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Radetzky in Kamloops XII

9. März 2010


Jetzt gehen  die FRIENDLY GAMES von Kamloops zu Ende. Bei den abschließenden Siegerehrungen marschiert schon eine Kapelle ein, die danach richtig Gas gibt. In farbenprächtigen Kostümen, die bei jeder Karnevalsveranstaltung prämiert worden wären, spielen sie für die Brasilianer Mambo Nummer 5, für die Amis Oh when the Saints, Alles, was noch auf der Tribüne ist, tanzt, manche Mehrfachmedallisten klappern mit ihrem Edelmetall im Rhythmus. Alles in Gelb auf der Tribüne: Brasilianer und -innen sind da, die Aussies in ihrem Gelb und außerdem ganz viele der über 1000 Volunteers in ihren gelben T-Shirts, die diese WM so entscheidend geprägt haben.

Zwischendurch erklärt irgendein Offizieller „These World Championships finished“. Aber so richtig interessiert das auf der Tribüne niemanden. Die WMA-WM-Flagge wird den Abgesandten aus Jyväskylä übergeben, dann gibt es den Radetzky-Marsch für die Germans, Austrians & Co, und der Tanz geht weiter. Beste Stimmung und ein Gute Besserung an Judy, Danke tausendmal an tausend Volunteers.

Jetzt geht es noch zu unserer privaten Abschlussfeier im Lokal mit der besten Ausischt auf die Lichter im Tal von Kamloops.
Die Stimmung ist bestens, vom Nachbartisch kommt Martin Vogel rüber und sagt, wir haben 15 Medaillen; Kunststück mit Horst Albrecht, dem Metallgaranten in der M 85 und mit Clemens Wittig.  Wir zählen nach und kommen bei uns auf 18, sind aber auch zwei Leute mehr.

Eigentlich müssten die Kanadier eines der kinderreichsten Völker sein, weil sie immer so früh zuhause sind. Auch in unserem Lokal ist wie überall hierzulande schon 21.00 Feierabend. Also gehen wir alle noch ins Hotel und feiern mit unseren DLV-Offiziellen, die immer von früh bis spät im Einsatz waren und endlich Feierabend haben – bis auf Charly Flucke, der noch vor dem Computer am Schlussbericht für die DLV-Homepage sitzt. In der Bar geht’s noch bis sündhafte 23:30.

Morgen fahren wir für ein paar Tage in die Rockies und danach nach Vancouver und Düsseldorf. In Ungarn schwingt Robby Koop wieder den Griffel, und ich werde laufen – besser als umgekehrt,  und wie sagte Klaus Wowereit damals so zutreffend “ Und das ist auch gut so!“

Euer Winfried Heckner

Finale in Kamloops XI

9. März 2010

Was steht vor dem Hotel, als wir zum Frühstück gehen? Der Bus der Vancouver Giants, die gestern die 6:1 Klatsche im Eishockey gekriegt haben. Ohne die martialische Ausrüstung sehen manche der Spieler wie Hänflinge aus.

Am Schluss stehen 400m und dann die Staffeln an. Zunächst ist Staffelkamerad Thomas Partzsch im 400m-Finale nach vorn zu brüllen. Also rauf auf den Aufwärmplatz und ihm den letzten Motivationsschub verpassen: „Hol sie dir, Rache für die 800“ , wo Thomas nicht starten konnte, weil er zu spät im call-Room war… Tja, wie sagte schon weiland Gorbi: „Wer zu spät kommt,… “ Unseren Staffel-Schlussläufer nennen wir immer liebevoll Kampfschwein. Heute macht er seinem Namen alle Ehre und wird Hallenweltmeister. 🙂

Kurz vor Thomas‘  Finale gibt es noch einen schlimmen Zwischenfall. Judy Armstrong, eine der beiden Cheforganisatoren und meist Mrs. Überall genannt, schaut beim Gewichtwurf nach dem Rechten und wird von einem verunglückten Wurf an der Seite getroffen. Es werfen gerade große, kräftige Männer, also sind es mehr als 10 Kilo, die da angeflogen kommen. Sie ist bei Bewusstsein und wird im Rollstuhl abtransportiert. Später erfahren wir, dass nichts gebrochen ist, „nur“ starke Prellungen, die sie noch lange an die WM erinnern werden.

