Archive for the ‘2010’ Category

Gernrode

24. März 2011

Die Zugbindung hat einen Riesenvorteil: die Fahrkarte ist enorm preisgünstig. Eine Zugbindung hat aber auch Nachteile: man muss sehr früh buchen und ist dann allen Zufällen wie z.B. einem Lokführerstreik ausgesetzt. Und so fuhr mancher zuggebundene EM-Gent-Teilnehmer mit einem mulmigen Gefühl Richtung Belgien zu den Hallen-EM, denn der deutsche Lok-Führerstreik von Anfang März konnte sich ja genau im Zeitraum um die Meisterschaft in Gent wiederholen.

Es passierte aber nichts dergleichen, und so stand am Montag nach der Meisterschaft eine Gruppe Deutscher auf dem Bahnsteig in Gent und wartete auf den Zug Richtung Brüssel. Auf Gleis 8 sollte der IC laut Anzeigetafel abfahren. Um 9:24 Uhr. Doch die ca. 20 deutschen Senioren warteten vergebens und sahen stattdessen auf Gleis 3 einen Zug, der abfahrbereit war. Ein Senior (wohl ein Sprinter?) erreichte außer Atem das Gleis 3, rief dem Schaffner ein lautes „Halt“ zu, ehe dann seine Sportfreunde wenig später den Bahnsteig erreichten. Doch auch in Belgien gilt: „Abpfiff ist Abpfiff“. Lautstarke Proteste gab es dann in der Bahnhofshalle, denn weder eine Durchsage noch eine Anzeige hatten den Gleiswechsel angekündigt.

Es trat also ein, was bei einer Zugbindung nicht passieren darf: der vorgesehene Zeitplan war durcheinander und laut Geschäftsbedingung der Bahn muss dann eine neue Karte gelöst werden.

Bis Brüssel ging es noch ohne Probleme. Doch dann wurde es eng. Für EVAA-Präsident Dieter Massin gar zu eng, da er am Nachmittag einen wichtigen Termin im heimatlichen Ahlener Rathaus hatte. Er handelte kurz entschlossen, da er ohnehin das Szenario „Nachzahlung“ vor Augen hatte, mietete einen Wagen und bot drei weitere Plätze für Mitfahrer Richtung Westfalen an.

Christa Happ sagte zu, und so fuhren beide von Brüssel in das westfälische Hamm, wo dann Christa Happ ihren Anschlusszug nach Gernrode suchte. Der Fahrkarten-Automat (um eine Karte nachzulösen) funktionierte nicht, die Hilfe eines weiteren Fahrgastes klappte auch nicht, und so ging Christa Happ schnurstracks zum Fahrkartenschalter, auf Bahn-Deutsch „Ticket-Counter“, erklärte dem Dienstleistenden ihr Missgeschick. Statt nachzuzahlen bekam sie zwei Stempel, die (er)klärten, dass sie ohne weitere Kosten in ihren Wohnort fahren konnte. Über Hannover und Madgeburg nach Gernrode. Mit sechs Medaillen im Gepäck, 2x Gold, 2x Silber, 2x Bronze. Und ohne Zusatzkosten, weder von Gent nach Brüssel, weder von Brüssel nach Hamm und auch nicht von Hamm nach Gernrode.

Nun sage bitte keiner, Deutsche Bahn (und EVAA-Präsident) seien nicht kundenfreundlich!

(Foto Bahnhofshalle Hamm Hbf: © eindruckschinder CC)

Philipp Frech

6. Juli 2010

Was haben Alt-Bundespräsident Richard Karl Freiherr von Weizsäcker (*15.04.20), Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki (*02.06.20) und Werfer-„Dino“ Philipp Frech (*06.07.20) vom Pulheimer SC gemeinsam?

