Posts Tagged ‘DLV’

Feiglinge

4. März 2011

Zunächst: Meine harte Kritik nach dem Leipziger Verbandsratsbeschluss an der DLV-Spitze um Präsident Clemens Prokop ist zu einem erklecklichen Teil zurückzunehmen. Es bleibt vielleicht die mangelnde Kraft der DLV-Protagonisten zu kritisieren, einen für die deutsche Leichtathletik und ihr Ansehen überaus schädlichen Beschluss nicht mit alle Autorität verhindert zu haben. Das Präsidium selbst war gegen die Abschaffung der Altersklasse M/W 35 und für eine Anpassung der DLV-Regeln an das internationale Niveau. Clemens Prokop will das Thema auf der Verbandsratssitzung im Sommer in Kassel neu auf die tagesordnung setzen und entscheiden lassen

Also ist der Blick auf diejenigen zu richten, die in der Leipziger Sitzung des DLV-Verbandsrats den Beschluss durchgesetzt haben, die Altersklassen M/W 30 und M/W 35 zu streichen. Anonyme Landesfürsten, die so feige sind, nicht einmal auf die Anfrage vom Montag dieser Woche zu antworten. Von den 20 DLV-Landesverbänden haben die Landesverbände Bremen, Mecklenburg-Vorpommern,  Nordrhein, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Württemberg geantwortet, dass sie gegen die Abschaffung gestimmt haben. Masters-sport.de hat E-Mails von Matthias Reick (HB), Jürgen Flehr (MV)*, Gerry Klein (SA), Ralf Hafermann (TH) und Gerhard Müller (WÜ) bekommen. Hans-Jürgen Sura schrieb für den LV Nordrhein, es habe ein kompetenter Vertreter seines LV an der verbandsratssitzung teilgenommen, der für die M/W35-Regelung gestimmt habe.

Und die anderen schweigen. Wir dürfen rätseln wie BadenBayern – Berlin – Brandenburg – Hamburg – Hessen – Niedersachsen – Pfalz – Rheinhessen – Rheinland – Saarland – Sachsen – Schleswig-Holstein – Westfalen und Württemberg abgestimmt haben. Sind es etwa Feiglinge, die nicht zu ihrem Votum stehen?

Wie schrieb uns ein Einfluss reicher Mitarbeiter der DLV-Zentrale in diesen Tagen: „Den Druck kann man nur über Aktivitäten der Vereine und Athleten in den jeweiligen Landesverbänden erhöhen, um zu erfahren, wer mit welchen Argumenten gegen den Antrag gestimmt hat. Gegenüber den eigenen Mitgliedern sollte man sich kaum aus der Verantwortung „schleichen“ können.“

Also Seniorenjungs und Seniorenmädels, trommelt für die Unterschriftenaktion und mailt an Eure Präsidenten. Hier die E-Mailadressen der Präsidenten und Landesverbände, die sich bisher  in klebriges Schweigen hüllen. Pickt Euch Eueren Landesverband heraus und verlangt eine klare Antwort:

info@shlv.lsv-sh.de, info@hhlv.de, info@leichtathletik-berlin.de, LV-Brandenburg@t-online.de, girschi@htp-tel.de (=Niedersachen), lvnordrhein@lvn-sport.de, Maurer.Willi@LVRheinland.de, HKSchulz@t-online.de (=Westfalen), anja.wolf-blanke@hlv.de, Paul.Blaschke@t-online.de (=Rheinhessen), lv-pfalz@t-online.de, SLB@LSVS.de, gs@blv-online.de, w.schoeppe@t-online.de (=Bayern), lvsachsen@t-online.de

Robert Koop

Nachtrag: * Die Antwort-Mail von Jürgen Flehr (LV Mecklenburg-Vorpommern) habe ich leider übersehen. Er hat auch gegen die Altersklassenabschaffung gestimmt. Ich bitte das Versehen zu entschuldigen. 

Unterschriftenaktion

3. März 2011

Zur Unterschriftenaktion

Liste der Unterzeichner

Eine gemeinsame Aktion von
“lampis.net”, “masters-sport.de”, “results-model2010.de“, „proMASTERs” und “SeLa-Netz”.