Für die Staffel ist unser Motto „Haut die Amis weg“, doch am Ende sind sie stärker. Das müssen wir anerkennen. Da sieben  Staffeln gemeldet haben, gibt es zwei Zeitendläufe. Wir sind im ersten. Deshalb heißt es anschließend zittern, bis die anderen im zweiten Lauf im Ziel sind. Bei uns sprang die Uhr von1:57 auf 1:58 – mit so Kleinigkeiten wie Hunderstel beschäftigt man sich in einem so großen Land wie Kanada nicht – Die Australier und die Kanadier liegen gleichauf bei ca. 1:31, als der Schlussläufer den Stab bekommt. Wir sehen, das wird eng. Peter Crombie, der Schlussläufer der Aussis und Weltmeister in der M 65 läuft normalerweise  mindestens eine kleine 26. Aber hier ist Kamloops und eine Bahn ohne Kurvenerhöhung, er kommt rein, als die Uhr gerade auf 1:58 gesprungen ist. Ich springe hoch, denn das heißt Silber. Apropos fehlende Kurvenerhöhung: Später sehen wir noch, wie Athleten Brust an Brust auf Bahn1 in die Zielkurve gehen und auf Bahn 3 und 4 wieder aus der Kurve kommen.
Unsere Staffeln -aufgefüllt mit Marathonis und Eisenwerfern- schlagen sich ausnahmslos hervorragend. Angelika Holder beispielsweise ist eigentlich zuständig dafür, Eisen möglichst weit weg zu befördern. Doch sie geht die 200 an, dass man sicher ist, gleich zieht jemand den Stecker raus, aber sie hält durch. Im T-Shirt!

Am Ende hat unser kleines Aufgebot in den Staffeln zwei Mal Gold, vier mal Silber und einmal Bronze gewonnen. 🙂

Winfried Heckner

6:1 in Kamloops X

7. März 2010

Heute ist Freitagabend und es ist Eishockey angesagt. Eishockey ist Volkssport in Kanada. Es gibt 28.000 Schiedsrichter. Zum Vergleich: in Deutschland gibt es knapp 28,000 Spieler.

Heute spielt die U 20 der Kamloops Blazers gegen Vancouver Giants; die Halle ist mit 3500 Zuschauern fast voll; sie hat 4.300 Plätze. Wir haben noch keine Karten und als wir suchenden Blickes auf den Ticketschalter zugehen, spricht uns ein Kanadier an. Es gibt eine kurze Unterhaltung, über   Germany,  Championships usw. und dann fragt er uns, ob wir Tickets wollen. Ich greife nach meiner Geldbörse und frage nach dem Preis: „No money. Ich kann heute nicht, ich schenke sie Euch.“ Es sind wirklich die FRIENDLY GAMES

Das Spiel ist ein Erlebnis, wenn auch nicht sonderlich FRIENDLY. Bekanntlich ist das Spielfeld in Kanada kleiner, deshalb ist das Spiel schneller und es ist etwas anders als bei uns. Das Ganze mit dem Puck ist diesmal Beiwerk, um sich richtig prügeln zu koennen, scheint’s mir. Schon nach 9 Minuten sind sechs Spieler nach einer Massenkeilerei nicht nur für 2 Minuten gesperrt. Die Schiedsrichter stehen daneben und man hat den Eindruck, sie vergeben A und B-Noten fuer den besten Haken. Es dauert dann alleine ein paar Minuten, bis Handschuhe, Schlaeger und Helme, die zwecks effekticeren Körperkontaktes zeitnah abgelegt wurden, wieder eingesammelt sind. Die Presse schreibt später:

There was a lot of leather in faces in this one. In fact, the first two periods were chippy and physical and included a multi-fight situation at 11:53 of the first period.

Kamloops gewinnt am Ende 6: 1. Wen es interessiert, hier mehr…

Winfried Heckner

Landjäger in Kamloops IX

7. März 2010

Und wieder mal die freundlichen Meisterschaften:

Unsere Dolmetscherin Helga Gemsa (Foto), vor 40 Jahren aus dem deutschen Elmshorn nach Kanada ausgewandert, betreibt hier mit ihrem Mann einen Schlachterladen. Für  die Zeit der WM hat sie sich frei genommen – unentgeltlich. Die Volunteers bekommen am Sonntag einen Brunch als Dankeschoen. Clemens Wittig, unser Metallsammler im längeren läuferischen Bereich, hat  ihr  als kleines Danke von den Jungs und Mädels aus Deutschland übergeben: Ein Poster mit einem Foto, auf dem er und ein anderer Athlet unserem guten Geist medaillenbeglückt ein Küsschen geben.