Sie allesamt hatten das Glück, dass ihre Eltern unversehrt den 1. und sie selber den 2. Weltkrieg überstanden haben. Ansonsten hätten sie Anno Domini 1920 nicht das Licht der Welt erblicken und in der genannten Reihenfolge 2010 einen veritablen Geburtstag feiern können. Nämlich die Vollendung des 90. Lebensjahres. Ferner sind sie unisono mit einer beneidenswerten geistigen Frische gesegnet. Aber eines hat „unser“ Philipp seinen zwei etwas berühmteren Mit-Jubilaren garantiert voraus: Was die körperliche Fitness angeht, steckt er sie locker in die Tasche. Jede Wette! Trotz eines künstlichen rechten Kniegelenkes seit 1995.

Alt zu werden ist angeblich kein Verdienst, sondern eine Gnade. Das bestreitet Philipp entschieden. „Natürlich müssen die genetischen Voraussetzungen stimmen“, räumt er ein. „Aber jeder kann in vielerlei Beziehung eine Menge für sich und seine Gesundheit tun.“ Seine Lebensmaxime lautet: Wer rastet, der rostet. Oder als echte kölsche Jong: Von nix kütt nix. Den Spruch „No Sports“ von Sir Winston Churchill hält er logischerweise für blanken Unsinn. Sein Credo: Viel Sport, darunter jeden Tag eine halbe Stunde Gymnastik und mehrmals die Woche im 30 Grad warmem Wasser des Erlebnisbades in Dormagen 500 Meter schwimmen. Fit hält den (Wieder-)Junggesellen, der drei Töchter und einen Sohn hat, zudem die eigene Bewirtschaftung seines schmucken Hauses in Pulheim und dass er täglich für sich sowie gelegentliche Besucher mit frischen Zutaten kocht.

Der Mann ist schlichtweg faszinierend. Wenn er aus dem Nähkästchen seines prallen Lebens plaudert, kann man ihm stundenlang gefesselt zuhören, ohne dass es auch nur eine Sekunde langweilig würde. Bücher füllend. Platz, den wir leider nicht haben. Deshalb gerafft und gestrafft: Klein-Philipp wurde als sechster von acht Sprösslingen (sechs Jungs, zwei Mädchen) in Köln geboren, betrieb von Kindesbeinen an Sport beim damaligen TV Kalk. Als studierter Maschinenbau-Ingenieur war er während des Krieges in der Luftfahrt-Forschung tätig und deshalb vom Militär-Dienst freigestellt. Als das soldatische Personal jedoch immer knapper wurde, schickten sie ihn auf dem letzten Drücker noch auf die Offiziersschule und schließlich als Fähnrich an die Ostfront. In seinem Rucksack befand sich neben dem obligatorischen Essbesteck stets auch ein Diskus. Später geriet er in russische Gefangenschaft, büchste beim dritten Versuch erfolgreich aus und kehrte schon im Juni 1945 nach Köln zurück. Von einem im Krieg gefallenen älteren Bruder übernahm er die Spedition. Zunächst nur einen LKW, ein ausgedienter Wehrmachtslaster mit Panzerketten auf der Hinterachse. Mit gerade 25 war er seinerzeit der jüngste Unternehmer der Domstadt. Klar, dass er höchst persönlich auf dem Bock saß. Durch Geschick und Weitblick baute er die Firma sukzessive aus. In der der Blütezeit rollten unter seiner Flagge 15 Fernverkehrslastzüge gleichzeitig auf bundesdeutschen Straßen. Als Not am Mann war, chauffierte er 1994, also 74-jährig, einen 42-Tonner von Passau nach Köln. Das war selbst dem WDR-Fernsehen damals einen Beitrag wert.

