Posts Tagged ‘Doping’

Beipackzettel

23. Mai 2010

Wie sich die Geschichten doch alle gleichen: ‚mein Arzt hat mir das Medikament doch verschrieben‘, ‚man hat mir was in das Getränk gemischt‘, ‚ich kann diese Medizin doch in jeder Drogerie kaufen‘. Die Reihe ist beliebig fortzusetzen mit weiter grotesken Entschuldigungen.
In diese Reihe mischt sich nun die mehrfache Welt- und Europameisterin aus Irland, Geraldine Finnegan. Sie hat ein Mittel wie jeder Normalbürger (einschl. Kinder) in einem Health shop  erstanden, hat es genommen, da es ihr ja half und ist nun bass erstaunt, dass es zur Gruppe der verbotenen Substanzen zählt; Health shop sei ein Reformhaus, sagt http://www.leo.org. Diese Geraldine Finnegan ist, was ihre Trainingsmethoden angeht, sicher bestens aufgehoben bei Experten und ausgefuchsten Trainern; sie weiß sicher auch vieles um das Meldewesen zu internationalen Meisterschaften, bei denen sie per Unterschrift bestätigt, dass sie auf dem Gebiet der Fairness, sprich auch Antidoping, bestens unterrichtet ist. In jedem Ausschreibungsheft zu einer internationalen Meisterschaft wird auch sie darüber informiert, dass per TUE Antrag Sondergenehmigungen möglich sind.
Von all dem will Geraldine nichts gewusst zu haben; nun klagt sie an, dass sie Opfer von Fehlinformationen und Missverständnissen ist. Aber ernsthaft: Würden Sie den Verkäufer in einem Reformhaus, pardon: health shop fragen,  ob  verbotene Doping-Substanzen in dem Medikament sind, das sie gerade gegen gesundheitliche Beschwerden kaufen? Was, meinen Sie, steht auf dem Beipackzettel, wenn in einem Medikament Ephedrin drin ist? Traubenzucker vielleicht? Die Irin hat offenbar auf die Öffnung der B-Probe verzichtet. Sie weiß, warum.

(Foto: © Kakadu, creative commons)

Qualität

9. März 2010

Österreich: Die Dopingsperre von Langstreckenläuferin Susanne Pumper ist abgelaufen. Die 39-Jährige, die 2008 mit EPO erwischt wurde, darf damit wieder an Wettkämpfen teilnehmen. „Im Frühling ist diesbezüglich nichts geplant, aber ich bin immer weitergelaufen und habe mir meine Grundlagen erhalten“, so die Wienerin zur APA. „Sicherlich werde ich irgendwann wieder einen Marathon laufen, die Frage ist nur in welcher Qualität„, erklärt die Leiterin eines Sport- und Beautyzentrums.

gefunden bei relevant.at
Ich lass das mal so unkommentiert stehen

Dokument

5. März 2010

Dies ist sicherlich kein Foto, dass den DLV-Wettbewerb zur Seniorenleichtathletik gewinnen wird. Aber es ist -von US-Journalist Ken Stone aufgenommen- ein Zeitdokument:

Direkt nach dem 200m Finale am 3. August  2009  in Lahti wird Sieger Val Barnwell (USA) gerade offiziell darüber informiert, dass er für den Dopingtest ausgewählt ist.  Der WMA-Antidopingbeauftragte hält das Protokoll in seiner rechten Hand und schaut auf die Uhr, um die exakte Zeit in das Protokoll einzutragen.
Für mich sieht Val Barnwell nicht wie jemand aus, der gerade Gold gewonnen hat sondern wie jemand, der genau weiß, dass alles zu Ende ist. Der Dopingtest fiel positiv auf Testosteron aus.  (Photo © Ken Stone)

KO

6. November 2009

KNOCK_OUTDer finnische Kugelstoßer Pekka Ilmari Viippo (M45) hat gedopt. Bei der WM wurde bei dem frisch gebackenen Vizeweltmeister eine Dopingkontrolle durchgeführt. Sie erfolgte offenbar gezielt, nach dem der Mann binnen eines Jahres seine Bestleistung um mehr 1 m gesteigert hatte. Die Dopinguntersuchung überführte ihn. Jetzt ist er für mindestens zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen.
Mit Knock-out-Erlebnissen bei internationalen Sportereignissen hat Pekka Viippo so seine Erfahrungen. Von 1985 bis 1990 wurde er nämlich jeweils finnischer Meister im Superschwergewicht und durfte deshalb im Mai 1989 bei der Box-Europameisterschaft in Athen an den Start. Dort schlug ihn der Russe Alexandr Miroshnichenko in der ersten EM-Runde – ko.

