Posts Tagged ‘Michael Böhnke’

Preußen

15. Dezember 2010

„Ich wollte, es wäre Nacht und die Preußen kämen“, soll der Herzog von Wellington vor der Schlacht bei Waterloo gesagt haben. Es wurde Nacht und auch die Preußen kamen und Napoleon erlebte sein ‚Waterloo’.

An diesen Spruch fühlt man sich erinnert, wenn man die News – Ankündigung des Deutschen Leichtathletik Verbandes vom 07. Dezember 2010 „Deutsche Meisterschaften vor Neuausrichtung“ liest. Bei dieser Neuausrichtung sind auch die Senioren ein Teil eines neuen Wettkampfkonzeptes (u.a. Streichung der DAMM und Zusammenlegung der Deutschen Meisterschaft von Senioren I und Senioren II).

Doch derzeit gibt es nur eine nächtliche DLV-Dunkelheit – und sind die helfenden Preußen noch zu erwarten? Die Leichtathletik-Senioren stehen derweil auf dem Schlachtfeld und  harren  bislang paralysiert der Dinge. Ja, sie können Opfer werden einer Überlegung, in die sie gar nicht mit einbezogen wurden. Denn sie, die Senioren, vertreten durch ihre Seniorenwarte in den DLV-Landesverbänden, sind bislang gar nicht befragt worden, als es um eine Neuausrichtung des Meisterschaftsprogramms ging.

Vizepräsident Professor Dr. Michael Böhnke*1) sah während seiner Amtszeit weise vorausschauend die Notwenigkeit einer Neuausrichtung (M.B. nannte es ‚Reform’), während sein gleichfalls promovierter Nachfolger Dr. Matthias Reick*2) noch jüngst keinen generellen Bedarf an einer Überarbeitung des Wettkampfprogramms bemerkte und sich dafür auf einen funktionierenden runden Tisch unter Einbeziehung der DLV-Seniorenwarte und der Installierung des BA Senioren in einem Interview berief. Doch wie soll etwas funktionieren, wenn der Informationsaustausch gar nicht stattfindet und die Basis damit gar nicht zu Worte kommt? Werden etwa die Leichtathletik-Senioren, da in eigenen Funktionsgremien nicht nur bisweilen uneins, gar fremdbestimmt werden?

Eigentlich war die Zeit reif, über Reformen und eine Neuausrichtung nachzudenken und einen Schritt in die Athleten orientierte Zukunft zu tun – ganz aus eigenem Antrieb, mit frischen Ideen und mit eigenen Programmen, ohne auf die Nacht, auf den Willen anderer oder auf die Preußen zu warten.

Ein Kommentar von Ralf Peters

Quellen:
*1) Senioren Leichtathletik, Ausgabe Januar-Februar 2009 (Kommentar S. 7)
*2) Senioren Leichtathletik, Ausgabe März 2010 (Interview S. 13/14)
Wappen: Preußen

und nun?

23. November 2009

Unter meinen laufenden Informationen gibt es an diesem Wochenende einen Bericht über den 45. DLV-Verbandstag in Berlin. Der sollte mit einem kleinen Bild aufgelockert werden, das den scheidenden DLV-Vize Michael Böhnke zeigt, an den ich mich gerade gewöhnt hatte. Also taucht ein urheberrechtliches Problem auf. Der führt zu dem folgenden  Schriftverkehr mit dem verdienstvollen Christian Fuchs, der die Internetseite des DLV so verzüglich betreibt:

1.) Meine E-Mail an Christian Fuchs

Hallo Christian Fuchs,
ich habe auf meine Webseite das Foto von Michael Böhnke aus dem „Drei neue BA-Ausschüsse“-Artikel übernommen. Es enthält keinen ©-Hinweis, und ich hoffe, dass dies ok geht. Sonst bitte ich um eine Nachricht und nehme das Bild unverzüglich von der Seite.