Derweil sich Otto Normalverbraucher mit 75 nach einer schnuckeligen Senioren-Residenz umschaut, falls er denn über das nötige Kleingeld in großen Scheinen verfügt, startete Philipp Frech noch einmal so richtig durch. Er kaufte sich 1995 in False Bay (Südafrika) am indischen Ozean, in unmittelbarer Nähe vom Kap der guten Hoffnung, da wo sich atlantischer und indischer Ozean „küssen“, eine Eigentumswohnung in einer Anlage mit traumhaftem Ausblick aufs Meer. Seither verbringt er dort als eine Art ständiger Sonnenkönig die Monate November bis Mai, geht mit Delphinen und Pinguinen schwimmen, surft vor der eigenen Haustüre auf dem Wasser und dahinter im Internet, erkundet mit seinem PKW das wunderschöne Land sowie deren überwiegend herzliche Bevölkerung. Schlappe 20.000 Kilometer hat er sich im letzten Halbjahr bei original britischem Linksverkehr unter die Räder genommen. Mit 89. Nicht Tempo, sondern Jahren. Da legs die nieder.

Nachvollziehbar, dass sein geliebter Sport während der selbstständigen Tätigkeit zu kurz kam. Erst ab 1986 hat er wieder intensiver trainiert. Die Erfolge stellten sich rasch ein. Bereits 1989 verbesserte er trotz eines Salto nullos im Stabhochsprung den deutschen Rekord im Zehnkampf der M 65. Es folgten 16 DM-, fünf EM- und fünf WM-Titel, vornehmlich mit dem Diskus. Dazu wurde er einmal Vize-Weltmeister im Zehnkampf, warf etliche deutsche Diskus-Rekorde in verschiedenen Altersklassen. Bei seinen ausgedehnten Aufenthalten auf dem schwarzen Kontinent gewann er 46 (!) Goldmedaillen in den fünf Wurfdisziplinen sowie im Werfer-Fünfkampf bei Afrikanischen und Südafrikanischen Meisterschaften der Masters. Exakt dieses stramme Programm wird er in diesem Monat bei der Senioren-EM in Ungarn als international echter M90er bestreiten. Nebenbei bemerkt wiegt seine komplette Medaillen-Sammlung elf Kilogramm. Allerdings ist seine  Lieblingstrophäe ein Diskus, den er von Weltrekordler Jürgen Schult geschenkt bekommen hat und der von ihm sowie etlichen anderen Weltklasse-Diskuswerfern wie Lars Riedel mit jeweiliger Bestleistung versehen signiert wurde.

Seinen Ehrentag beginnt der umtriebige (Un-)Ruheständler bei einem von einigen Klubkameradinnen bereiteten Frühstück. Gefeiert wird indes häppchenweise mit den unzähligen Sportfreunden, die er ohnehin nicht alle an einem bestimmten Tag zusammen bekäme. Schließen wir uns den PSC-Damen an, sagen artig und aufrichtig:

Herzlichen Glückwunsch, lieber Philipp! Womöglich reiht sich Noch-Landesvater und „Nachbar“ Jürgen Rüttgers in die Gratulantenschar ein.
Axel Hermanns, www.lampis.net

Spaß

29. Mai 2010
Sie wird nicht zur EM nach Ungarn fahren!
Almut Brömmel, die unlängst 75 wurde, ist auf Grund ihrer Behinderungen auf ihr Auto angewiesen und hat niemanden zum Mitfahren gefunden. Auch eine Quartierbeschaffung in letzter Sekunde wäre ihr zu hektisch gewesen. Eigentlich hatte sie das ganze Jahr schon wettkampfmäßig  abgeschrieben.
Nach relativ wenig Training probierte sie allerdings am Pfingstsamstag bei einem Testwettkampf die neuen, leichteren Geräte für die Altersklasse W75 aus, die ihr gut liegen, zumal sie alle Disziplinen nur aus dem Stand machen kann. Am besten gefällt ihr der 2-kg-Hammer (25.20m trotz Regens). Die Kugel hat einen sehr kleinen Durchmesser und ist nicht leicht zu treffen (8.39m). Ein größerer Umfang wäre wünschenswert. Auch auf den leichten Diskus muss man sich erst umstellen. Die 20.20m (bei Regen) kann sie auch mit dem 1kg-Gerät werfen. Von ihrem Standspeerwurf (15.83m) war die Augsburgerin sehr enttäuscht. Dagegen flog das Gewicht ohne Rückenschmerzen (!!) ganz schön weit (10.52). Ihre Auswertung hätten 4175 Punkte ergeben. Nach
Almuts Meinung ist der Altersfaktor für das Hammerwerfen in der neuen Wertung zu hoch angesetzt.
Die neuen Geräte bringen der Mastersathletin – verglichen mit den schwereren –  im Training etwa folgenden Weitenzuwachs: Kugel 1.50m, Hammer 6.50m, Diskus 2m, Gewicht 1.50m. Da es im Handel kein 4-kg-Gewicht gibt, kann man sich ein passendes aus einem alten Hammer basteln.
„Jedenfalls machen die leichteren Gewichte  mehr Spaß“, sagt Almut Brömmel. „Schade, dass sie in Deutschland noch nicht verwendet werden.“ Die Bayerin hat es dazu nicht weit: In Österreich nämlich darf (und muss) man damit schon offiziell werfen.

