Posts Tagged ‘Kamloops’

Beipackzettel

23. Mai 2010

Wie sich die Geschichten doch alle gleichen: ‚mein Arzt hat mir das Medikament doch verschrieben‘, ‚man hat mir was in das Getränk gemischt‘, ‚ich kann diese Medizin doch in jeder Drogerie kaufen‘. Die Reihe ist beliebig fortzusetzen mit weiter grotesken Entschuldigungen.
In diese Reihe mischt sich nun die mehrfache Welt- und Europameisterin aus Irland, Geraldine Finnegan. Sie hat ein Mittel wie jeder Normalbürger (einschl. Kinder) in einem Health shop  erstanden, hat es genommen, da es ihr ja half und ist nun bass erstaunt, dass es zur Gruppe der verbotenen Substanzen zählt; Health shop sei ein Reformhaus, sagt http://www.leo.org. Diese Geraldine Finnegan ist, was ihre Trainingsmethoden angeht, sicher bestens aufgehoben bei Experten und ausgefuchsten Trainern; sie weiß sicher auch vieles um das Meldewesen zu internationalen Meisterschaften, bei denen sie per Unterschrift bestätigt, dass sie auf dem Gebiet der Fairness, sprich auch Antidoping, bestens unterrichtet ist. In jedem Ausschreibungsheft zu einer internationalen Meisterschaft wird auch sie darüber informiert, dass per TUE Antrag Sondergenehmigungen möglich sind.
Von all dem will Geraldine nichts gewusst zu haben; nun klagt sie an, dass sie Opfer von Fehlinformationen und Missverständnissen ist. Aber ernsthaft: Würden Sie den Verkäufer in einem Reformhaus, pardon: health shop fragen,  ob  verbotene Doping-Substanzen in dem Medikament sind, das sie gerade gegen gesundheitliche Beschwerden kaufen? Was, meinen Sie, steht auf dem Beipackzettel, wenn in einem Medikament Ephedrin drin ist? Traubenzucker vielleicht? Die Irin hat offenbar auf die Öffnung der B-Probe verzichtet. Sie weiß, warum.

(Foto: © Kakadu, creative commons)

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Fertig

9. März 2010

Fertig!

Nicht nur dieser kanadische „Volunteer“ war platt; vielen der über 1000 Ehrenamtlern erging es bei den 4. Hallen-Weltmeisterschaften der Senioren in Kamloops so. Sie waren stehend und liegend K.O.
Während der Jugendliche (siehe Foto) seinen fehlenden Schlaf im Aufenthaltsraum der Kampfrichter und Helfer nachzuholen suchte, sah man häufig Kampfrichter und Helfer abseits der Bahn bei einem kleinen Nickerchen. Aber immer wieder waren sie dann punktgenau fit und einsatzbereit, wenn es so weit war. Alle über 1000 Kampfrichter und Helfer haben in Kamloops eine tolle Arbeit hingelegt!

Großer Respekt und ein dickes Dankeschön!

(Foto: © privat)

Radetzky in Kamloops XII

9. März 2010


Jetzt gehen  die FRIENDLY GAMES von Kamloops zu Ende. Bei den abschließenden Siegerehrungen marschiert schon eine Kapelle ein, die danach richtig Gas gibt. In farbenprächtigen Kostümen, die bei jeder Karnevalsveranstaltung prämiert worden wären, spielen sie für die Brasilianer Mambo Nummer 5, für die Amis Oh when the Saints, Alles, was noch auf der Tribüne ist, tanzt, manche Mehrfachmedallisten klappern mit ihrem Edelmetall im Rhythmus. Alles in Gelb auf der Tribüne: Brasilianer und -innen sind da, die Aussies in ihrem Gelb und außerdem ganz viele der über 1000 Volunteers in ihren gelben T-Shirts, die diese WM so entscheidend geprägt haben.

