeben und wir schlugen die USA. Wir hatten Gold, entgegen allen Prognosen. Als es dann aber zur Siegerehrung ging, machten die Offiziellen plötzlich eine ganz lange Mittagspause. Danach  wollten sie den Zeitplan wieder einholen und strichen deshalb einfach mal eine ganze Anzahl von Siegerehrungen. Da waren wir wirklich angefressen. Ich meine, dass war meine erste große Goldmedaille und diese bei einer Siegerehrung vor all meinen Freunden, Fotografen und den anderen Athleten überreicht zu bekommen, entschädigt für so vieles, was ich mir mit diesem verrückten Sport da antue und dass es sich doch lohnt und zu zeigen:  Hier gibt es diese Auszeichnung, und nicht nur für einen selbst. Ein bisschen Anerkennung braucht der Mensch. Das braucht man für sich einfach. Mit anderen Worten: ich brauchte diese Anerkennung für mich und meine Motivation. Auf dem Weg aus dem Stadion zum Bus bekamen wir die Medaille dann einfach so von einem Offiziellen in die Hand gedrückt  – das brachte es wirklich nicht.

Zwei Jahre später war dann in Finnland die Siegerehrung mit der Staffel ein großartiges Erlebnis. Sie entschädigte ein riesiges Stück für das deprimierende Erlebnis, in Lahti eine Einzelmedaille über 200m um ganze 2 Hundertstel verpasst zu haben. Wenn Sie in diesem Blog etwas zurück blättern, finden Sie die ganze Geschichte einschließlich des Zielfotos. Diese Staffelmedaille in Lahti erinnerte mich deshalb daran, niemals aufzugeben und an alle diese Weisheiten, die vielleicht abgedroschen klingen. Aber wenn man so viel wie ich in diese Sache investiert, wenn man immer wieder und meist allein trainiert, dann will man einfach allen, die in der Familie, als Mediziner, Physios und sonst wie dabei mithelfen, zeigen, dass auch sie es wirklich gut gemacht haben. Diese Anerkennung durch ein bloßes Stück Metall an einem Band ist viel mehr als die Summe einzelner Teile.

Witzigerweise sagte mir bei der Siegerehrung in Lahti meine innere Stimme: „Ist das jetzt so gut, wie es sich anfühlt? Kannst Du eigentlich damit umgehen?“ Ich konnte es nicht, wie mir meine Tiefs aufgrund von Verletzungen und anderen Dinge dann gezeigt haben. Zu der Zeit war es mir nicht bewusst, aber inzwischen weiß ich, dass ich diese negative Stimme einfach umdrehen und sagen muss: “Wenn das so geil ist, wie es sich anfühlt, war es verdammt gut.“

Vielleicht war es besser denn je. Vor Sacramento stand es jedenfalls 2:0 für uns gegen die Yankees. Ein Hattrick wäre nicht schlecht gewesen. Doch zunächst verletzten sich Big Geoff und Eric während der WM, aber Wally, Tony,  Trevor und ich waren doch noch ein ziemliches starkes Quartett. Aber die Amis starteten zuhause und mussten auch nicht halb um den Erdball anreisen. Und dann waren sie auch einfach schneller als wir. Dieses Mal.

Egal, aber einfach durch dieses Stück silberfarbenes Metall an einem Band, wollte ich sehen, fühlen und  hören, wie nah wir dran waren. Um zu wissen, dass sich all die Anstrengungen, die Schmerzen und der verdammt harte Einsatz (von mir und denen um mich rum) immer noch auszahlen und der Erfolg allemal ein verdammt guter Grund ist, weiterzumachen und es das nächste Mal wieder zu versuchen:  Schnellster sein.

Das aber haben uns die Organisatoren in Sacramento einfach geklaut – durch ihre schiere Naivität. Jetzt werden sie mir wohl die Medaille per Post schicken, natürlich. Aber dies ist ja nichts. Wie habe ich mich angesichts dessen gefreut, als die britischen Athleten und Fans bei der Siegerehrung im Chor „You’ll never walk alone“* sangen.

Keine Frage, die Medaille ist persönliche Anerkennung, doch sie würdigt auch die Leistung des ganzen Teams – am Tag des Erfolgs ebenso wie nach der Rückkehr zuhause. Seltsamerweise ist es das, was der Fehler der Organisatoren in Sacramento mir noch einmal klar gemacht hat.