Makulatur

1. März 2011

Jedes Gemeinwesen lebt davon, dass es eine Vereinbarung über sein Zusammenleben und –wirken abgeschlossen hat. Nur so kann ein solches existieren. Dies hat bereits Jean-Jacques Rousseau in seinem im Mai 1762 erschienenen Werk „Der Gesellschaftsvertrag“ erkannt. Dies gilt insbesondere für einen Staat, der sich eine Verfassung gibt, aber auch für Gemeinwesen innerhalb eines Staatsgebildes, zum Beispiel eine GmbH, aber auch einen Verein oder einen Fachverband. Im Sport sind es die internationalen und nationalen Verbände, die sich Satzungen geben, um ihr Zusammenwirken grundlegend zu regeln. In der Leichtathletik sind dies für Senioren die Satzungen des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) sowie des „World Masters Athletics (WMA)“  im internationalen und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für den nationalen Bereich. Sowie Verstöße gegen das Grundgesetz Verfassungsverstöße bedeuten, sind die nationalen und internationalen Sportfachverbände an ihre selbst gesetzten Grundgesetze, also die jeweiligen Satzungen gebunden. Regelungen, die gegen das Grundgesetz verstoßen, sind verfassungswidrig, solche, die gegen Satzungen von Fachverbänden verstoßen satzungswidrig.

Der Verbandsrat des Deutschen Leichtathletik-Verbandes,nach dem Verbandstag das höchste Gremium dieses Verbandes, hat nunmehr auf seiner letzten Sitzung im Zusammenhang mit den Deutschen Hallenmeisterschaften die Seniorenaltersklassen erst mit den Klassen M/W 40 beginnen lassen, also die bisherigen der M/W 30 und M/W 35 ersatzlos gestrichen. Entsprechende Änderung der Leichtathletik-Ordnung haben die Mitglieder des Verbandsrates, also die Präsidenten der 20 Landesverbände und die Präsidiumsmitglieder des DLV beschlossen. Hierzu waren sie satzungsgemäß berufen, weil Änderungen der LAO vom Verbandsrat vorzunehmen sind. Damit dieser Beschluss aber nicht in den Verdacht gerät, dass die selbst (vom DLV) oder von den internationalen Verbänden (IAAF oder WMA) nur Makulatur sind, stellen sich die vielen betroffenen Seniorenleichtathleten U40 die Frage, ob ein solcher Beschluss rechtens ist oder gegen das „Grundgesetz der Leichtathleten“ verstößt.

Der DLV ist zunächst sowohl Mitglied der IAAF als auch der WMA. Damit erkennt er deren Regelwerk an. Selbstverständlich kann er, von deren Vorschriften abweichende Regeln treffen, also solche, die nur „national“ gelten. Die internationalen Fachverbände, also IAAF und WMA, geben die Altersklassen der Senioren vor: Sowohl in Regel 141 der IAAF-Satzung als auch in der Regel 141 der WMA-Satzung wird vorgegeben, dass die Senioren mit der jeweiligen Altersklasse M/W 35 beginnen, dass also auch diejenigen Senioren sind, die das 35. Lebensjahr vollendet haben, aber noch nicht 40 sind. Denn dort heißt es:

IAAF:
„Altersklassen bei IAAF-Veranstaltungen: Senioren/Seniorinnen: für Stadionwettbewerbe: jeder Athlet, der seinen 35. Geburtstag erreicht hat, für Wettbewerbe außerhalb des Stadions: jeder Athlet, der seinen 40. Geburtstag erreicht hat.“

WMA:
„Wettkämpfe werden nur in den unten angegebenen Altersklassen durchgeführt:
Alter: 35-39 M 35 +W 35“