Der deutsche Bedenkenträger-Sonderweg nimmt derweil den älteren Athletinnen den Spaß und auch die Möglichkeit, neue Bestleistungen und Rekorde zu erreichen.

Wetten

27. März 2010

Lasst mich zunächst etwas lästern, bitte. Da informiert die DLV-Webseite über die XVII. Senioren-Europameisterschaften unter dem Titel

„Senioren-EM in Nyiregyha“

über die internationale Leichtathletik-Herausforderung des Sommer, wo wir doch jenseits aller Schreibfehler längst wissen, dass Austragungsort das ostungarische Nyíregyháza ist. Und das klingt lautmalerisch dann wie Nü-rä-scha-sa.  Oder Nie-re-tscha-sah. Ganz wie gewünscht.

Jetzt muss also gemeldet werden. Sehen wir uns? Ich bin mir sicher, dass es eine besondere EM werden wird. Zwar scheint der Austragungsort nicht unbedingt attraktiv. Aber mehr Sein als Schein ist ja auch ein tragendes Motto. Denn sicher ist: Die Ungarn werden sich ein Bein ausreißen – wie sie es bei der Junioren-EM 1995 an gleicher Stelle auch getan haben- und die Atmosphäre wird großartig sein – wie 1998 in Cesenatico, 2000 im finnischen Jyväskylä oder vor vier Jahren in Poznan. Jeweils und auch jetzt im nicht ganz so großen Nyíregyháza richtig gute Meisterschaften – sportlich und auch sonst. Wetten, dass?!

Fertig

9. März 2010

Fertig!

Nicht nur dieser kanadische „Volunteer“ war platt; vielen der über 1000 Ehrenamtlern erging es bei den 4. Hallen-Weltmeisterschaften der Senioren in Kamloops so. Sie waren stehend und liegend K.O.
Während der Jugendliche (siehe Foto) seinen fehlenden Schlaf im Aufenthaltsraum der Kampfrichter und Helfer nachzuholen suchte, sah man häufig Kampfrichter und Helfer abseits der Bahn bei einem kleinen Nickerchen. Aber immer wieder waren sie dann punktgenau fit und einsatzbereit, wenn es so weit war. Alle über 1000 Kampfrichter und Helfer haben in Kamloops eine tolle Arbeit hingelegt!

Großer Respekt und ein dickes Dankeschön!

(Foto: © privat)

Radetzky in Kamloops XII

9. März 2010


Jetzt gehen  die FRIENDLY GAMES von Kamloops zu Ende. Bei den abschließenden Siegerehrungen marschiert schon eine Kapelle ein, die danach richtig Gas gibt. In farbenprächtigen Kostümen, die bei jeder Karnevalsveranstaltung prämiert worden wären, spielen sie für die Brasilianer Mambo Nummer 5, für die Amis Oh when the Saints, Alles, was noch auf der Tribüne ist, tanzt, manche Mehrfachmedallisten klappern mit ihrem Edelmetall im Rhythmus. Alles in Gelb auf der Tribüne: Brasilianer und -innen sind da, die Aussies in ihrem Gelb und außerdem ganz viele der über 1000 Volunteers in ihren gelben T-Shirts, die diese WM so entscheidend geprägt haben.