Zwischendurch erklärt irgendein Offizieller „These World Championships finished“. Aber so richtig interessiert das auf der Tribüne niemanden. Die WMA-WM-Flagge wird den Abgesandten aus Jyväskylä übergeben, dann gibt es den Radetzky-Marsch für die Germans, Austrians & Co, und der Tanz geht weiter. Beste Stimmung und ein Gute Besserung an Judy, Danke tausendmal an tausend Volunteers.

Jetzt geht es noch zu unserer privaten Abschlussfeier im Lokal mit der besten Ausischt auf die Lichter im Tal von Kamloops.
Die Stimmung ist bestens, vom Nachbartisch kommt Martin Vogel rüber und sagt, wir haben 15 Medaillen; Kunststück mit Horst Albrecht, dem Metallgaranten in der M 85 und mit Clemens Wittig.  Wir zählen nach und kommen bei uns auf 18, sind aber auch zwei Leute mehr.

Eigentlich müssten die Kanadier eines der kinderreichsten Völker sein, weil sie immer so früh zuhause sind. Auch in unserem Lokal ist wie überall hierzulande schon 21.00 Feierabend. Also gehen wir alle noch ins Hotel und feiern mit unseren DLV-Offiziellen, die immer von früh bis spät im Einsatz waren und endlich Feierabend haben – bis auf Charly Flucke, der noch vor dem Computer am Schlussbericht für die DLV-Homepage sitzt. In der Bar geht’s noch bis sündhafte 23:30.

Morgen fahren wir für ein paar Tage in die Rockies und danach nach Vancouver und Düsseldorf. In Ungarn schwingt Robby Koop wieder den Griffel, und ich werde laufen – besser als umgekehrt,  und wie sagte Klaus Wowereit damals so zutreffend “ Und das ist auch gut so!“

Euer Winfried Heckner

Finale in Kamloops XI

9. März 2010

Was steht vor dem Hotel, als wir zum Frühstück gehen? Der Bus der Vancouver Giants, die gestern die 6:1 Klatsche im Eishockey gekriegt haben. Ohne die martialische Ausrüstung sehen manche der Spieler wie Hänflinge aus.

Am Schluss stehen 400m und dann die Staffeln an. Zunächst ist Staffelkamerad Thomas Partzsch im 400m-Finale nach vorn zu brüllen. Also rauf auf den Aufwärmplatz und ihm den letzten Motivationsschub verpassen: „Hol sie dir, Rache für die 800“ , wo Thomas nicht starten konnte, weil er zu spät im call-Room war… Tja, wie sagte schon weiland Gorbi: „Wer zu spät kommt,… “ Unseren Staffel-Schlussläufer nennen wir immer liebevoll Kampfschwein. Heute macht er seinem Namen alle Ehre und wird Hallenweltmeister. 🙂

Kurz vor Thomas‘  Finale gibt es noch einen schlimmen Zwischenfall. Judy Armstrong, eine der beiden Cheforganisatoren und meist Mrs. Überall genannt, schaut beim Gewichtwurf nach dem Rechten und wird von einem verunglückten Wurf an der Seite getroffen. Es werfen gerade große, kräftige Männer, also sind es mehr als 10 Kilo, die da angeflogen kommen. Sie ist bei Bewusstsein und wird im Rollstuhl abtransportiert. Später erfahren wir, dass nichts gebrochen ist, „nur“ starke Prellungen, die sie noch lange an die WM erinnern werden.