Ist dies international festgelegt, fragt es sich, ob der nationale Fachverband hiervon zulasten einer Altersklasse, derjenigen der M/W 35, abweichen darf (Bislang ist der DLV zugunsten einer Altersklasse, nämlich der M/W 30 bereits abgewichen, die er in die Senioren miteinbezogen hat). Die Satzung des DLV, dessen Grundgesetz, das für jeden, also nicht nur für Athleten und Vereine, sondern auch für die Gremien, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen des Verbandes, verpflichtend ist, schreibt in § 2 unter anderem Folgendes vor: Der Verband ist verpflichtet, „die Leichtathletik im Gebiet der ihm angeschlossenen LV in Übereinstimmung mit den Regeln der International Association of Athletics Federations (IAAF) einheitlich auszurichten“ („ 2 Abs. 1.1 der Satzung). Der nunmehrige Beschluss des DLV-Verbandsrates setzt somit die Vereinheitlichungsverpflichtung der DLV-Satzung außer Kraft, lässt sie zur Makulatur werden. Der Verband ist zur Vereinheitlichung verpflichtet, ihm ist es satzungsgemäß untersagt, Beschlüsse zu verabschieden, die dem entgegenstehen, also eine
Altersklasse vom Seniorenwettkampfbetrieb auszuschließen. Zumindest die Abschaffung der Altersklassen M/W 35 verstößt daher gegen die DLV- Satzung und damit gegen das „Grundgesetz der Leichtathleten“. Und dies zulasten einer Altersklasse. Zwar bestand auch schon vor dem Verbandsratsbeschluss eine Uneinheitlichkeit, weil national auch die Altersklasse M/W 30 angeboten worden ist. Diese nationale Besonderheit benachteiligte jedoch keinen Athleten. Die Abschaffung
der Altersklasse M/W 35 benachteiligt dagegen die 35-40jährigen Senioren, weil sie
nunmehr keine eigene Altersklasse mehr haben.

Schließlich ist der Verband satzungsgemäß auch verpflichtet, alles zu tun, um Athleten auf internationale Meisterschaften vorzubereiten, also auch Senioren der Altersklasse M/W 35 auf die entsprechenden europäischen und Weltseniorenmeisterschaften. Mit der Streichung dieser Altersklassen verletzt der Verbandsratsbeschluss demzufolge auch die sich aus § 2 Abs. 1.5. der DLV-Satzung ergebende Verpflichtung, den in Frage kommenden Athleten Möglichkeiten der Vorbereitung zu geben.

Wenn eine Satzung daher keine Makulatur werden soll, ist der in Leipzig gefasste Verbandsratsbeschluss der DLV-Satzung anzupassen, ihn verfassungskonform zu machen, also zumindest die Altersklassen M/W 35 wieder in das Seniorenangebot aufzunehmen. Die Ausdehnung auch auf die Klassen M/W 30 weicht zwar auch von den internationalen Vorgaben ab, ist jedoch unschädlich, weil dadurch kein einziger Athlet benachteiligt, sondern eine Vielzahl von Athleten zusätzlich bei der Leichtathletik gehalten werden, die man ansonsten mangels entsprechenden Wettkampfangebotesverschreckt.

Ein Kommentar von Blasius Hippel

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28. Februar 2011

Leipziger Beschluss

28. Februar 2011

Hier unsere heutige Anfrage an alle DLV-Landesverbände:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir betreiben eine Internet-Informationsseite zur Seniorenleichtathletik und wenden uns mit folgenden Fragen an Sie:

Auf der Leipziger Sitzung des DLV-Verbandsrates ist u.a. beschlossen worden, die Altersklassen M/W 30 und M/W 35 zu streichen bzw keine Meisterschaften mehr für diese Altersklassen auszurichten. Der Beschluss widersprach einer vom DLV-Vizepräsidenten Allgemeine Leichtathletik eingebrachten Beschlussvorlage des Bundesfachausschusses, den das DLV-Präsidium einstimmig unterstützt hatte. Zur Veröffentlichung fragen wir Sie, ob Sie selbst bzw. wer aus Ihrem Landesverband an der Verbandsratssitzung teilgenommen und für oder gegen die gen. Beschlussvorlage gestimmt hat. Wir stellen anheim, die Gründe für das Abstimmungsverhalten darzulegen, wir werden sie ebenfalls veröffentlichen.

Veröffentlichen werden wir übrigens auch eine Nicht-Antwort auf diese Anfrage.

Hintergrund unserer Anfrage ist die große Empörung innerhalb der aktiven Seniorenleichtathleten über die Beschlussfassung, die u.a. bereits zum Rücktritt des Aktivensprechers der Senioenleichtathleten, Wolfgang Ritte (IAAF Masters of the Year 2008) geführt hat.