Zwischendurch erklärt irgendein Offizieller „These World Championships finished“. Aber so richtig interessiert das auf der Tribüne niemanden. Die WMA-WM-Flagge wird den Abgesandten aus Jyväskylä übergeben, dann gibt es den Radetzky-Marsch für die Germans, Austrians & Co, und der Tanz geht weiter. Beste Stimmung und ein Gute Besserung an Judy, Danke tausendmal an tausend Volunteers.

Jetzt geht es noch zu unserer privaten Abschlussfeier im Lokal mit der besten Ausischt auf die Lichter im Tal von Kamloops.
Die Stimmung ist bestens, vom Nachbartisch kommt Martin Vogel rüber und sagt, wir haben 15 Medaillen; Kunststück mit Horst Albrecht, dem Metallgaranten in der M 85 und mit Clemens Wittig.  Wir zählen nach und kommen bei uns auf 18, sind aber auch zwei Leute mehr.

Eigentlich müssten die Kanadier eines der kinderreichsten Völker sein, weil sie immer so früh zuhause sind. Auch in unserem Lokal ist wie überall hierzulande schon 21.00 Feierabend. Also gehen wir alle noch ins Hotel und feiern mit unseren DLV-Offiziellen, die immer von früh bis spät im Einsatz waren und endlich Feierabend haben – bis auf Charly Flucke, der noch vor dem Computer am Schlussbericht für die DLV-Homepage sitzt. In der Bar geht’s noch bis sündhafte 23:30.

Morgen fahren wir für ein paar Tage in die Rockies und danach nach Vancouver und Düsseldorf. In Ungarn schwingt Robby Koop wieder den Griffel, und ich werde laufen – besser als umgekehrt,  und wie sagte Klaus Wowereit damals so zutreffend “ Und das ist auch gut so!“

Euer Winfried Heckner

Finale in Kamloops XI

9. März 2010

Was steht vor dem Hotel, als wir zum Frühstück gehen? Der Bus der Vancouver Giants, die gestern die 6:1 Klatsche im Eishockey gekriegt haben. Ohne die martialische Ausrüstung sehen manche der Spieler wie Hänflinge aus.

Am Schluss stehen 400m und dann die Staffeln an. Zunächst ist Staffelkamerad Thomas Partzsch im 400m-Finale nach vorn zu brüllen. Also rauf auf den Aufwärmplatz und ihm den letzten Motivationsschub verpassen: „Hol sie dir, Rache für die 800“ , wo Thomas nicht starten konnte, weil er zu spät im call-Room war… Tja, wie sagte schon weiland Gorbi: „Wer zu spät kommt,… “ Unseren Staffel-Schlussläufer nennen wir immer liebevoll Kampfschwein. Heute macht er seinem Namen alle Ehre und wird Hallenweltmeister. 🙂

Kurz vor Thomas‘  Finale gibt es noch einen schlimmen Zwischenfall. Judy Armstrong, eine der beiden Cheforganisatoren und meist Mrs. Überall genannt, schaut beim Gewichtwurf nach dem Rechten und wird von einem verunglückten Wurf an der Seite getroffen. Es werfen gerade große, kräftige Männer, also sind es mehr als 10 Kilo, die da angeflogen kommen. Sie ist bei Bewusstsein und wird im Rollstuhl abtransportiert. Später erfahren wir, dass nichts gebrochen ist, „nur“ starke Prellungen, die sie noch lange an die WM erinnern werden.