Für die Staffel ist unser Motto „Haut die Amis weg“, doch am Ende sind sie stärker. Das müssen wir anerkennen. Da sieben  Staffeln gemeldet haben, gibt es zwei Zeitendläufe. Wir sind im ersten. Deshalb heißt es anschließend zittern, bis die anderen im zweiten Lauf im Ziel sind. Bei uns sprang die Uhr von1:57 auf 1:58 – mit so Kleinigkeiten wie Hunderstel beschäftigt man sich in einem so großen Land wie Kanada nicht – Die Australier und die Kanadier liegen gleichauf bei ca. 1:31, als der Schlussläufer den Stab bekommt. Wir sehen, das wird eng. Peter Crombie, der Schlussläufer der Aussis und Weltmeister in der M 65 läuft normalerweise  mindestens eine kleine 26. Aber hier ist Kamloops und eine Bahn ohne Kurvenerhöhung, er kommt rein, als die Uhr gerade auf 1:58 gesprungen ist. Ich springe hoch, denn das heißt Silber. Apropos fehlende Kurvenerhöhung: Später sehen wir noch, wie Athleten Brust an Brust auf Bahn1 in die Zielkurve gehen und auf Bahn 3 und 4 wieder aus der Kurve kommen.
Unsere Staffeln -aufgefüllt mit Marathonis und Eisenwerfern- schlagen sich ausnahmslos hervorragend. Angelika Holder beispielsweise ist eigentlich zuständig dafür, Eisen möglichst weit weg zu befördern. Doch sie geht die 200 an, dass man sicher ist, gleich zieht jemand den Stecker raus, aber sie hält durch. Im T-Shirt!

Am Ende hat unser kleines Aufgebot in den Staffeln zwei Mal Gold, vier mal Silber und einmal Bronze gewonnen. 🙂

Winfried Heckner

6:1 in Kamloops X

7. März 2010

Heute ist Freitagabend und es ist Eishockey angesagt. Eishockey ist Volkssport in Kanada. Es gibt 28.000 Schiedsrichter. Zum Vergleich: in Deutschland gibt es knapp 28,000 Spieler.

Heute spielt die U 20 der Kamloops Blazers gegen Vancouver Giants; die Halle ist mit 3500 Zuschauern fast voll; sie hat 4.300 Plätze. Wir haben noch keine Karten und als wir suchenden Blickes auf den Ticketschalter zugehen, spricht uns ein Kanadier an. Es gibt eine kurze Unterhaltung, über   Germany,  Championships usw. und dann fragt er uns, ob wir Tickets wollen. Ich greife nach meiner Geldbörse und frage nach dem Preis: „No money. Ich kann heute nicht, ich schenke sie Euch.“ Es sind wirklich die FRIENDLY GAMES

Das Spiel ist ein Erlebnis, wenn auch nicht sonderlich FRIENDLY. Bekanntlich ist das Spielfeld in Kanada kleiner, deshalb ist das Spiel schneller und es ist etwas anders als bei uns. Das Ganze mit dem Puck ist diesmal Beiwerk, um sich richtig prügeln zu koennen, scheint’s mir. Schon nach 9 Minuten sind sechs Spieler nach einer Massenkeilerei nicht nur für 2 Minuten gesperrt. Die Schiedsrichter stehen daneben und man hat den Eindruck, sie vergeben A und B-Noten fuer den besten Haken. Es dauert dann alleine ein paar Minuten, bis Handschuhe, Schlaeger und Helme, die zwecks effekticeren Körperkontaktes zeitnah abgelegt wurden, wieder eingesammelt sind. Die Presse schreibt später:

There was a lot of leather in faces in this one. In fact, the first two periods were chippy and physical and included a multi-fight situation at 11:53 of the first period.

Kamloops gewinnt am Ende 6: 1. Wen es interessiert, hier mehr…

Winfried Heckner

Landjäger in Kamloops IX

7. März 2010

Und wieder mal die freundlichen Meisterschaften:

Unsere Dolmetscherin Helga Gemsa (Foto), vor 40 Jahren aus dem deutschen Elmshorn nach Kanada ausgewandert, betreibt hier mit ihrem Mann einen Schlachterladen. Für  die Zeit der WM hat sie sich frei genommen – unentgeltlich. Die Volunteers bekommen am Sonntag einen Brunch als Dankeschoen. Clemens Wittig, unser Metallsammler im längeren läuferischen Bereich, hat  ihr  als kleines Danke von den Jungs und Mädels aus Deutschland übergeben: Ein Poster mit einem Foto, auf dem er und ein anderer Athlet unserem guten Geist medaillenbeglückt ein Küsschen geben.

