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Tasche

3. Mai 2009

tascheStrafjuristen, die nördlich der Mainlinie etwas auf sich halten, irritiert schon traditionell vieles von dem, was südlich dieser Linie, zumal in Bayern, an staatlichem Zwang und Eingriff für normal oder jedenfalls geboten gehalten wird. So wundert es sie kaum, wenn die Postillen seit ein paar Tagen melden, Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), fordere „erneut ein härteres Vorgehen gehen Dopingsünder“.

«Die Nationale Antidoping-Agentur NADA müsste so etwas wie eine Doping-Polizei mit staatlicher Kompetenz werden», sagte der 52-jährige DLV-Chef in einem Interview der «Mittelbayerischen Zeitung» in Regensburg. Prokop, der 2006 am Entwurf der bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU) für ein schärferes Anti-Doping-Gesetz maßgeblich beteiligt war, sprach sich dafür aus, Dopingkontrollbehörden mit hoheitlichem Charakter auszustatten.

Bemerkenswert, wenn der DLV-Chef, im Hauptberuf Amtsgerichtsdirektor im bayerischen Kelheim, grundlegende rechtstaatliche Dinge über Bord werfen will.,  so es gegen Doping geht, etwa  dass grundsätzlich Durchsuchungen nur durch einen Richter   angeordnet werden können. Gleichwohl wünscht er sich eine NADA-Dopingpolizei, denn:

«Sie könnte – banal gesagt – auf dem Sportplatz auch einmal in die Tasche eines Trainer schauen, was dieser denn so bei sich trägt.» 

Möglicherweise ist es ja eher ungewöhnlich, dass Trainer auf dem Sportplatz Spritzbesteck und Dopingtralala in ihrer Tasche dabei haben. Könnt‘ ich mir jedenfalls vorstellen. Und dann gibt es da außerdem noch diese unpraktischen rechtsstaatlichen Regeln, die so gar nicht den Grundsatz „Der Zweck heiligt die Mittel“ akzeptieren. Bestimmte Vorschläge sollte man besser zu Ende denken, bevor man sie ausplappert.

 

(Foto: Johannes Wortmann, pixelio

Schulterschluss

22. April 2008

Früchte trägt die erstrebte Zusammenarbeit zwischen dem DLV und proMASTERs, der Interessengemeinschaft Seniorenleichtathletik. Und diese Zusammenarbeit kommt den Senioren insgesamt zugute. Die Repräsentanten von DLV (Dr. Anne Jakob), der EVAA (Präsident Dieter Massin), der Zeitschrift Senioren-Leichtathletik (Frank Krümmer) und proMASTERs (Kurt Kaschke und Rüdiger Nickel) hatten ein koordiniertes Vorgehen ins Auge gefasst. proMASTERs hatte daraufhin den proMASTERs-Substanzen-FINDEX kreiert und auf seine Website (http://www.promasters-la.de) gestellt. Sie wurde als wertvolle Hilfe für Seniorenleichtathleten, die auf Medikamente angewiesen sind, reißend in Anspruch genommen, gib er doch eine bislang nicht gekannte Schnell-Information, bevor zu jedem Medikament die NADA in Anspruch genommen wird (Denn bei der NADA kann jeweils eine Medikamentenanfrage gestartet werden).

Auf diesen proMASTERs-Substanzen-FINDEX verweist jetzt der DLV auf seiner Homepage unter http://www.leichtathletik.de – zur offiziellen Verbandsseite – Anti-Doping – Links – „proMASTERs-Findexermöglicht ein rasches Auffinden verbotener Substanzen„.

Das ist ein Schulterschluss zwischen DLV und proMASTERs zugunsten der Interessen der Senioren.  Nur weiter so: Dass hilft allen Seniorenathleten!

Bernd Hippel



6 Prozent

21. April 2008

Wer hat die WDR-Sendung „sport inside“ am 21. April gesehen? Und was hat die Sendung gebracht?

Ich meine: Das Problem ist, dass niemand etwas weiß, aber alle etwas zu wissen glauben, obwohl sie wie gesagt gar nichts wissen. Die Rede ist vom Doping, seinem Umfang und seinen Kontrollen sowie vom 5-Minuten-Bericht darüber, den heute Abend die WDR-Sendung dem Doping im Seniorensport allgemein und dem Doping in der Seniorenleichtathletik und dem Seniorenradsport im Besonderen widmete.

Letztlich hat der Bericht kaum etwas Neues gebracht, was interessierte Masters nicht schon wussten. Abgesehen davon, dass man jetzt die Anzahl der Kontrollen bei Deutschen Hallen-Meisterschaften kennt: „Wir machen heute vier und morgen zwei!“ hieß es. Wenn es denn stimmt. Die taz schrieb, es seien acht – naja, kein wesentlicher Unterschied.

Was in der Sendung aber nicht gesagt wurde: Die Hälfte der „positiven“ Kontrollen der letzten Jahre waren Zielkontrollen á la Susanne Pumper. Die Verantwortlichen kennen also schon ihre Pappenheimer.

Natürlich kann man die noch besser erwischen, wenn Geld auch für „out-of-competition-Kontrollen“ oder jedenfalls für Kontrollen auch bei allgemeinen Sportfesten vorhanden ist und diese dann auch praktiziert werden. Erst wenn betrügende Mastersathleten damit rechnen müssen, aufzufliegen, hat unsauberer unfairer Sport keine Chance. Da sind wir dann wieder beim „Arno-Euro„. Er muss endlich kommen. 1 Euro pro Startmeldung stört niemanden, bringt aber Finanzen, um mehr und besser zu kontrollieren. 

Dann brauchen wir uns keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob nun tatsächlich 6 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer deutschen Meisterschaft gedopt sind, wie der WDR-Beitrag meinte. Dann kontrollieren wir und spekulieren nicht. 

Ach ja: Wenn die DLV-Antidopingbeauftragte Dr. Anne Jakob  in der Erfurter Leichtathletikhalle bei den Senioren-Hallenmeisterschaften dieses Jahres keinen Besuch informationshungriger Mastersleichtathleten hatte (was im März bereits die taz und jetzt der WDR mit erhobenem Zeigefinger berichteten), dann aus zwei Gründen:
Einmal haben die engagierten Antidoping-Streiter um proMasters in den letzten Jahren Aufklärung, Aufklärung und noch einmal Aufklärung geleistet. Und zweitens wendet man sich bei der notwendigen Einnahme von Medikamenten besser direkt an die NADA, wie ich es vor zwei Jahren gemacht habe. Die Antwort kam schnell, kompetent und vor allem lange vor dem Wettkampf, an dem ich teilnehmen wollte; ich brauchte damals übrigens keine TUE. Heute geht es bekanntlich noch schneller, denn es gibt den proMasters-Findex, den Rüdiger Nickel geschaffen hat. Eigentlich war das eine Aufgabe für den DLV, der aber im letzten Sommer mitgeteilt hat, nicht einmal mehr die TUE-Anträge an die NADA weiterleiten zu wollen…