Dass Helga Gemsa, die auch Präsidentin der „Kamloops Friends of the German Language“ ist,  uns mit leckeren Landjägern beglückt, muss natürlich erwähnt werden. Denn Wurst zum Frühstück gibt es nicht, dafür reichlich Eier für den neuen Rekord in der persönlichen  Cholesterinwertung.

Winfried Heckner

(Foto: © Bernd Boscolo, pixelio.de)

Verfügbar in Kamloops VIII

7. März 2010

Heute Freitag ist Wettkampftag, also kriegt man wieder nichts mit von allem anderen.

Nach dem Frühstück noch mal hinlegen, dann zur Halle und direkt auf den Aufwärmplatz. Wieder ist es sonnig und annehmbar: die Kanadier erkennt man leicht, sie haben meist kurze Hosen an – klar doch, die Sonne scheint und es ist über 0 Grad.  Man mag sich gar nicht ausmalen, was gewesen wäre mit den Temperaturen des März 2009 mit bis zu 30 Grad minus. Da wäre es mit Warmlaufen draußen schwierig gewesen.

Hürdenlaufen im gesetzten Alter ist nach meiner Meinung grenzwertig; wenn Koordination und Kraft nicht mehr so richtig mitmachen, sieht es eigentlich nicht so richtig nach Leichtathletik aus. Ein Spanier strauchelt auf dem Aufwärmplatz regelmässig an der dritten Huerde und legt sich lang: Er bekommt den  Sonderpreis für Unverzagtheit.

Diesmal sind wir im Zeitplan. Ich schau mich um: Außer dem Franzosen und meinem Staffelkameraden Thoams Partzsch kenne ich keinen der Konkurrenten. Diesmal werde ich einen guten Start hinlegen. ich gebe mir selbst das große Indianerehrenwort.

Als Wettkämpfer sieht man ja nur die ältere Männerklasse vor einem, bei der weiblichen gleichaltrigen Klasse hockt man schon auf dem Stuhl dahinter  und wartet nur noch darauf, den Startblock einstellen zu können. Diesmal ist nicht der langsame Starter am Werk, der einen so fürchterlich lange sitzen lässt. Ich gehe ab wie Schmitzens Katze – wow, ich bin vorne, an der 3. Huerde kommt der Amerikaner neben mir auf. Er hat die bessere Technik, an der 4. ist er gleichauf und an der 5. wird er etwas vorn sein. Entscheidung von Kommandozentrale ist gefragt, als der bessere Sprinter im Zieleinlauf nochmal richtig Druck oder besser nicht. Ich lasse es, locker bleiben und nicht verletzen, wir sind hierhin gekommen, um eine gute Staffel zu laufen.

Unverletzt in 10, 13 Silber! Ich bin mehr als höchstzufrieden (Foto).

Zum Glück sind die beiden anderen, der schnelle Amerikaner Frederick Johnston und der langsamere Amerikaner Robert Baker, schnell verfügbar. Wir können also zur Siegerehrung,  uns da als vollständig melden und werden dann eingereiht – ansonsten ist die Zeremonie erst drei Stunden nach dem Wettkampf. Siegerehrung am Fließband wie meist. Es kursieren Gerüchte, in Lahti sei ein Amerikaner positiv getestet und gesperrt worden, andere meinen es gebe noch mehr Fälle. Wie auch immer, es wird unserem Sport nicht gut tun.

Winfried Heckner

(Foto: © masters-sport.de)

Verschwunden in Kamloops VII

5. März 2010

Heute stehen die Vorläufe über die Hürden an und für Udo Lippoldes der Weitsprung. Zunächst die Callroomzeiten checken, dafür steht eine große Tafel in der Eingangshalle. Gestern gab es welche, die es nicht gemacht haben und dann – einige Disziplinen waren eine Stunde vorverlegt – vom Aufwärmplatz in den Callroom kamen, als der Wettbewerb schon vorbei war. Das wird mir nicht passieren, denn bei den Hürden findet gleich der Endlauf statt, da nicht mehr als 8 Teilnehmer ihre Startkarte abgegeben haben.

Also krieg ich a bisserl was mit, was so nebenher passiert ist. Einen Sonderpreis müsste eigentlich Lüneburgs Carola Petersen ( W 50 ) bekommen für die eigentlich ballistisch unmögliche Leistung, einen Diskus über den grossen Käfig und den Zaun zu schmeißen direkt in einen kleinen See. Ob sie einen Fisch getroffen hat, werden wir nie erfahren.