Dass Helga Gemsa, die auch Präsidentin der „Kamloops Friends of the German Language“ ist,  uns mit leckeren Landjägern beglückt, muss natürlich erwähnt werden. Denn Wurst zum Frühstück gibt es nicht, dafür reichlich Eier für den neuen Rekord in der persönlichen  Cholesterinwertung.

Winfried Heckner

(Foto: © Bernd Boscolo, pixelio.de)

Verfügbar in Kamloops VIII

7. März 2010

Heute Freitag ist Wettkampftag, also kriegt man wieder nichts mit von allem anderen.

Nach dem Frühstück noch mal hinlegen, dann zur Halle und direkt auf den Aufwärmplatz. Wieder ist es sonnig und annehmbar: die Kanadier erkennt man leicht, sie haben meist kurze Hosen an – klar doch, die Sonne scheint und es ist über 0 Grad.  Man mag sich gar nicht ausmalen, was gewesen wäre mit den Temperaturen des März 2009 mit bis zu 30 Grad minus. Da wäre es mit Warmlaufen draußen schwierig gewesen.

Hürdenlaufen im gesetzten Alter ist nach meiner Meinung grenzwertig; wenn Koordination und Kraft nicht mehr so richtig mitmachen, sieht es eigentlich nicht so richtig nach Leichtathletik aus. Ein Spanier strauchelt auf dem Aufwärmplatz regelmässig an der dritten Huerde und legt sich lang: Er bekommt den  Sonderpreis für Unverzagtheit.

Diesmal sind wir im Zeitplan. Ich schau mich um: Außer dem Franzosen und meinem Staffelkameraden Thoams Partzsch kenne ich keinen der Konkurrenten. Diesmal werde ich einen guten Start hinlegen. ich gebe mir selbst das große Indianerehrenwort.

Als Wettkämpfer sieht man ja nur die ältere Männerklasse vor einem, bei der weiblichen gleichaltrigen Klasse hockt man schon auf dem Stuhl dahinter  und wartet nur noch darauf, den Startblock einstellen zu können. Diesmal ist nicht der langsame Starter am Werk, der einen so fürchterlich lange sitzen lässt. Ich gehe ab wie Schmitzens Katze – wow, ich bin vorne, an der 3. Huerde kommt der Amerikaner neben mir auf. Er hat die bessere Technik, an der 4. ist er gleichauf und an der 5. wird er etwas vorn sein. Entscheidung von Kommandozentrale ist gefragt, als der bessere Sprinter im Zieleinlauf nochmal richtig Druck oder besser nicht. Ich lasse es, locker bleiben und nicht verletzen, wir sind hierhin gekommen, um eine gute Staffel zu laufen.

Unverletzt in 10, 13 Silber! Ich bin mehr als höchstzufrieden (Foto).

Zum Glück sind die beiden anderen, der schnelle Amerikaner Frederick Johnston und der langsamere Amerikaner Robert Baker, schnell verfügbar. Wir können also zur Siegerehrung,  uns da als vollständig melden und werden dann eingereiht – ansonsten ist die Zeremonie erst drei Stunden nach dem Wettkampf. Siegerehrung am Fließband wie meist. Es kursieren Gerüchte, in Lahti sei ein Amerikaner positiv getestet und gesperrt worden, andere meinen es gebe noch mehr Fälle. Wie auch immer, es wird unserem Sport nicht gut tun.

Winfried Heckner

(Foto: © masters-sport.de)

Verschwunden in Kamloops VII

5. März 2010

Heute stehen die Vorläufe über die Hürden an und für Udo Lippoldes der Weitsprung. Zunächst die Callroomzeiten checken, dafür steht eine große Tafel in der Eingangshalle. Gestern gab es welche, die es nicht gemacht haben und dann – einige Disziplinen waren eine Stunde vorverlegt – vom Aufwärmplatz in den Callroom kamen, als der Wettbewerb schon vorbei war. Das wird mir nicht passieren, denn bei den Hürden findet gleich der Endlauf statt, da nicht mehr als 8 Teilnehmer ihre Startkarte abgegeben haben.