Wolken haben Silberstreifen.“

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* zum Beispiel so bei der M35

Fotos: (c) Tom Phillips -mehr von ihm in seinem Blog und über Twitter „tomsprints“

Übersetzung durch annettesseite – so gut es ging. Fehler bitten wir daher nachzusehen und sind für Korrekturen (bitte an annette (at) koop.de) dankbar 🙂

Wahre Finnen

23. April 2011

Wenn es um die Darstellung des eigenen Landes geht, wenn es um die Nation Finnland geht, wenn es um Zusammenhalt geht, dann ist diese kleine Nation Finnland ganz groß. Erst recht im Sport. Leichtathletik-Länderkämpfe gegen Schweden z.B. elektrisieren auch heute noch das ganze Land und bei internationalen Meisterschaften wird auch noch der letzte Finne überzeugt, sein Land zu vertreten. Und so tritt dann an die Startlinie der „wahre Finne“, der sein letztes Hemd gibt, um die Ehre der Nation einzubringen.

2009 sah Finnland das wohl bislang beste Beispiel, wie man eine Nation vertreten kann. Über 1500 finnische Masters fuhren ins Ski-Sprung-Mekka nach Lahti und nahmen an den Weltmeisterschaften der Masters teil. 1500 Mastersathleten, das war ein Drittel aller Teilnehmer. 1500 Mastersathleten aus einem Land mit 5 Millionen Gesamteinwohnern. Im Vergleich dazu der nächste Organisator Sacramento, in Kalifornien liegend – 37 Millionen Einwohner.

Lob über Lob ob der Organisation „The best ever“ ließ Interimspräsident Tom Jordan zum Ende der WM 2009 verlauten und dazu die Nachricht, dass der Medaillenspiegel eine klare Aussage traf zum Erfolgsbild. Finnland war 2009 die Nummer Eins in der Masterswelt.

Ähnlich sieht es immer aus, wenn in Deutschland eine internationale Mastersmeisterschaft über die Bühne geht. Aus dem DLV-Gebiet kamen immer (und teils mehr als) 50% der Gesamtteilnehmer. Ein Zeichen, dass auch in Deutschland die Herausforderung einer solcher Meisterschaft angenommen wird.

Nun also sind die USA an der Reihe; nach 1995 ein weiteres Mal. Damals kamen wie just in Finnland so um die 5300 Teilnehmer nach Buffalo; darunter waren knapp 1800 US-Boys und -Girls, die an die Grenze zu Kanada fuhren und sich als Nation Nummer Eins in der Masterswelt präsentierten.

Doch „tempora mutantur“. Das Interesse in den Staaten hat erheblich nachgelassen. Bis wenige Stunden vor der Meldefrist hatten sich keine 1000 US-Senioren eingetragen. Sie, die jahrelang darum gekämpft hatten, dass sie, die US’ler, endlich mal wieder an der Reihe waren, strafen eigentlich das Begehren mit Lügen. Zwar können noch etliche Meldungen eingehen, aber bislang ist von großer Euphorie nicht gerade die Rede.
Anders ausgedrückt: die Finnen sind die wahren Senioren. Oder?

Jyväskylä wird 2012 bei der Hallen-WM erneut zeigen, dass die ‚wahren Finnen‘ im Sport zu finden sind, auch wenn es (politische) Zweifel gibt, dass sie auch die ‚wahren EURO-päer‘ sind.

Ach ja: Online können (erst einmal) noch bis zum Ostersonntag Meldungen abgegeben werden. Auch für Deutsche und andere Mitteleuropäer  geht das bis zum 24. April, 20.59 Uhr. Bisher nämlich  stehen erst 195 Masters aus Deutschland auf der Liste…

Ein Kommentar von Ralf Peters

Aprilscherz?

3. April 2011

An Gerüchten, so der Volksmund, ist immer etwas Wahres. Und so wird manches Gerücht auch gern auf die Warmhalteplatte gelegt, um dann bei etwas mehr Fleisch erneut angefeuert werden zu können.
Getrost kann man die 1.-April-Geschichte auf lampis.net der Gerüchteküche zuordnen, wenngleich die Unzufriedenheit im Seniorenlager dadurch nicht gebremst wurde.
Die Nonchalance, mit der der gewählte DLV-Vizepräsident Dr. Matthias Reick und die berufene BA-Vorsitzende Margit Jungmann mit Themen des Seniorensports umgehen, werden zum Reizthema der größten Mitgliederbewegung im Fachverband.
Zwar ist die Gründung eines ‚Deutschen Senioren Leichtathletik Verbandes‘ (DSLV) ein fast zynischer  Anlass zu einem 1.-April-Beitrag gewesen, die Gedankenspiele um eine Absonderung (und damit bessere, respektvollere Betreuung der Seniorinnen und Senioren) reißen jedoch nicht ab.
Bei all diesen (Abspaltung-)Spielen kommen immer mehr unsere europäischen Nachbarn als Vorbild ins Spiel; Nachbarn wie die Finnen, die Polen, die Briten, die Schweizer. Sie haben ihre eigene Senioren-Sektion; eine Sektion, die die deutschen Leichtathletiksenioren durchaus bei den Turnern ansiedeln könnten.