(Foto © Rike, pixelio.de)

Richtiger Schritt

8. April 2009

Zur Erklärung der fünf DLV-Trainer veröffentlicht die Frankfurter Runschau diesen Kommentar. Wir schließen uns den Aussagen an.

Richtiger Schritt

VON REINHARD SOGL
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Zwanzig Jahre nach Ende des Kalten Krieges und des Nebengefechtsfelds Sport mit seiner speziellen Aufrüstung wird eine der letzten Spätfolgen aufgearbeitet. Fünf Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) mit einer Vergangenheit als Mitarbeiter im dopinggestützten DDR-Sport waren die ersten, die die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gebaute Brücke nutzten. Viele weitere Trainer aus anderen Sportarten werden die Erklärung ebenfalls noch abgeben, in der sie sich zu ihrer Doping-Mitschuld bekennen und ihre Taten bedauern, ohne gleich um den Arbeitsplatz fürchten zu müssen. Und das ist auch gut so.

Die Zeit der Heuchelei hat damit hoffentlich ein Ende. Dass der DOSB respektive die Verbände Trainer mit DDR-Vergangenheit wider besseres Wissen zu Ehrenerklärungen nötigten, nie etwas mit den von Manfred Ewald verordneten unterstützenden Mittel-Methoden zu tun gehabt zu haben, wenn sie nicht ihren Status als Bundestrainer oder die Aufnahme in das Olympiateam aufs Spiel setzen wollten, war der Gipfel der Bigotterie. Insofern ist die von Sportpolitikern nun gefundene Lösung, die freilich auch erst auf Initiative von Leichtathletiktrainern und -sportlern entwickelt wurde, vielleicht auch so etwas wie die Reaktion auf ein schlechtes Gewissen. Wichtig aber bleibt, dass die Trainer-Erklärungen keine Persilscheine sind, sondern jeder Einzelfall von der Steiner-Kommission noch bewertet wird. Aber nach zwei Dekaden, in denen sich die geständigen Trainer hoffentlich nichts Weiteres zu Schulden kommen ließen, muss es auch im Sport so etwas wie Verjährung geben.

Freilich gibt es auch im Sport zwei Seiten einer Medaille. Da sind nämlich zum einen die Trainer, die mehr oder weniger Schuld auf sich geladen haben und – mit Ausnahme des nach wie vor um seine Wiederanstellung klagenden Wurftrainers Werner Goldmann – ihren Beruf weiterhin ausüben dürfen, und zum anderen die DDR-Dopingopfer. Dass sie die von ihnen als „politische Perversion“ (Ines Geipel) bezeichnete Amnestie für geständige Trainer geißeln, ist verständlich. Ist ihr Leben schlimmstenfalls doch zerstört, derweil gewisse Trainer für ihr Fehlverhalten nicht büßen mussten – im Gegensatz zu Kollegen, die sich Befehlen widersetzten.

Gleich

7. März 2009

Alle Athleten sind gleich, nur Fußballer sind gleicher. Der DFB hat jetzt das Doping-Verfahren gegen die beiden Hoffenheimer Fußballspieler eingestellt. Dem Verein und dem dortigen Dopingbeauftragten drohen hingegen Strafen bis zu € 150.000,– und die Aberkennung von Punkten; meine Frage: Wer ist denn für die Kontrolle zuständig? Die Athleten selbst oder der Verein, der Manager oder der Trainer?
Wieder einmal zeigt sich, wie einfach es sich der Fußball macht. Im Höchstfall packt man den Verein und bestraft per Punkteabzug. So einfach ist das. Und € 150.000,– werden aus der Portokasse bezahlt.
Hätte ein Leichtathlet das gemacht, stände er wochenlang am Pranger und könnte seine Karriere beenden.
Wie gesagt: Alle Athleten sind gleich, nur die Fußballer sind gleicher.

Scheibe

29. Oktober 2008

Hat er? Hat er! Jos Hermens, umstrittener niederländischer Sportagenturbesitzer, ist von der FAZ interviewt worden und hat gesagt:

«Ich habe zu Thomas (Springstein) immer gesagt: Vergiss die DDR, vergiss Doping; die Zeiten sind vorbei.»

Vergiss Doping, die Zeiten sind vorbei. Hat er gesagt. 