Wir bitten aus gegebenem Anlass um Ihre Stellungnahme bis zum 02.03.2011, 12.00 Uhr. Herzlichen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Annette Koop
www.masters-sport.de

Zentralkomitee

27. Februar 2011

Das Zentralkomitee, abgekürzt ZK, gehört im Machtgefüge kommunistischer Parteien zu den obersten Entscheidungsgremien. Es tagt nicht ständig, aber wenn es -hinter verschlossenen Türen- getagt hat, darf die erstaunte Öffentlichkeit anschließend mit ehrfürchtig-gruselndem Erstaunen die Beschlüsse erfahren. Nie ist so ganz klar, wer eigentlich was auf den Weg gebracht hat. Klar ist nachher nur, was hinten dabei herausgekommen ist.

Der DLV hat kein Zentralkomitee. Er hat den Verbandsrat. Der tagt ebenfalls (Gottseidank!) nicht ständig und immer hinter verschlossenen Türen. Nie ist so ganz klar, wer eigentlich was auf den Weg gebracht hat. Klar ist nur, was dabei herauskommt. Das wird stets anschließend verkündet, wenn auch oft tröpfchenweise und viel später. Für den Außenstehenden ist es undurchschaubar. Das DLV-Gremium ist eine prädemokratische Verbandsorganisation, von der man nicht einmal auf der offiziellen Seite des DLV im Internet nachlesen kann, wer in ihm Sitz und Stimme hat. Dazu muss man das DLV-Jahrbuch bemühen.

Dieser DLV-Verbandsrat hat am Freitag in Leipzig getagt. Wie praktisch: So haben sich seine Mitglieder die Anreise zu den Deutschen Hallenmeisterschaften bezahlen lassen können – im Zweifel nebst mit im Fahrzeug sitzenden Ehegatten. Dann haben sie  ganz im Geheimen beschlossen,  die deutsche Seniorenleichtathletik ab dem kommenden Jahr 2012 der Altersklassen M/W30 und M/W 35 zu berauben und die deutsche Mastersleichtathletik erst zehn Jahre später mit der Altersklasse M/W 40 beginnen zu lassen. In allen anderen Ländern der Welt beginnt die Seniorenleichtathletik mindestens ab M/W 35. Der Grund ist einfach: So werden aus aktiven Leichtathleten übergangslos aktive Seniorenleichtathleten. Jetzt verordnet hierzulande der DLV allen eine Zwangspause, die mit 30plus nicht so gern hinterher laufen, springen und werfen wollen.

Wir lesen hier in einem Beitrag der Vorsitzenden des Bundesausschusses („BA“) Senioren Margit Jungmann, dies sei mehrheitlich beschlossen worden und der DLV-Vize, sie selbst und irgendwie alle seien sehr traurig.  Aber warum, liebe Margit Jungmann, hast Du nicht vorher Alarm geschlagen?  Warum hat Dein BA nicht gegen dieses Vorhaben mobilisiert? Vor drei Wochen, bei der Senioren-DM in Erfurt hättet Ihr dazu Gelegenheit und Unterstützer ohne Ende gehabt.

Warum sind in Leipzig nicht DLV-Vizepräsident Dr. Matthias Reick, alle  Mitglieder des  BA Senioren und ebenso die Seniorenwarte der DLV-Landesverbände aufgestanden und haben gesagt: „Wenn Ihr Ignoranten dies beschließt, treten wird geschlossen zurück!“ Aus diplomatischen Gründen hättet Ihr sogar den Begriff „Ignoranten“ weglassen können.

Klebt Ihr etwa so an Euren Ämtern? Seid doch ehrlich: Der Leipziger ZK-Verbandsratsbeschluss macht Euch doch zu dummen Statisten und Euere Arbeit für die Seniorenleichtathletik zu einem Witz. Warum agiert Ihr nicht gegen Funktionäre, die Gegner der Seniorenleichtathletik sind und arrogant von oben herab und ohne jede Kenntnis der Menschen, die Seniorenleichtathletik treiben, Grundlegendes und Sinnvolles zerschlagen, denen internationale IAAF-Regeln wurscht sind und die Euch auch noch Eueren selbst gesetzten, aktuellen Arbeitsschwerpunkt aus der Hand schlagen, den Übergang von der Hauptklasse in die Mastersleichtathletik? Diese Funktionäre lachen ganz offensichtlich über Euch und alle Seniorenleichtathleten. Der DLV, längst und amateurhaft gescheitert im Kampf um öffentliche Anerkennung, TV-Übertragungen und Stadionrundbahnen  tritt dem Bereich zwischen die Beine, der der erfolgreichste der deutschen Leichtathletik ist. Ist ihm der dauerhafte Erfolg seiner Masterssportler, sind ihm die Seniorenleichtathleten etwa peinlich?