Viele Grüße
Annette Koop
www.masters-sport.de

2.) Antwort von Christian Fuchs:

Hallo Frau Koop,
Es ist nicht so, dass dann, wenn wir keinen Fotohinweis angeben, das Bild automatisch rechtefrei ist. Das Recht am Bild hat zunächst immer der Urheber.
In diesem Fall lässt sich der Urheber/Fotograf nicht mehr zurückverfolgen, deshalb fehlt der Fotohinweis. Dieser könnte sich aber dennoch gegen die Veröffentlichung auf Ihrer Seite aussprechen.
Sie müssen selbst entscheiden, wie Sie damit umgehen. Ich kann Sie nicht von einer möglichen Urheberrechtsverletzung freisprechen. Für leichtathletik.de gilt:
http://www.leichtathletik.de/index.php?SiteID=310
Viele Grüße

Christian Fuchs

3.) Und jetzt?  Wer hat das Foto geschossen? Und will er Tantieme? Das kann ich verstehen, weshalb ich dann das Foto von der Seite nehmen muss. Also: Bitte melden!

ps Wie schön ist es doch, dass Christian Fuchs die Übernahme der redaktionellen leichtathletik.de-Meldungen auf masters-sport.de vor langen Jahren genehmigt hat. Allerdings habe ich diese E-Mail längst in einem geschrotteten Mac entsorgt. Aber unter Leichtathleten („one Family!“) gilt ein Wort eben immer noch. Ein Dankeschön dafür!

Mission

26. Januar 2009

In einem längeren, nicht leicht lesbaren Interview befragt DLV-Vize Michael Böhnke den Schatzmeister des Seniorenleichtathletik Weltverbandes WMA Friedel Schunk (70) zu allerlei Aktuellem in der internationalen Szene. Eine Passage liest sich so:

Leichtathletik.de:
Welche Entwicklungen würden Sie negativ bewerten?
Friedel Schunk:
Sorge bereitet mir die politische Polarisierung auf unserem traditionellen Hauptmarkt. Das wird den Athletenerwartungen nicht gerecht und steht der Mission unseres Verbandes entgegen. Auf diesem Sektor ist sichtbarer und nachvollziehbarer Verbesserungsbedarf angesagt.

Ich hab die Antwort nicht verstanden. Wer hilft mir?

Missgriffe

27. April 2008

Die Männer und Frauen der deutschen Leichtathletik sind bekanntlich zurzeit nicht sonderlich gut. Da bekommt dann dieser Satz eine ganz besondere Aussagekraft:

„Wenn unsere Athleten/innen so gut sind wie die neue Kollektion, dann ist mir vor der Leichtathletik-Zukunft nicht bange“, sagte DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop vor 250 geladenen Gästen im stets beeindruckenden Oberhausener Gasometer. Der Anlass: Die werbewirksame Vorstellung „der neuen DLV-Kollektion“. 

Den Bericht über die „neue Kollektion“ der DLV-Athleten habe ich mit einer Mischung aus Erschrecken und Kopfschütteln gelesen, und im Internetforum des DLV habe ich spontan geschrieben: 

„Wer entwirft so peinliche und vom Schnitt mehr als verunglückte Wettkampfbekleidung und wer segnet sie ab? Gab es wirklich niemandem beim DLV, der diese verunglückte Kollektion abgelehnt oder gar verhindert hat? Und die Nationalfarben in der falschen Reihenfolge – oh jeh!

Die Leipziger Internetzeitung lizzy  schreibt hingegen begeistert: „Trägerhemd und Turnhose war früher. Heute würde ein Sportler für dieses Outfit höchsten noch ein mildes Lächeln ernten.“ Denn -und jetzt folgt eine Passage Krampf aus der peinlichen Wortküche der Werbestrategen:

„So verloren die Laufschuhe dramatisch an Gewicht – dank Lunarlite Foam Technologie und Flywire Technologie . Auch wurde der einteilige Nike-Swift-Laufanzug durch den Einsatz von noch aerodynamischeren Stoffen für die Sprinter noch windschlüpfriger gemacht. Dabei gewährleistet die Aerographics-Technologie am Rücken eine maximale Kühlung. Außerdem gibt’s kaum noch Nähte an der neuen Kleidung. Das wiederum ist ein Verdienst der No-Sew-Technologie. Als „optisches Highlight“ wird das Aerographics-Motiv gepriesen, das die Rückenpartie der Kollektion ziert.“

Da muss ich -noch mal ganz spontan-  hinzu- und drauf setzen: Irgendwie gefallen mir die Wörter „Trägerhemd und Turnhose“  – bei all diesem Technologie-Gefasel.

Und was muss noch gesagt werden? Na klar! Den Seniorensportlern im DLV wäre weder der sprachliche noch der gestalterische Missgriff bei der Wettkampfkleidung passiert. An den sprachlichen Problemen  arbeitet sich längst EVAA-Chef Dieter Massin ab, und dank DLV-Vize Michael Böhnke haben wir für das andere längst unseren Mann für die Ästhetik  nebst einer ebenso folgerichtig wie traditionell ungeheuer vielfältigen Trikot-Auswahl