Erste Staffelgespräche finden statt: bei den geringen Teilnehmerzahlen wird es nicht so einfach, vier für die 200 m zusammen  zu kriegen; aber das Problem haben alle – mit Ausnahme der Kanadier. So muss ein Halbmarathoni anschließend in der M 70 die 200 m laufen. Dann ist er wenigstens gut warm.

Um 14 00 beginnt der Weitsprung. Mit dem Presseausweis darf ich in den Innenraum,  setze mich ans Ende Weitsprunggrube und versuche, ein paar Bilder von Udo und unserem Bezwinger im 60m-Lauf Vlady Vybostok aus der Slowakei zu schießen.

Als Udo im zweiten Versuch 4,62 m springt -zwischenzeitlich Silber – entfleucht mir ein „Nicht schlecht, Herr Specht“ und das hat Folgen: Eine Kampfrichterin kommt auf mich zu und sagt mir, dass ich nicht zu den Athleten sprechen darf, geht dann zu einer anderen, der Oberkampfrichterin mit roter Binde um den Arm, die mir eine Verwarnung erteilt, d. h. wenn ich noch mal auf auf lettisch zu einem Chinesen sage, muss ich den Innenraum verlassen. Ein Lette, ein Kanadier sind vorn und Vlady springt mit 4,70 m Udo auf den 4. Platz. Das hat ebenfalls Folgen, denn der 3. dieses Wettbewerbs muss Pippi… Es werden nämlich die Wettbewerbe für die Dopingprobe ausgelost und dann wird gewürfelt, wer zur Dopingprobe muss. Beim M50-Weitsprung ist eine 3 gewuerfelt worden.

Das wäre ja kein Problem, aber Vlady muss um 17 00 seinen Greyhoundbus kriegen, um seinen Flieger nicht zu verpassen. Ich habe ihm zugesagt, ihn und seinen kleinen kanadisch-tschechischen Dolmetscher Marc zu fahren. Selbst in Schuld, wäre er 4, 61 gesprungen, wäre Udo dran und der hat Zeit. Problem ist aber jetzt. Vlady bekommt seine Rechte vorgelesen und er hat das Recht auf einen Dolmetscher. Ich renne raus und suche den kleinen Marc, finde ihn endlich. Die Belehrung erfolgt noch auf dem Platz und dann ziehen sie ab in die Katakomben zum Probenehmen, inzwischen ist es 14:45.

Und Vlady kommt und kommt nicht. Wo ist Behle?  kennt jeder seit Bruno Moravetz legendärer Reportage. Doch  wir fragen abgewandelt: Wo ist Vlady? Die Zeit schreitet fort und ich hole schon mal das Auto. In der Halle ist wenig los, es gibt keine Laufwettbewerbe an diesem Nachmittag. Wer schon mal dopinggeprobt hat, weiß: Manchmal gelingen die einfachsten Dinge des Lebens nicht ( insbesondere im Sommer ) 😉

Die freundlichen kanadischen Hilfskräfte klären für mich, ob Vlady  sich noch in den Karakomben befindet, schließlich muss er auch noch seine Koffer holen, aber bis 17 00 taucht er nicht mehr auf. Die Auflösung werde ich wohl erst bei der EM in Ungarn erhalten, wenn uns einer dolmetscht, denn Vlady spricht so gut englisch wie ich slowakisch.

(Foto: Diskusfisch; © Ulla Trampert, pixelio.de)

Finale und Kamloops VI

3. März 2010

17: 15 ist heute das 60m-Finale, aber vorher muss mein Freund/Zimmergenosse/Gegner und Staffelkamerad Udo noch ran; er hat für die 200 m seine Karte abgegeben und muss jetzt zumindest 5 Meter laufen, dann steht in den Listen dnf ( did not finish ) und er darf weiter starten. Wer unentschuldigt fehlt, ( dns = did not start ) wird für den gesamten Wettbewerb ausgeschlossen und das wäre fatal für die deutsche Staffel.

Da Udo auf Bronzekurs ist, soll er locker laufen und ggf. aussteigen. Da der Favorit Vybostok ihn eingangs der 2. Kurve noch nicht eingeholt hat, laeuft er locker weiter, wird am Ende 9. und kommt nicht ins Finale.

Zurück ins Hotel, ruhen, etwas essen, relaxen und aufs Finale vorbereiten. Diesmal sind wir pünktlich dran.