Kein Seniorenleichtathlet hat vergessen, mit welcher unsäglichen Tolpatschigkeit dieser DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop vor dem Deutschen Bundestag behauptete, bei den Senioren seien 80% gedopt (und erst nach Tagen und allenfalls halbherzig von seiner Unverschämtheit abrückte). Er ist -wie die meisten der Abstimmenden im Verbandsrat- ein alternder Funktionär ohne jeden tatsächlichen Bezug zu denen, die in seinem Alter immer noch aktiv Leichtathletik machen.

Mit ihm hat sich der Verbandsrat des DLV von der sportlichen Lebenswirklichkeit seiner Aktiven entfernt. Deshalb sollte er bei seiner nächsten Tagung, die auch wieder hinter verschlossenen Türen stattfinden wird,  zwangsweise  den einzigartigen Dokumentarfilm „Herbstgold ansehen müssen. Damit die Herrschaften jedenfalls die Chance haben zu verstehen, um was es bei der Seniorenleichtathletik geht. Und wenn im Film der Schwede Herbert Liedtke nach seinem 100m-WM-Finale spricht, dann sollten Sie ganz genau hinhören. Er kommentiert nämlich in Wahrheit nicht sein Abschneiden sondern diesen seltsam-anachronistischen Leipziger Beschluss…

Robert Koop

Verärgerung

16. Januar 2011

Man weiß nicht, worüber man sich mehr ärgern soll: Über die nicht zufriedenstellende Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), die klammheimliche Nichtberücksichtigung der Beschlüsse des Bundesausschusses Senioren (BA Senioren) oder die Missachtung des grundlegenden Gebots der Höflichkeit?

(Un)dank des Internets gibt es leider keine gedruckte Form der Veröffentlichungen (u.a. Wettkampfregeln, Ausschreibungen) mehr durch den DLV. Man bedient sich des Mediums der Webseite, was als modern und „in“ gilt. Leider schleichen sich doch viele Fehler (in den Ausschreibungen) ein, die dann nach „Protest“ korrigiert werden müssen. Bei der Ausschreibung zur Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaft in Erfurt waren dies der verkürzte Qualifikationszeitraum und das Fehlen eines Wettbewerbs (60 m Hürden M 70).
Solche Korrekturen werden auf der offiziellen Seite nicht angezeigt. Nur durch Suche und Vergleiche erkennt man, dass sich etwas verändert hat. Nach der Frage eines anderen Athleten:“ Welche Version hast Du denn vorliegen?“ erkennt man schnell die unterschiedlichen Kenntnisstände unter den Aktiven. Wer schaut schon jeden Tag auf die Folge-Webseiten, wenn nicht eine klare Information auf der Startseite erfolgt? Hier ist eine deutliche Steigerung in der Öffentlichkeits- und Informationsarbeit des DLV angesagt.

Erfreulich war Mitte Oktober 2010 die Veröffentlichung der Beschlüsse des Bundesausschusses Senioren (BA Senioren) zum Wettkampf- und Meisterschaftsprogramm ab 2011. Unter anderem wurde auch beschlossen, dass bei der DAMM endlich eine Berücksichtigung der Altersklassenfaktoren erfolgen soll. In den „Allgemeinen Ausschreibungsbestimmungen für Deutsche Meisterschaften 2011“ vom 17.12.2010 (vielleicht ist diese Version schon wieder veraltet? – siehe oben) kann man aber unter Punkt 13b leider nachlesen, dass bei Mehrkampfwertungen (u.a. bei der DAMM) die „Nationale Punktewertung (Stand 1994)“ zur Anwendung kommt. Hat hier der Bundesausschuss Wettkampforganisation den Beschluss einfach ignoriert oder übersehen? Warum werden solche „Umkehrungen“ nicht offiziell veröffentlicht und vielleicht auch begründet?  Dies geschieht nicht zum ersten Male. Bereits im letzten Jahr gab es hier Korrekturen von meiner Seite (Hürdenmaße und Kugelgewichte).