Für die Staffel ist unser Motto „Haut die Amis weg“, doch am Ende sind sie stärker. Das müssen wir anerkennen. Da sieben  Staffeln gemeldet haben, gibt es zwei Zeitendläufe. Wir sind im ersten. Deshalb heißt es anschließend zittern, bis die anderen im zweiten Lauf im Ziel sind. Bei uns sprang die Uhr von1:57 auf 1:58 – mit so Kleinigkeiten wie Hunderstel beschäftigt man sich in einem so großen Land wie Kanada nicht – Die Australier und die Kanadier liegen gleichauf bei ca. 1:31, als der Schlussläufer den Stab bekommt. Wir sehen, das wird eng. Peter Crombie, der Schlussläufer der Aussis und Weltmeister in der M 65 läuft normalerweise  mindestens eine kleine 26. Aber hier ist Kamloops und eine Bahn ohne Kurvenerhöhung, er kommt rein, als die Uhr gerade auf 1:58 gesprungen ist. Ich springe hoch, denn das heißt Silber. Apropos fehlende Kurvenerhöhung: Später sehen wir noch, wie Athleten Brust an Brust auf Bahn1 in die Zielkurve gehen und auf Bahn 3 und 4 wieder aus der Kurve kommen.
Unsere Staffeln -aufgefüllt mit Marathonis und Eisenwerfern- schlagen sich ausnahmslos hervorragend. Angelika Holder beispielsweise ist eigentlich zuständig dafür, Eisen möglichst weit weg zu befördern. Doch sie geht die 200 an, dass man sicher ist, gleich zieht jemand den Stecker raus, aber sie hält durch. Im T-Shirt!

Am Ende hat unser kleines Aufgebot in den Staffeln zwei Mal Gold, vier mal Silber und einmal Bronze gewonnen. 🙂

Winfried Heckner

6:1 in Kamloops X

7. März 2010

Heute ist Freitagabend und es ist Eishockey angesagt. Eishockey ist Volkssport in Kanada. Es gibt 28.000 Schiedsrichter. Zum Vergleich: in Deutschland gibt es knapp 28,000 Spieler.

Heute spielt die U 20 der Kamloops Blazers gegen Vancouver Giants; die Halle ist mit 3500 Zuschauern fast voll; sie hat 4.300 Plätze. Wir haben noch keine Karten und als wir suchenden Blickes auf den Ticketschalter zugehen, spricht uns ein Kanadier an. Es gibt eine kurze Unterhaltung, über   Germany,  Championships usw. und dann fragt er uns, ob wir Tickets wollen. Ich greife nach meiner Geldbörse und frage nach dem Preis: „No money. Ich kann heute nicht, ich schenke sie Euch.“ Es sind wirklich die FRIENDLY GAMES

Das Spiel ist ein Erlebnis, wenn auch nicht sonderlich FRIENDLY. Bekanntlich ist das Spielfeld in Kanada kleiner, deshalb ist das Spiel schneller und es ist etwas anders als bei uns. Das Ganze mit dem Puck ist diesmal Beiwerk, um sich richtig prügeln zu koennen, scheint’s mir. Schon nach 9 Minuten sind sechs Spieler nach einer Massenkeilerei nicht nur für 2 Minuten gesperrt. Die Schiedsrichter stehen daneben und man hat den Eindruck, sie vergeben A und B-Noten fuer den besten Haken. Es dauert dann alleine ein paar Minuten, bis Handschuhe, Schlaeger und Helme, die zwecks effekticeren Körperkontaktes zeitnah abgelegt wurden, wieder eingesammelt sind. Die Presse schreibt später:

There was a lot of leather in faces in this one. In fact, the first two periods were chippy and physical and included a multi-fight situation at 11:53 of the first period.