Also krieg ich a bisserl was mit, was so nebenher passiert ist. Einen Sonderpreis müsste eigentlich Lüneburgs Carola Petersen ( W 50 ) bekommen für die eigentlich ballistisch unmögliche Leistung, einen Diskus über den grossen Käfig und den Zaun zu schmeißen direkt in einen kleinen See. Ob sie einen Fisch getroffen hat, werden wir nie erfahren.

Erste Staffelgespräche finden statt: bei den geringen Teilnehmerzahlen wird es nicht so einfach, vier für die 200 m zusammen  zu kriegen; aber das Problem haben alle – mit Ausnahme der Kanadier. So muss ein Halbmarathoni anschließend in der M 70 die 200 m laufen. Dann ist er wenigstens gut warm.

Um 14 00 beginnt der Weitsprung. Mit dem Presseausweis darf ich in den Innenraum,  setze mich ans Ende Weitsprunggrube und versuche, ein paar Bilder von Udo und unserem Bezwinger im 60m-Lauf Vlady Vybostok aus der Slowakei zu schießen.

Als Udo im zweiten Versuch 4,62 m springt -zwischenzeitlich Silber – entfleucht mir ein „Nicht schlecht, Herr Specht“ und das hat Folgen: Eine Kampfrichterin kommt auf mich zu und sagt mir, dass ich nicht zu den Athleten sprechen darf, geht dann zu einer anderen, der Oberkampfrichterin mit roter Binde um den Arm, die mir eine Verwarnung erteilt, d. h. wenn ich noch mal auf auf lettisch zu einem Chinesen sage, muss ich den Innenraum verlassen. Ein Lette, ein Kanadier sind vorn und Vlady springt mit 4,70 m Udo auf den 4. Platz. Das hat ebenfalls Folgen, denn der 3. dieses Wettbewerbs muss Pippi… Es werden nämlich die Wettbewerbe für die Dopingprobe ausgelost und dann wird gewürfelt, wer zur Dopingprobe muss. Beim M50-Weitsprung ist eine 3 gewuerfelt worden.

Das wäre ja kein Problem, aber Vlady muss um 17 00 seinen Greyhoundbus kriegen, um seinen Flieger nicht zu verpassen. Ich habe ihm zugesagt, ihn und seinen kleinen kanadisch-tschechischen Dolmetscher Marc zu fahren. Selbst in Schuld, wäre er 4, 61 gesprungen, wäre Udo dran und der hat Zeit. Problem ist aber jetzt. Vlady bekommt seine Rechte vorgelesen und er hat das Recht auf einen Dolmetscher. Ich renne raus und suche den kleinen Marc, finde ihn endlich. Die Belehrung erfolgt noch auf dem Platz und dann ziehen sie ab in die Katakomben zum Probenehmen, inzwischen ist es 14:45.

Und Vlady kommt und kommt nicht. Wo ist Behle?  kennt jeder seit Bruno Moravetz legendärer Reportage. Doch  wir fragen abgewandelt: Wo ist Vlady? Die Zeit schreitet fort und ich hole schon mal das Auto. In der Halle ist wenig los, es gibt keine Laufwettbewerbe an diesem Nachmittag. Wer schon mal dopinggeprobt hat, weiß: Manchmal gelingen die einfachsten Dinge des Lebens nicht ( insbesondere im Sommer ) 😉

Die freundlichen kanadischen Hilfskräfte klären für mich, ob Vlady  sich noch in den Karakomben befindet, schließlich muss er auch noch seine Koffer holen, aber bis 17 00 taucht er nicht mehr auf. Die Auflösung werde ich wohl erst bei der EM in Ungarn erhalten, wenn uns einer dolmetscht, denn Vlady spricht so gut englisch wie ich slowakisch.

(Foto: Diskusfisch; © Ulla Trampert, pixelio.de)

Skandal

5. März 2010

Was über Val Barnwell, gedopter US-M50-Sprinter aus Brooklyn, bekannt geworden ist, ist ein richtig großer und fetter Skandal – keine Frage. Aber lasst uns  über einen anderen Mann schreiben:

Der Sieger M 35 im Stabhochsprung hat als einziger (!) Teilnehmer des Wettbewerbs mit 1,60 m eine Goldmedaille gewonnen. Das ist ebenfalls ein  Skandal. Ein Hallenweltmeister mit 1,60 m. Im Stabhochsprung, nicht im Hochsprung. Eine bodenlose Frechheit gegenüber der Mastersbewegung ist diese Goldmedaille.