In den o.a. „Allgemeinen Ausschreibungsbestimmungen“ wird unter Punkt 5b „Meldeüberprüfung“ darauf hingewiesen, dass „unvollständige oder fehlerhafte Meldungen vom Landesverband nicht berücksichtigt werden. Eine Benachrichtigung erfolgt darüber nicht!“. Das ist m.E. nicht korrekt. Die Meldung eines Athleten zu einer Meisterschaft ist, da eine „Meldeüberprüfung“ erfolgt, wie ein „Antrag“ zu sehen. Sollte diesem aus irgendeinem Grund nicht entsprochen werden, hat der Athlet/Verein einen Anspruch darauf, dass er darüber informiert wird. Dies entspricht nicht nur dem Gebot der Höflichkeit, sondern auch einem Anspruch auf rechtliches Gehör. Schließlich sollte einem Athleten/Verein die Möglichkeit gegeben werden, bei einer „Fehlmeldung“ eine Korrektur vorzunehmen oder sogar rechtliche Schritte einzuleiten. Interessant wäre in solch einem Fall, wenn ein Athlet/Verein den DLV wegen der damit vielleicht umsonst aufgewandten Reise- und Übernachtungskosten belangen würde…

Verärgerungen sind oftmals durch eine Nichttransparenz vorprogrammiert. Diese abzuwenden sollte daher im Interesse aller Beteiligten sein.

Dieter Tisch

Neugierig

9. Januar 2011

Alle Jahre wieder bin ich auf die Meldezahlen vor internationalen Meisterschaften neugierig. Jetzt steht in zwei Monaten die Hallen-EM in Gent bevor, gesprochen stets  Chent, wie wir Westfriesen wissen.  Und die bekannt gewordenen Meldungen versprechen einen echten Knaller. Bislang 589 Athletenmeldungen für Gent aus Deutschland, das ist nicht ganz das Doppelte zu Ancona, wo mit 340 erstmals die 300er Grenze überschritten wurde.

Guckst du hier beim DLV, der bestimmt morgen noch Meldungen bekommt, weil der Meldeschluss an einem Freitag lag und noch Post kommen kann und wird, ‚reingeschneit sozusagen.  Auch die Tommis bereiten, wie ich höre, eine Invasion vor, dieweil die Franzosen noch zögerlich sind. Etwa wegen Waterloo? 😉

Die heutige Momentaufnahme entspricht dem, was schon bei der Stadion-EM im ungarischen Nyiregyhaza allenthalben zu hören war: Für viele deutschen Seniorenleichtathleten ist die Hallen-EM im flandrischen Belgien der Saisonhöhepunkt und sie verzichten auf den so attraktiven Start in Sacramento. Aber Kalifornien sehen und laufen (Axel H. bitte lesen: werfen)… das ist doch auch etwas. Freunde, vielleicht überlegt ihr es Euch noch mal, wenn ihr nach dem Wettkampf in Chent bei einem belgischen Bier…? Es ist nämlich immer so schön, wenn wir uns alle wieder sehen. 😀

Preußen

15. Dezember 2010

„Ich wollte, es wäre Nacht und die Preußen kämen“, soll der Herzog von Wellington vor der Schlacht bei Waterloo gesagt haben. Es wurde Nacht und auch die Preußen kamen und Napoleon erlebte sein ‚Waterloo’.

An diesen Spruch fühlt man sich erinnert, wenn man die News – Ankündigung des Deutschen Leichtathletik Verbandes vom 07. Dezember 2010 „Deutsche Meisterschaften vor Neuausrichtung“ liest. Bei dieser Neuausrichtung sind auch die Senioren ein Teil eines neuen Wettkampfkonzeptes (u.a. Streichung der DAMM und Zusammenlegung der Deutschen Meisterschaft von Senioren I und Senioren II).

