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tittar på?

7. August 2011

Bilanz! Das Schlag- und Lieblingswort unseres nationalen Verbandes der Läufer, Springer, Werfer. Bilanz nach jeder Europameisterschaft, Bilanz nach jeder Weltmeisterschaft. Schnell und postwendend publiziert nach einem solchen Event und dabei wohl kalkulierend, dass das Kurzzeitgedächtnis bei Senioren nicht mehr so ausgeprägt ist und sie deshalb riechende Wander-Klosetts, fehlende Umkleideambiente und mangelnde Sitzgarnituren schnell vergessen. Auch kalkulierend, dass Kritik nicht über den großen Teich schwappt und daher nur in den eigenen Reihen der Organ-Spender verbleibt, also der 10-Euro-extra-an-die-Organisation-Zahlenden bei internationalen Starts. Wer vergrault sich auch gern Umarm- und Herz-Freunde aus Übersee?

Bilanzen zu nationalen Meisterschaften gibt es nicht, denn wer beschmutzt schon das eigene Nest und wer vergrault sich schon den nächsten Ausrichter? Da ist es wesentlich nahe liegender, Ausrichter im Ausland zu bewerten, Kleinigkeiten zum Aufreißer zu machen und den Mantel der Großzügigkeit hierzulande auszubreiten.

Der eigene Spiegel wird in Darmstadt nicht aufgehängt, geschweige in denselben gesehen. Obwohl ein international renommiertes Möbelhaus gerade ein Sonderangebot an Spiegeln feilbietet, Marke „tittar på?”, zu Deutsch: ”guckst du?”

Beim Bilanzieren der eigenen, nationalen Meisterschaften müsste längst auch einmal das Umfeld berücksichtigt werden. Nicht nur das Stadion mit seinen Anlagen, nicht nur das Angebot an Kaffee und Kuchen und auch nicht der Zeitplan und seine evtl. Verzögerungen. Nein, auch das Kampfgericht gehört mit in die Bilanz. Auch Beispiele wie jüngst in Minden. Ob nun das Lamento danach angemessen oder nicht, ob korrekt oder überzeugend war,  ist hier nicht die Frage. Ein Kampfrichter „Gerät“ (hier gleich mit „G“ notiert) stand und steht seit Minden im (möglichen) Konflikt zu seinen Kollegen von der nationalen und internationalen Wasserwaage.


Aus seiner Sicht handelte er korrekt und ließ seine Maßschablone als Maß aller Dinge gelten. Im Widerspruch zu Gerätekontrolleuren im In- und Ausland, die dem Wettkämpfer „Wurf“ (hier gleich mit „W“ notiert) das Streitobjekt mit dem Genehmigungsvermerk „gut“ versehen haben und hatten. Nach seiner Schablonen-Entscheidung hätte Kampfrichter „G“ Hilfe von außen gebraucht, also genau des Verbandes, der ihn ausgebildet hat und der ihn „an die Front“ schickte. Ein Verband, der selbstredend  die Aufgabe und Pflicht hat, seine „Richter“ ständig zu überprüfen und zu bilanzieren, ein Verband, der im Streitfalle eingreifen muss, um Ansehen von Personen und Meisterschaften zu schützen. Geschehen ist nichts. Bis heute: Nichts. Auch Wettkämpfer „W“ hätte Hilfe gebraucht, denn er hatte schließlich ein (international) korrektes Geräte vorgelegt.

Seit Minden gibt es zwei Fronten, die sicher nicht aus Daffke entstanden sind. Hier die Regelauslegung mit dem Werkzeug „Schablone“, dort ein Gerät, das international ohne Beanstandung erlaubt ist und damit auch Rekordlisten-fähig ist.

Nun, unser Verband hüllt sich in Schweigen, wartet auf die nächste (internationale) Bilanz-Meisterschaft, um den Organ-Spendern wieder Mut zur Teilnahme zu machen, verbunden mit der Hoffnung auf das Kurzzeitgedächtnis. Seit Minden aber stehen Kampfrichter „G“ wie auch Wettkämpfer „W“ allein auf weiterer Flur und warten wie weiland die bayerische Staatsregierung auf den Engel Aloisius  und auf die von ihm zu  übermittelnde göttliche Eingebung, die eines Tages unseren nationalen Verband der Läufer, Springer und Werfer heimsuchen wird, um Probleme zu lösen statt Verantwortung weiter zu schieben, „andere“ zu bilanzieren und brisanten Themen auszuweichen. „Halleluja, soag i“

Ein Ralf-Peters-Kommentar