Vor uns wie immer unsere Altersgenossinnen. Der Starter hat offensichtlich sadistische Züge und lässt die Mädels eine Ewigkeit sitzen, bis 2 zucken und es ein Stand-Up gibt. das wiederholt sich noch mal und dann klappt’s. Auch bei uns dauert es ewig, neben mir zuckt einer, ich dann auch , geh leicht hoch, bloß nicht nach vorn, dann wieder leicht runter, weil ich sonst zu hoch bin und im Prinzip nur aufstehen kann, in diesem Augenblick SCHUSS.

Mist, wieder ein schlechter Start, locker-locker-locker komm ich an den Weltrekordler neben mir langsam ran. Jetzt noch mal volle Lotte – und eventuell Faserriss wie bei der DM vor 16 Tagen – und auf den letzten 15 Metern die Entscheidung erzwingen? Ich ziehe an, komm noch näher und merke, dass mein Muskel zumacht, Druck raus und bloß nicht verletzen, Silber blinkt auch schön und da sind die 60 Meter auch schon zu Ende. Rein in die Gummiwand, noch das offizielle Foto und wieder ab in die Katakomben.

Wow, ich bin Vizeweltmeister, unter den Umständen sind 8,30 super, Vybostok hat 8,17. Ohne Verletzung usw. ist alles Quatsch, hätte, wenn und aber ist alles Dummgelaber, ich hab Silber, Udo holt nach einem Superstart Bronze, Sprinterherz, was willst du mehr ? Wann haben eigentlich unsere U-30 Sprinter bei einer WM mal Metall geholt ? Nach meiner Erinnerung noch nie, ganz zu Beginn der Weltmeisterschaften vor ca. 30 Jahren war wohl mal einer im Endlauf. Hoffentlich hab ich jetzt keinen vergessen.
Massage ist nicht drin, die Siegerehrung findet in einem anderen Gebaeude statt und das ist ein Stückerl entfernt. Zusammen mit Vlady ( Vybostok ), der einen jungen kanadischen Volunteer bei sich, der tschechisch und englisch spricht, machen wir uns auf den Weg und müssen dort reichlich warten. Urkunden gibt es keine und die Medaillen werden überreicht von einem Kanadier in einer Uniform, die so eine Mischung aus englischem Bobby und Parkwaechter ist. Die slowakische Nationalhymne gibt den Fotografen reichlich Gelegenheit zum Knipsen ( wer mal reinhören will, bitte Zeit mitbringen )

Kurz ins „DEUTSCHE HAUS'“, wie wir den DLV-Athletentreff im benachbarten Biergarten umbenannt haben. 1 Bier – das wars. Wir sind beide happy, aber noch mehr müde, jetzt fällt die Spannung ab und wir wollen nur noch nach Hause, duschen, was essen und ins Bett. Richtig realisieren werden wir das alles wohl erst später. Oder morgen.

Morgen ist frei.

Winfried Heckner

(Foto: Marco Kof, pixelio.de)

50 Stunden und Kamloops V

2. März 2010

Hier ist alles ein bisschen anders, nicht nur wegen des Zeitunterschiedes, manches ist sehr locker und deshalb gut, manches wiederum nicht. Vorab: Im Wettkampf kriegt man so gut wie nichts mit von den anderen Disziplinen; es ist alles sehr auseinander gezogen. Im Zweifel hat man von Deutschland aus übers Internet den besseren Überblick. Eben hab ich auf die Homepage geschaut, aber keine RESULTS gefunden – vielleicht bin ich ja auch nur zu blöd

Der Reihe nach: Wenn man erst um 16: 20 laufen muss, kann man in Ruhe frühstücken, sich wieder hinlegen, weil die innere Uhr weiterhin um 3: 00 Ortszeit sagt: 12: 00 in Deutschland, AUFSTEHEN und dann so gegen Mittag ein bisserl Studentenfutter knabbern und sich auf den Weg zur Halle begeben. In welchem Lauf man ist usw., ist allerdings nicht rauszukriegen, Eine Stunde vorher im Callroom wird es bekannt gegeben. Drei  Callroomzeiten gibt es für uns,  also sollte man höchst vorsorglich zur ersten fertig sein.

Warmmachen geht super, denn draußen sind 15 Grad Celsius und strahlender Sonnenschein, der Callroom ist nur vom Warming-Up-Platz zugänglich, was ja gar nicht so schlecht ist. Auch dort hängen keine Listen, aber beim Aufruf erfährt man wenigstens, in welchem Lauf man ist und auf welcher Bahn.