Ach, was ich nicht gesagt habe: der Goldmedaillengewinner kommt aus Deutschland. Er heißt Gunther Marcus und ich kenne ihn nicht. In der DLV-Teilnehmerliste ist er nicht verzeichnet. Vielleicht weil man auf ihn nicht stolz sein kann?

Angelikas WM-Stichworte

4. März 2010
Aus Kamloops (Foto) berichtet von der 4. Senioren-Hallenweltmeisterschaften für uns auch Angelika Holder. Hier Angelikas WM-Stichworte:

Verpflegung in der Halle<<
Gut organisiert die Hallenverpflegung der unzaehligen Helfer, auch fuer die „Offiziellen“, da gibts nix zu meckern. Wer als Athlet ebenfalls fast den ganzen Tag in der Halle aktiv ist, kann das fuer sich selbst nicht so ganz sagen. Die im Eingangsbereich zwischen Sporthalle und tollem Hallenbad, fuer WM-Teilnehmer uebrigens kostenfrei, befindliche nicht uebertrieben grosse, cafeteria ist, auf alle Faelle am fruehen Morgen und zu den Stosszeiten, mit den nur 2 Angestellten etwas spaerlich besetzt. So kommt es immer wieder zu Wartezeiten, auch ist das Angebot etwas duerftig. Da hilft es auch nicht, dass man im Athlete’s village oder in den vielen umliegenden, wohlbekannten Schnellrestaurants fuendig wird – fuer Teilnehmer ist der Nahrungsbeschaffungsweg etwas zu weit. Was bei uns jeder ausrichtende Verein anstrebt um die klammen Finanzen aufzubessern, die Stadt Kamloops vergibt hier die Chance, dasselbe zu tun………schade fuer uns Athleten.
Urkunden<<
Auch wenn es bei der Olympiade ebenfalls nur Medaillen fuer die drei Ersten und keine Urkunden fuer die Plaetze 4 – 8 gibt, in Kamloops haetten wir das schon erwartet……..ein wenig unseres Meldegeldes hierfuer abzuzweigen waere jedenfalls schoen gewesen.
Award-Ceremonies<<
Zugegeben, zur Siegerehrung sind es ein paar Schritte mehr, denn dazu muss man ins Athletes Village, etwa 600m von der Sporthalle entfernt gelegen. Der gut ausgeschilderte Weg ist kurzweilig, zwischen Stadion und Werferplatz verlaufend, anderen schnell noch bei Wettkampf oder Training zugeschaut werden kann. Die Siegerehrungs-Zeremonie in der lichtdurchfluteten Aula wird, einer WM absolut gerecht, in feierlichem Rahmen abgehalten.
WIR sind…………..WER<<
Der eigene Start rueckt naeher, also ab ins TIC zur Startkartenabgabe. Von Downtown aus fahren mehrere Buslinien zum schoen gelegenen Unigelaende hoch, sodass wir in null komma nix am TIC sind und sofort „stuerzt“ sich eine der zahlreichen Helferinnen auf uns und bietet ihre Hilfe an. Mit Helga, vor ueber 40 Jahren aus dem Hamburger Raum hierher ausgewandert, verstehen wir uns blendend, wie uebrigens auch mit allen anderen Helfern hier. Auf der Rueckfahrt zum Hotel sehen wir an vielen Geschaeften Leuchtreklame mit „World Masters welcome“.
Beim nachmittaeglichen Stadtbummel dann eine Schaufensterfront “ Proud to be sponsor of the World Masters Championships“.
Ja, wir sind wer………auch Downtown.
Empfang<<
Der Empfang am Flughafen, locker und unkompliziert, dabei hatte ich schon etwas Bammel, wie wir Fuenf (es gehoeren noch Elisabeth und Ursula zu unserer Minigruppe) ohne Voranmeldung in unser Hotel kommen werden – no problem at all. So gut organisiert habe ich noch keine Anreise erlebt.