Kamloops gewinnt am Ende 6: 1. Wen es interessiert, hier mehr…

Winfried Heckner

Landjäger in Kamloops IX

7. März 2010

Und wieder mal die freundlichen Meisterschaften:

Unsere Dolmetscherin Helga Gemsa (Foto), vor 40 Jahren aus dem deutschen Elmshorn nach Kanada ausgewandert, betreibt hier mit ihrem Mann einen Schlachterladen. Für  die Zeit der WM hat sie sich frei genommen – unentgeltlich. Die Volunteers bekommen am Sonntag einen Brunch als Dankeschoen. Clemens Wittig, unser Metallsammler im längeren läuferischen Bereich, hat  ihr  als kleines Danke von den Jungs und Mädels aus Deutschland übergeben: Ein Poster mit einem Foto, auf dem er und ein anderer Athlet unserem guten Geist medaillenbeglückt ein Küsschen geben.

Dass Helga Gemsa, die auch Präsidentin der „Kamloops Friends of the German Language“ ist,  uns mit leckeren Landjägern beglückt, muss natürlich erwähnt werden. Denn Wurst zum Frühstück gibt es nicht, dafür reichlich Eier für den neuen Rekord in der persönlichen  Cholesterinwertung.

Winfried Heckner

(Foto: © Bernd Boscolo, pixelio.de)

Verfügbar in Kamloops VIII

7. März 2010

Heute Freitag ist Wettkampftag, also kriegt man wieder nichts mit von allem anderen.

Nach dem Frühstück noch mal hinlegen, dann zur Halle und direkt auf den Aufwärmplatz. Wieder ist es sonnig und annehmbar: die Kanadier erkennt man leicht, sie haben meist kurze Hosen an – klar doch, die Sonne scheint und es ist über 0 Grad.  Man mag sich gar nicht ausmalen, was gewesen wäre mit den Temperaturen des März 2009 mit bis zu 30 Grad minus. Da wäre es mit Warmlaufen draußen schwierig gewesen.

Hürdenlaufen im gesetzten Alter ist nach meiner Meinung grenzwertig; wenn Koordination und Kraft nicht mehr so richtig mitmachen, sieht es eigentlich nicht so richtig nach Leichtathletik aus. Ein Spanier strauchelt auf dem Aufwärmplatz regelmässig an der dritten Huerde und legt sich lang: Er bekommt den  Sonderpreis für Unverzagtheit.

Diesmal sind wir im Zeitplan. Ich schau mich um: Außer dem Franzosen und meinem Staffelkameraden Thoams Partzsch kenne ich keinen der Konkurrenten. Diesmal werde ich einen guten Start hinlegen. ich gebe mir selbst das große Indianerehrenwort.

Als Wettkämpfer sieht man ja nur die ältere Männerklasse vor einem, bei der weiblichen gleichaltrigen Klasse hockt man schon auf dem Stuhl dahinter  und wartet nur noch darauf, den Startblock einstellen zu können. Diesmal ist nicht der langsame Starter am Werk, der einen so fürchterlich lange sitzen lässt. Ich gehe ab wie Schmitzens Katze – wow, ich bin vorne, an der 3. Huerde kommt der Amerikaner neben mir auf. Er hat die bessere Technik, an der 4. ist er gleichauf und an der 5. wird er etwas vorn sein. Entscheidung von Kommandozentrale ist gefragt, als der bessere Sprinter im Zieleinlauf nochmal richtig Druck oder besser nicht. Ich lasse es, locker bleiben und nicht verletzen, wir sind hierhin gekommen, um eine gute Staffel zu laufen.

Unverletzt in 10, 13 Silber! Ich bin mehr als höchstzufrieden (Foto).

Zum Glück sind die beiden anderen, der schnelle Amerikaner Frederick Johnston und der langsamere Amerikaner Robert Baker, schnell verfügbar. Wir können also zur Siegerehrung,  uns da als vollständig melden und werden dann eingereiht – ansonsten ist die Zeremonie erst drei Stunden nach dem Wettkampf. Siegerehrung am Fließband wie meist. Es kursieren Gerüchte, in Lahti sei ein Amerikaner positiv getestet und gesperrt worden, andere meinen es gebe noch mehr Fälle. Wie auch immer, es wird unserem Sport nicht gut tun.

Winfried Heckner

(Foto: © masters-sport.de)