Der Zeitplan hängt und wir verbliebenen 12 sitzen in den Katakomben und warten. 18 waren gemeldet, davon einer offensichtlich doppelt auf der Liste und der frisch operierte Dieter Tisch ist ja nicht angereist, also 16 hätten es sein können, heißt im Klartext zwei Läufe.

Wie die Weiterkommensregel ist , weiß man natürlich auch nicht, denn es hängen ja keine Listen aus. Auf Befragen erklärt mir der Callroom-Kampfrichter, „3 best and 3 fastest“.  Ich hab lieber noch mal nachgefragt, kamen doch auf einmal bei der DM die 8 Zeitschnellsten weiter. Los geht es immer noch nicht, aber wir sind im Innenraum und dürfen uns auf der Gegengeraden warm halten. Nun teilt man uns mit, dass erst noch ein 800m-Lauf im Fünfkampf der Frauen kommt und dann sind wir dran. Naja, locker bleiben, unter die ersten drei müsste ja gehen, bin doch an  Nummer 3 gerankt und Nummer 2 ist nicht da.

Meine beiden beinlichen Baustellen haben sich beim Warmmachen nicht bemerkbar gemacht, gleichwohl Sicherheit zuerst. Ich geh deshalb nicht mit vollem Druck aus dem Startblock, bin aber nach 20 Metern vorn und tue , was ich nicht sollte: ich schau mich bei 40 Metern nach beiden Seiten um und nehme einen Gang raus und gewinne locker, wow, nur welche Zeit ? Jemand hat 8,10 verstanden, jemand 8,14, wieder jemand 8,40. Die Zeituhr laueft nicht mit und eine grosse Anzeigetafel gibt es auch nicht.

Egal, die Beine haben gehalten und als Sieger bin ich weiter! Übrigens werden auch die Läufer nicht – wie bei jedem Kirmessportfest üblich – vorgestellt. 8, 40 halt ich für realistisch, denn ich hab ja ganz schön zurück geschaltet. Wie wir später erfahren, hängen die Ergebnisse im Registration Office und das ist ein Stück entfernt.

Egal, Udo Lippoldes ist im anderen Lauf Zweiter geworden und Drittschnellster, Thomas Partzsch hat nach schlechtem Start das Finale als 9. knapp verpasst.

In den Katakomben treffen wir beim Auslaufen unsere Sprinthoffnung in der W 45 Angelika Grissmer; sie hat auch ihren Lauf gewonnen und das wichtigste: ihr Koffer mit Spikes, Trikot etc. ist sogar rechtzeitig eingetroffen – alte Flughasen und -umsteiger sagen: Trikot und Spikes immer ins Handgepäck.

Bevor wir die Halle verlassen – morgen wartet der Weltrekordler Vladimir Vybostok auf uns – kriegen wir noch ein paar Neuigkeiten von anderen Teilnehmern mit. Weitspringer Wolfgang Tuchen – M 70 – war insgesamt 50 Stunden unterwegs, eine andere Gruppe muste von Calgary aus den Greyhound Bus nehmen, der für die Strecke 10 Stunden benötigt.

Duschen, essen, heia, morgen ist Finale: Udo wird vorher noch die 200 m laufen. Ich verzichte, weil die Belastung für den jetzt 15 Tage alten Faserriss zu lange sein könnte, denn so 27 Sekunden brauche ich ungefähr, und ich werde etwas frischer sein, wenn ich die 200 m nicht in den Beinen habe, auch wenn 5 Stunden dazwischen sind.

Morgen werden die Karten neu gemischt und dann gibt’s eine Portion Extra-Adrenalin.

Winfried

(Start; Foto © Michael Berger, pixelio.de)

Open und Kamloops IV

2. März 2010

Jetzt heißt es, die Formalitaten erledigen, also die Registration. Wie immer dauert es danach ewig, bis man wieder raus ist, weil man hier jenen trifft, den man von da her kennt, und dann da jemand anders usw. Um 14 00 trainiere ich dann draußen – Kunstrasen, angenehm weich – geht alles gut, zum Schluss noch ein paar Antritte, 10 , dann 20 und 30 m, gut ist, wer 30 Meter laufen kann, schafft auch 60m. Jetzt ist Ruhe vor dem Sturm bzw. Wettkampf angesagt.