Denn die deutschen Turner (DTB) haben eine selbstständige Sektion Leichtathletik, führen Mehrkämpfe (mit Leichtathletik) durch und sind vom DOSB als Dachverband anerkannt, eine Grundvoraussetzung für eine offizielle Fachverbandsbeitritt.

Und noch dies:  Heinrich Clausen ist ehemaliger DLV-Mitarbeiter mit großer Erfahrungn  in der Organisation von gleich zwei Leichtathletik-WM, einer EM und internationalen Seniorenmeisterschaften; mit wenigen anderen rettete er die Senioren-WM in Durban, als sie im Organisationschaos überforderter Gastgeber abzusaufen drohte. Und jetzt ist eben dieser Heinrich Clausen seit dem 1. Februar 2011 beim DTB tätig. Dies könnte den Wahrheitsgehalt des April-Gerüchtes und die damit verbundenen Gedankenspiele erhöhen oder auch nicht…

Seit Leipzig jedenfalls ist die Welt der Leichtathletik-Seniorinnen und -Senioren in Deutschland eine andere geworden. Fragt sich nur, ob der 1. April nur mit Flunkereien erklärbar ist oder ob da die Warmhalteplatte mehr anheizenden Charakter hat.


Ein Kommentar von Ralf Peters

Gernrode

24. März 2011

Die Zugbindung hat einen Riesenvorteil: die Fahrkarte ist enorm preisgünstig. Eine Zugbindung hat aber auch Nachteile: man muss sehr früh buchen und ist dann allen Zufällen wie z.B. einem Lokführerstreik ausgesetzt. Und so fuhr mancher zuggebundene EM-Gent-Teilnehmer mit einem mulmigen Gefühl Richtung Belgien zu den Hallen-EM, denn der deutsche Lok-Führerstreik von Anfang März konnte sich ja genau im Zeitraum um die Meisterschaft in Gent wiederholen.

Es passierte aber nichts dergleichen, und so stand am Montag nach der Meisterschaft eine Gruppe Deutscher auf dem Bahnsteig in Gent und wartete auf den Zug Richtung Brüssel. Auf Gleis 8 sollte der IC laut Anzeigetafel abfahren. Um 9:24 Uhr. Doch die ca. 20 deutschen Senioren warteten vergebens und sahen stattdessen auf Gleis 3 einen Zug, der abfahrbereit war. Ein Senior (wohl ein Sprinter?) erreichte außer Atem das Gleis 3, rief dem Schaffner ein lautes „Halt“ zu, ehe dann seine Sportfreunde wenig später den Bahnsteig erreichten. Doch auch in Belgien gilt: „Abpfiff ist Abpfiff“. Lautstarke Proteste gab es dann in der Bahnhofshalle, denn weder eine Durchsage noch eine Anzeige hatten den Gleiswechsel angekündigt.

Es trat also ein, was bei einer Zugbindung nicht passieren darf: der vorgesehene Zeitplan war durcheinander und laut Geschäftsbedingung der Bahn muss dann eine neue Karte gelöst werden.

Bis Brüssel ging es noch ohne Probleme. Doch dann wurde es eng. Für EVAA-Präsident Dieter Massin gar zu eng, da er am Nachmittag einen wichtigen Termin im heimatlichen Ahlener Rathaus hatte. Er handelte kurz entschlossen, da er ohnehin das Szenario „Nachzahlung“ vor Augen hatte, mietete einen Wagen und bot drei weitere Plätze für Mitfahrer Richtung Westfalen an.

Christa Happ sagte zu, und so fuhren beide von Brüssel in das westfälische Hamm, wo dann Christa Happ ihren Anschlusszug nach Gernrode suchte. Der Fahrkarten-Automat (um eine Karte nachzulösen) funktionierte nicht, die Hilfe eines weiteren Fahrgastes klappte auch nicht, und so ging Christa Happ schnurstracks zum Fahrkartenschalter, auf Bahn-Deutsch „Ticket-Counter“, erklärte dem Dienstleistenden ihr Missgeschick. Statt nachzuzahlen bekam sie zwei Stempel, die (er)klärten, dass sie ohne weitere Kosten in ihren Wohnort fahren konnte. Über Hannover und Madgeburg nach Gernrode. Mit sechs Medaillen im Gepäck, 2x Gold, 2x Silber, 2x Bronze. Und ohne Zusatzkosten, weder von Gent nach Brüssel, weder von Brüssel nach Hamm und auch nicht von Hamm nach Gernrode.

Nun sage bitte keiner, Deutsche Bahn (und EVAA-Präsident) seien nicht kundenfreundlich!

(Foto Bahnhofshalle Hamm Hbf: © eindruckschinder CC)