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„Schnäppchen“

3. März 2007

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat den Teilnehmern an internationalen Meisterschaften beim Erwerb der Nationalmannschaftskleidung 20 %ige Ermäßigung angeboten. Dies ergibt sich aus einer Pressemitteilung des DLV. Damit sollen die Senioren, die den DLV nach außen repräsentieren entgegen gekommen werden. Damit soll aber auch ein Beitrag zur Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes von deutschen Senioren bei ihrem internationalen Auftritt geleistet werden. Der DLV will damit weniger an seinen eigenen Senioren verdienen.
Dagmar Fuhrmann, Aktivensprecherin bei proMASTERs, der Interessengemeinschaft der deutschen Senioren, hatte den Anstoß gegeben, weil sie immer wieder von ihren ausländischen Konkurrenten auf die Vielfalt der deutschen Senioren angesprochen wurde. Die ausländischen Seniorenmannschaften bei Europa- oder Weltmeisterschaften stachen durch Einheitlichkeit heraus. Vielfalt dokumentierten die DLV-Senioren insbesondere bei den Staffelwettbewerben – vier Athleten in einer Staffel und vier unterschiedliche Trikots. Das widersprach dem Vorstellungsbild vieler Athleten vom Auftritt in der Nationalmannschaft.

Das DLV-Team glänzte nicht nur jeweils mit der größten Mannschaft, sondern auch mit einer ausgeprägten „Flexibilität und Vielfältigkeit im Erscheinungsbild“. Grundsätzlich dürfen DLV-Senioren bei internationalen Meisterschaften in jedem Nationaltrikot starten, das jemals als solches vom DLV eingeführt und zugelassen wurde, wie proMASTERs-Vertreter Rüdiger Nickel bestätigte, der den hierfür zuständigen DLV-Vizepräsidenten Prof. Böhnke am Rande der Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften hierzu befragt hatte. Sicherlich trägt diese Ausdehnung der Zulassung auf sämtliche Nationaltrikots, deren Zulassung nicht zurückgenommen worden ist – also bei keinem -, nicht zur Vereinheitlichung des DLV-Erscheinungsbildes, vor allem bei den Staffeln, bei.
Mit der Gewährung eines 20 %igen Rabatts auf den Einzelhandelsverkaufspreises hat der DLV nunmehr aber auf einem anderen Gebiet Bewegung in die von proMASTERs initiierte Diskussion gebracht. Da davon auszugehen ist, dass der Trikot-Hersteller als DLV-Generalausrüster und ‑sponsor dem Verband zumindest die gleichen Bedingungen einräumt wie jedem Einzelhändler auch, reduziert der DLV seinen Gewinn durch den verbilligten Verkauf der Nationalmannschaftstrikots an seine Repräsentanten bei Seniorenmeisterschaften erheblich. Dies ist eine erhebliche finanzielle Einbuße des Verbandes, wenn man die durchschnittlichen Spannen zwischen den Einkaufs- und Verkaufspreisen, in etwa das Doppelte des Einkaufspreises, berücksichtigt. Mit der Reduzierung des Verkaufspreises um 20 % verdient der DLV damit nur noch 80 % der Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis.
Und so sieht die Rechnung für ein Nationaltrikot aus: Kostet dieses beispielsweise 40 € im Verkauf und verkauft es der DLV an seine Senioren-Nationalmannschaftsmitglieder für 20 % weniger, also für 32 €, dann reduziert er seinen Gewinn um 8 € und verdient an den Senioren „nur“ noch 12 € (bei einem Einkaufspreis von 50 % des Verkaufspreises, also 20 %). Nur noch 12 € pro Trikot an einem Senioren, der im deutschen Nationaltrikot starten will und den DLV vertreten soll! Das ist schon ein „Schnäppchen der besonderen Art“! Für wen, mag jeder selbst entscheiden.

Bernd Hippel