Es ist schon erstaunlich, was unsere WM hier für eine Bedeutung hat. In den Zeitungen vergleicht man sich mit dem großen Vancouver und der Olympiade, aber hat das 20 mal größere Vancouver etwas über 3000 Athleten und hier sind 1400 aus 61 Ländern. In allen Lokalen, in denen wir bisher waren, gibt es Rabatte für die WM-Teilnehmer; es empfiehlt sich also, seinen WM-Ausweis stets um den Hals zu tragen.

Ab Montag wird es ernst, also heut die Gelegenheit nutzen zu einem Halbtags-Ausflug in den Schnee zum eine Autostunde entfernten Sun Peaks. Auf 1200 Meter liegt reichlich Schnee, schließlich gehen die Berge mit den Abfahrten auf über 2000 m. In den wenigen Lokalen ist Bombenstimmung, fuehrt Kanada doch im olympischen Endspiel im Nationalsport Eishockeys gegen den großen Bruder U.S.A. relativ schnell mit 2:0.

Zurück nach Kamloops und zur Jetlaglinderung einen Mittagschlaf vor der offiziellen Eröffnungsfeier.  Und die ist super: erst sollte kein Einmarsch der Nationen sein, jetzt doch. Ein farbenpraechtiges Spektakel, wie ich es bei anderen Veranstaltungen nicht einmal annähernd erlebt habe. Die Geschichte des Ortes Kamlooops – angefangen bei den Indianern über die Trapper, Goldwäscher, den Bau der Pacific Railway bis heute – wird von Schauspielern, Tänzern musikalisch untermalt und in teils tollen Kostümen vorgeführt mit unterstützenden Bildern auf der Großleinwand dahinter.

Die Zeit vergeht im Flug und insgesamt dauert es fast zwei Stunden, die offiziellen Reden am Schluss sind erfreulich kurz, dann kommen die Schwüre der Kampfrichter und der Athleten – für Kanada eine der ältesten und erfolgreichsten Seniorensportlerinnen der Welt, Olga Kotenko, und dann kommt der erlösende Satz: I declare these World Masters Athletics Championships open.

Jetzt geht es also los. Übrigens:  Mein Krampfschenkel ist nach einer Massage vom DLV-Physio Thorsten Beckemeier deutlich besser, jetzt heisst es, sich auf den Wettkampf zu konzentrieren.

Winfried

(Foto Pacific Railway, © W. Brömme, pixelio.de)

Oldtimer und Kamloops III

28. Februar 2010

Kanada weint sich meteorologisch weiter aus und wir sind auf direktem Weg nach Kamloops. Alle Kandaier spielen Golf, den Eindruck muss man gewinnen, wenn man aus Langley raus kommt, jede Mange Plätze und Driving Ranches usw usf. Aber langsam kommen wir aus dem Dunstkreis von Vancouver raus und es wird auf der Autobahn gemütlich wie bei uns Sonntags morgens um 4 30. Ganz wenig Betrieb, aber hier fährt alles stur 110.

Langsam geht es höher und es wird weißer. Einmal sehen wir ein Schild 1442 m, aber wir waren schon höher, überall die Warnungen „Ketten anlegen“ und riesige Parkplätze für die Truckers, um das im Falle des Falles hinzukriegen.  Britisch Columbia erinnert stark an die Alpen, und es ist wenig stressig: gegen Mittag beschließen wir eine kleine Rast, aber Raststätten sind in Kanada Mangelware: Das leuchtet auch ein, wenn denn kaum einer auf der Autobahn fährt, lohnt sich det ooch nicht.

Dann sehen wir ein Schild REST und fahren ab; denn dort muss ja irgendwo ein Restaurant sein. Bekanntlich bildet lesen und als wir denn nach einigen Kilometern vor einem etwas groß geratenen Pinkelhäuschen stehen, fällt mir wieder ein, dass restroom im englischsprachigen Raum Toiletten heißt. Nix mit aurant hinter dem Rest, was wir hoffnungsvoll dazu gedichtet hatten.

Also weiter bis Merritt. Das Navi sagt, dort gibt es Restaurants. Es ist ein Örtchen, wo John Wayne, um die Ecke kommen könnte und seinen Klepper anbinden und in irgendeinem Holzhäuschen verschwinden könnte – man muss sich nur die Autos wegdenken.