Doch derzeit gibt es nur eine nächtliche DLV-Dunkelheit – und sind die helfenden Preußen noch zu erwarten? Die Leichtathletik-Senioren stehen derweil auf dem Schlachtfeld und  harren  bislang paralysiert der Dinge. Ja, sie können Opfer werden einer Überlegung, in die sie gar nicht mit einbezogen wurden. Denn sie, die Senioren, vertreten durch ihre Seniorenwarte in den DLV-Landesverbänden, sind bislang gar nicht befragt worden, als es um eine Neuausrichtung des Meisterschaftsprogramms ging.

Vizepräsident Professor Dr. Michael Böhnke*1) sah während seiner Amtszeit weise vorausschauend die Notwenigkeit einer Neuausrichtung (M.B. nannte es ‚Reform’), während sein gleichfalls promovierter Nachfolger Dr. Matthias Reick*2) noch jüngst keinen generellen Bedarf an einer Überarbeitung des Wettkampfprogramms bemerkte und sich dafür auf einen funktionierenden runden Tisch unter Einbeziehung der DLV-Seniorenwarte und der Installierung des BA Senioren in einem Interview berief. Doch wie soll etwas funktionieren, wenn der Informationsaustausch gar nicht stattfindet und die Basis damit gar nicht zu Worte kommt? Werden etwa die Leichtathletik-Senioren, da in eigenen Funktionsgremien nicht nur bisweilen uneins, gar fremdbestimmt werden?

Eigentlich war die Zeit reif, über Reformen und eine Neuausrichtung nachzudenken und einen Schritt in die Athleten orientierte Zukunft zu tun – ganz aus eigenem Antrieb, mit frischen Ideen und mit eigenen Programmen, ohne auf die Nacht, auf den Willen anderer oder auf die Preußen zu warten.

Ein Kommentar von Ralf Peters

Quellen:
*1) Senioren Leichtathletik, Ausgabe Januar-Februar 2009 (Kommentar S. 7)
*2) Senioren Leichtathletik, Ausgabe März 2010 (Interview S. 13/14)
Wappen: Preußen

Frohlocken

11. November 2010

Kleinhirn an Großhirn: Frohlocken! Anders als bei unserem kleinen belgischen Nachbarn für die Hallen-EM vom 16. bis 20. März 2011 in Gent konnte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die Online-Anmeldung zur Senioren-WM vom 6. bis 17. Juli 2011 bei unserem großen amerikanischen „Bruder“ in Sacramento/Kalifornien (USA) nicht verhindern. Wie unschwer auf der Homepage der WMA, des Senioren-Weltverbandes, unter www.world-masters-athletics.orgnachzulesen ist, hat das WMA-Präsidium einstimmig den Organisatoren grünes Licht für die beabsichtigte Online-Anmeldung gegeben. Und zwar ab sofort, genauer: bereits ab 01. November 2010.
Die Vorteile liegen auf der Hand und machen sich obendrein in barer Münze bezahlt. Es fängt damit an, dass die virtuelle zur herkömmlichen Meldung über den eigenen nationalen Verband vorab mit zehn US-Dollar rabattiert wird. Ferner entfallen die zehn Euro Bearbeitungsgebühr beim DLV und dessen ungünstiger Umrechnungskurs von linear 1,25 $ pro Euro (aktuell 1,43 $ bei steigernder Tendenz). Das hat den Geruch von modernem Raubrittertum. Oder netter formuliert: Unser aller Verband in Darmstadt befürchtet stündlich den wirtschaftlichen Kollaps des alten Kontinents und zugleich die wundersame Auferstehung von Obama-Land. Beides mehr als unwahrscheinlich bis zum offiziellen Meldeschluss am 24. April 2011.
Der Veranstalter und sein Service-Anbieter „Simply Register“ verbürgen sich dafür, dass keine persönlichen Daten weitergegeben und keine Kreditkarten-Informationen gespeichert werden. Womit wir sogleich bei den erforderlichen Voraussetzungen wären: Natürlich bedarf es eines Internet-Zuganges und den Einzug des Meldebetrages über eine Kreditkarte. Nebenbei bemerkt: Bei erfolgter Online-Anmeldung kann der/die Teilnehmer/in jederzeit Änderungen  vornehmen und hat einen besseren Zugang zu allen Informationen im Vorfeld der Titelkämpfe.
Bleibt der Hinweis auf die Veranstalter-Website: www.wma2011.com

Geschrieben von: Axel Hermanns, lampis.net

(Foto: American Dollar © thinkpanama)