Archive for the ‘2. Masters Hallen-WM in Linz’ Category

Socken

18. März 2006

Das Wort „Socke“ stammt, wie ich seit heute weiss, aus dem Lateinischen. Der „soccus“ war ein Schlüpfschuh, der meist zuhause getragen wurde. Hier in Linz gibt es derlei in vielfältigster Weise bei Leichtathleten zu sehen, vorzugsweise -pardon- bei den Herren der Schöpfung. Während die Füsse meist mit atemraubend modernen Sprint-, Wurf- oder Sprungschuhen ausgestattet sind, regelmässig das neueste Modell in den brüllenden Farben der Saison, tendiert der männliche Leichtathletikmasters zum Bewahren historischer Besitzstände, und zwar um so mehr je älter. Nicht nur konservativ orientierte Sportler achten offenbar darauf, nur Socken zu tragen, die sie bereits zehn Jahre ihr eigen nennen – die sich folglich bei mindestens je vier Welt- und Kontinentmeisterschaften bewährt haben. Die von jüngeren Menschen heutzutage gern genutzten Motiv- und Ringelsocken, die dynamisch wirken und Esprit zeigen sollen, sind in der Halle eigentlich nicht zu sehen, ebenso wenig das Barfusslaufen. Dass aber der wahre Leichtathlet-Gentleman Langsocken trägt, zeigte sich an Pino Pilotto. Der Schweizer Teammanager, Architekt aus Luzern, trägt wirklich die beeindruckendsten Langstrümpfe dieser Weltmeisterschaft. An Socken hält er sich nicht auf. Morgen läuft er die 400m, um 14.00 Uhr. Ich bin dabei, er ist nämlich auch ein Pfundskerl…

Teamchef

17. März 2006

Teamchef des DLV in Linz ist Volker Wollschläger. Das ist wunderlich, weil VW einer derjenigen ist, die seit Jahren gegen die Altersfaktoren im Seniorenmehrkampf Front machen, und er ganz aktiv war, sie in Deutschland abzuschaffen. Da ist der DLV weltweit vorn, weil sich alle anderen Verbände an die IAAF-Regeln halten wollen. Und die sehen die Altersfaktoren vor. VW trägt den nicht ganz leichten Titel „Vorsitzender des Bundesausschusses Wettkampforganisation des Deutschen Leichtathletik-Verbandes“ und auch sonst trägt er schwer und stellt bisweilen sogar klar zum Beispiel „bezüglich der DAMM-Endkämpfe in 2006 mit seinem Schreiben vom 26.1.2006 an die Landesverbände„. Noch so ein VW-Thema unter dem Titel „Senioren und der DLV“. Und so hoffen wir Mastersleichtathleten, dass in Linz der Virus der Seniorenleichtathletik den hessischen Oberamtsrat i.R. jedenfalls so weit ansteckt, dass sich in Sachen Altersfaktoren und darüber hinaus der DLV endlich etwas entkrampft…

Kaffee

17. März 2006

Dass am ersten Tag die Rundenzähler bei der WM der Leichtathletiksenioren nicht bis 15 zählen konnten und manche Läuferin eine Runde oder gleich noch mehr zu wenig zurücklegten, ist ein Klacks gegen das, was sich hinter der Laufbahn zuträgt. Wir wissen ja alle, wie kultig der österreicher mit seinem Kaffee umgeht, weil dahinter die Geschichte steckt, nämlich wie das erste Wiener Kaffeehaus entstand: Als 1683 die Türken vor Wien geschlagen worden waren, erhielt Franz Georg Kolschitzky als Geschenk die zurückgelassenen Kaffeebestände und die Erlaubnis für den Ausschank von Kaffee. Damit war Wien mit seinen Kaffeehäusern zwar ein wenig später dran als andere europäische Städte, aber bis heute ranken sich um österreichs Kaffeehäuser eben mehr als nur Kaffeegewächse.
Daher liegt es nahe, dass Kaffee im Gastgeberland der 2. Hallen-WM etwas ganz Besonderes ist. Und das zeigt sich natürlich auch in der Veranstaltungshalle, der modernen intersport-Arena. Das Zauberwort „Lass uns doch einen Kaffee trinken“ sollte man wie frau sich gleichwohl gut überlegen, kostet doch der Gaumengenuss in der WM-Halle glatte 2,50 Euro – pro Plastiktasse versteht sich, die dann mit maximal 100 ml – gefühlt deutlich weniger – gefüllt ist, die man aber auch mitnehmen darf. Seniorenleichtathleten aus Deutschland fühlen angesichts dieser Preise zugleich die Wehmut der 50er Jahre: Kaffeetrinken hieß damals, sich wieder etwas leisten zu können. Na bitte…