Erstaunlich wieder: im Vorraum der Bank ist eine Dame, die beim Bedienen des Geldautomaten hilft. Auf ihre Frage, ob wir zu den Olympics hier sind, antworten wir, dass wir zur Leichtathletik-WM fahren und sie antwortet: „Ah ja nach Kamloops„. Dasselbe stellen wir dann auch nach Ankunft in Kamloops in unserem Hotel fest, alle haben ein T-Shirt an mit WORLD MASTERS ATHLETICS drauf. Schnell eingecheckt, und Hallenvisite ist angesagt sowie leichtes Training, täglich 2 x und jedes mal ein Schüppchen drauf. 15 Minuten zu Fuß sind es vom Hotel, das hatten wir ja mit Bedacht so ausgewählt. In der Halle sind noch die British Columbia Highschool Meisterschaften, und es ist jede Menge los, aber ich finde noch ein Eckchen und mach mein Aufbauprogramm, am Schluss drei Antritte. Tja geht, morgen mehr.

Was macht der Jetlag ? Vom Loungeroom des Hotels in der dritten Etage hat man einen wunderbaren Ausblick über das Tal von Kamloops, ein großer Fernseher, Eishockey-Halbfinale und ein Steak, doch um 20 00 Ortszeit ( 5 00 MEZ ) fallen mir die Augen zu. Akku leer. Also bin ich wieder um 21 00 Ortszeit im Bett und weiß, dass die Nacht noch lang ist.

Diesmal ist es 3 08 Ortszeit als ich wach werde, geweckt von einem Krampf im rechten Unterschenkel, prima, an dem hatte ich noch nie was. Was jetzt ? Der Muskel ist hart wie ein Knochen. Krämpfe habe ich nie und seit 6 Woche schlucke ich 300 mg Magnesium, um die Speicher zu fuellen. Zum Glück haben wir eine Badewanne, und ich lasse mir Wasser ein. Unter uns wohnt keiner und mein Freund, Gegner und Staffelkamerad Udo ist in einer Tiefschlafphase.

Das heiße Wasser tut gut und gibt Zeit für Gedanken wie „wäre Nording-Walking mit dem Rollator nicht besser furer mich“. Naja: Wer mit einem Oldtimer Rennen fährt. Ich muss halt viel an der Karre rumschrauben, tröste ich mich. Es gibt etwas Linderung und ich bearbeite den Unterschenkel mit dem Reizstromgerät, anschließend noch Brennessel-Chili-Ingwer-Oel zum Einmassieren. Jetzt weiß ich, warum der Wirkstoff des Chili Capsaicin, bei Pferden ohne vorherige medizinische Genehmigung angewendet, als Doping gilt: Es brennt wie Hölle und erinnert mich an starken Sonnenbrand. Aber egal, wenn’s hilft. Ich beschließe, heute  einen Mittagschlaf einzulegen, damit ich – eigentlich Sternzeichen Nachteule – ueber 21 00 hinauskomme.

Inzwischen ist es mir auch gelungen, Handyverbindung zu bekommen, nachdem ich die Einstellung auf triband geändert habe, aber telefonieren ist problematisch bei 9 Stunden Zeitunterschied merke ich, als ich von meiner Frau geweckt werde, für die es ja schon später Nachmittag ist. Also immer 9 Stunden drauf oder runter rechnen, dann bleibt nicht viel gemeinsame Kommunikationszeit.

Beim Frühstück treffen wir auf den kompletten DLV-Betreuerstab und planen den Samstag, der „um 11 00 Training und dann Downtown Innenstadt anschauen“ heißt und am Nachmittag nochmal Training – jeweils ein Schueppchen drauf – und Massage für die neue Baustelle Unterschenkel.

Die 200m werden ja leider nicht für mich drin sein; es stimmt ,was mir ein Kanadier bei der WM in Lahti sagte. Dass die Kurven nicht überhöht sind, ist nicht das schlimmste, die Bahnen sind nur 3  statt 4 Fuß breit, also statt 1,23 m halt nur ein Yard. Ich habe in Düsseldorf in der Halle trainiert, innen neben Bahn 1 volle Lotte zu laufen, ich kann’s und mit 1,70 m fliege ich auch nicht so leicht aus der Kurve wie die Freunde des langen Schrittes.

Vielleicht ist das mit dem Nordic -Walking mit Rollator ja doch der bessere Plan. Aber wie heißt mein Motto: ICH GEBE NIEMALS AUF, NICHT MAL MEIN GEPÄCK. Also nicht klagen, jetzt wieder Strom und dann trainieren.

Winfried

(Foto: Oldtimer, Rolf Handke; Uhr, Karin Jung; beide pixelio.de)