Die Kanadier haben in der Ankunftshalle gut sichtbar einen Stand platziert. Sie gehen zusaetzlich auf die Anreisenden zu und fragen, ob man, in dem Falle Frau, zu den Championships komme, and yes, please refer to the desk, „wir bringen sie zum TCC/TIC zum Abholen der Startunterlagen, danach zum gebuchten Hotel“.
Mein Fahrer Bill<<
Da ich nicht mehr ins Fahrzeug meiner Minigruppe passe, die Shuttle-Fahrzeuge 4 – 8 Sitzer und u.a. von oertlichen PKW-Haendlern zur Verfuegung gestellt, darf ich ins „Offiziellen“ Fahrzeug einsteigen. Nachdem die Kampfrichter an ihrem Hotel angekommen sind, faehrt mich Bill in Sonderfahrt weiter zum TCC.
Auf dem Weg dorthin, neugierig wie Frauen halt sind, interviewe ich Bill. Oh yes, er ist begeisterter Volunteer und war schon bei vielen Veranstaltungen im Einsatz. Warum? Der Kontakt zu Menschen „from all over the world“, das macht Bill viel Freude. Bill setzt mich an der Halle ab…….aeh, mein Chauffeur feiert im Oktober uebrigens seinen 80. Geburtstag – hmh, ich hatte ihn fuer gut 15 Jahre juenger gehalten.
Flotte, nette Startnummernausgabe<<
Ohne Warteschlange komme ich schnell zu meinen Unterlagen. Der Helfer erzaehlt mir freudestrahlend, dass er schon im Schwarzwald und in unserer Landeshauptstadt Stuttgart war. Nach Erhalt meiner Papiere, die Ueberraschung: Wie jeder Teilnehmer bekomme ich eine praktische gruene Stofftasche <Green care – recycle earth> klar, mit Infos ueber die Stadt, einigen Rabattangeboten UND einer formschoenen Edelstahl-WM-Trinkflasche, sunprotection und 3 Pins, einer davon ist eine Limited Edition der Olympiastadt Whistler. Aber hallo, die Kanadier haben sich ins Zeug gelegt, keine Frage.
Neben der Startnummernausgabe die „Internet Stations“ -> 8 PCs zur freien Verfuegung.
Die Halle<<
Die Wettkampfhalle ist 2 Tage vor Beginn der WM noch durch Universitaets-Sportaktivitaeten belegt, aber da, wo moeglich, wird bereits intensiv am Umbau der Anlagen gearbeitet. Die im Vorfeld wegen nicht ueberhoehter Kurven daheim etwas abgewertete Rundbahn, macht auf uns einen guten Eindruck – ordentliche Zeiten werden hier auf alle Faelle gelaufen.
Ursula<<
An der Sporthalle werden wir vom Verantwortlichen fuer die outdoor-Lauf-und Gehwettbewerbe angesprochen: „Hey ladies, ich fahre zur Halbmarathon und Gehstrecke raus, um dort Wasserspender aufzustellen. Moechtet Ihr Euch die Strecke anschauen?“ Na, das ist doch ein Angebot, jedenfalls fuer Ursula und sie faehrt begeistert mit. Sie bekam ihre „Streckenfuehrung“, erhielt alle Infos aus erster Hand und wurde anschliessend zum Hotel gebracht – „yes, that’s our Canadian Spirit“.
Vor der Eroeffnungsfeier<<
Bis zum Mittag hellte sich der Himmel auf und wir konnten bei strahlendem Sonnenschein im Stadion neben der Halle trainieren. Bald geht’s zur Mannschaftsbesprechung des DLV, anschliessend zur Eroeffnungsfeier. Aufgrund unserer bisherigen guten Erfahrungen am Veranstaltungsort freuen wir uns schon drauf..

Angelika Holder