Übrigens, da fällt mir ein, wir sollten alle miteinander auch diese, etwas ältere These noch einmal prüfen. Mijnheer Hermens, Sie haben das Wort!


Prominent

31. August 2008

Wir haben in einem Vorbericht über die European Masters Games in Malmö diesen Satz geschrieben:

Zu den prominenten deutschen Startern in Malmö zählen bislang Annette Weiss, Simone Noack, Sigrid Böse und Ann-Kathrin Eriksen, David Alexander, Jan Voigt und Wolfgang Reuter

Die vielfache Kritik an dieser Formulierung hat uns voll getroffen. Jan Voigt ist bekanntlich nach einem Dopingverstoß aufgefallen und war zwei Jahre gesperrt. Inzwischen ist er wieder startberechtigt. Hier eine typische E-Mail, die wir erhalten haben:

Ihr nennt nennt einen Dopingsünder in einem Atemzug mit einem Wolfgang Reuter und habt die Vaterstettener Erklärung auf der Homepage; wenn man es mit antidoping ernst meint, dann gebt diesen Betrügern wie Liedtke und Konsorten keine Plattform und bezeichnet sie auch noch als prominete Starter. Ich habe mir jedenfalls geschworen, sollte ich mal auf z. B. auf den Ahrensburger Muschinski treffen – kurz vor  Voigt beim Dopen erwischt – er wird keine Hand bekommen, egal ob er vor oder hinter mir ist und ich werde mich nicht ablichten lassen oder mit ihm auf ein Podest gehen. So muß man m. E.mit diesen Leuten ummgehen.
Unsere Antwort:
Wir haben über die Frage diskutiert, ob wir Jan Voigt in die Aufzählung aufnehmen, gerade weil wir natürlich genau um sein Dopingvergehen wussten und wissen, und dass er zwei Jahre gesperrt war. Wir haben uns dann ganz bewusst dafür entschieden und ihn nicht als leistungsstark sondern „prominent“ deklariert. Das ist er sicherlich, wenn auch in negativer Hinsicht.
Damit haben wir die Kritiker nicht überzeugt, und man kann sicherlich auch diskutieren, ob der Begriff „prominent“ richtig gewählt war. Aber ist es wirklich richtig, einen Dopingbetrüger dauerhaft und „auf ewig“ so zu brandmarken? Auch wenn seine Sperre abgelaufen ist? Soll er keine zweite Chance bekommen?

Zitat

25. August 2008

„Natürlich will man Sportler, die solche Erfolge bringen wie Phelps und Bolt, im Team haben“, sagte Michael Vesper und der Generaldirektor des DOSB ergänzt:  „Die Unterstellung, jeder, der schneller ist als ich, muss gedopt sein, finde ich falsch. Bis zum Beweis des Gegenteils kann man skeptisch sein, aber man darf niemanden verurteilen aufgrund eines Generalverdachts.“

1.) Ich will keine solchen Sportler.
2.) Die Unterstellung, jeder, der schneller ist als ich, muss gedopt sein, hat niemand gemacht.
3.) Wer so läuft wie Bolt und so schwimmt wie Phelps, muss nachweisen, dass er nicht gedopt ist. Dies folgt aus der Erfahrung der letzten Jahrzehnte mit derlei Superathleten. Wie oft sind beide überprüft worden? Was wurde worauf durch wen untersucht?
4.) Wer will Dampfplauderer an der Spitze des DOSB?

Kreolisch

17. August 2008

Gestern habe ich das 100m Finale der Männer in Peking gesehen mit dem „Ich-hör-schon-mal-bei-80m-auf-Sieger!“ und heute das der Frauen mit der „Schneeketten„-Siegerin. Danach habe ich mich auf wikipedia über Jamaika informiert und dort gelesen:

Neben der Amtssprache Englisch wird Jamaika-Kreolisch (auch Patois genannt) gesprochen, eine Kreolsprache mit englischen Wurzeln, die in Europa vor allem durch Hip-Hop und Reggae bekannt wurde. Viele Einwohner beherrschen beide Sprachen und vermischen sie zu regionalen Dialekten.

Bei leo.org, dem legendären online-Wörterbuch, fand ich anschließend keine Antwort auf die Frage, die mich jetzt zwei Tage  beschäftigt. Offenbar gibt es den Begriff, den ich suche, nicht in der englischen Amtssprache, aber doch bestimmt in Patois !

Also, was heißt bitte „Apotheken-Umschau“ auf kreolisch?