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Again

20. Oktober 2011

… und mehr aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Erika Sauer

7. Oktober 2011

Eine schöne Nachricht zum Wochenende. Wieder einmal hat es ein deutsche Senior, pardon: eine deutsche Seniorin geschafft, eine Wahl zur „EBV“ (European Best Veteran) zu gewinnen: Mehrkämpferin Erika Sauer, W 70, SpVgg. Warmbronn.

Im Vorjahr bereits deutsche „Seniorensportlerin des Jahres“ nach Wahl durch die Leser des Magazins „Senioren Leichtathletik“, steigt Erika Sauer nun eine Stufe höher und wird auf europäischer Ebene als Leichtathletikseniorin des Jahres 2011 ausgezeichnet.

Mit Wolfgang Reuter (TSV Klausdorf) fing 2005 alles an, dann folgten 2006 Melitta Czerwenka-Nagel (LAG Saarbücken), 2008 Wolfgang Ritte (Weseler TV) und 2009 Guido Müller (TSV Vaterstetten).

Mit diesen Best-of-Ehrungen, vom Weltverband WMA, vom europäischen Partner EVAA und durch das Magazin „Senioren Leichtathletik“, wird die große Bedeutung des Seniorensports in der Leichtathletik national wie international herausgestellt.

Herzlichen Glückwunsch an Erika Sauer, die in Gent wie auch in Sacramento erfolgreich wie keine andere war und als I-Tüpfelchen in den Staaten gar noch einen Weltrekord im Siebenkampf aufstellte. Deutschland hat mit Erika Sauer eine weitere Botschafterin für die Seniorenleichtathletik.

Bei den Männern gewann Dreispringer Stig Bäcklund. Der Finne ist seit Jahren in seiner Disziplin der Weltbeste (und Rekordhalter) und konnte in Gent wie in Sacramento jeweils mit großem Abstand gewinnen. Die Ehrung der European Best Veterans erfolgt Ende Januar 2012.

Nota bene:
Das Council des Leichtathletik-Weltverbandes der Senioren (WMA) hat übrigens entschieden: Auch 2011 kommen die weltbesten Senioren aus Ozeanien. Im Vorjahr waren es zwei Australier, dieses Mal fiel die Wahl auf Lyn Ventris (W 50, Australien) und auf Ron Robertson (M 70, Neuseeland).
Beide werden zur IAF-Gala am 12. November nach Monaco eingeladen und dort geehrt.

Stück Metall

27. Juli 2011

Gefunden im Blog von Sprinter und Fotograf Tom Philipps (GB). So offen, persönlich  und ehrlich, wie ich Tom schätze. Und wissen Sie was? Er hat recht:

„Meine regelmäßigen Leser wissen, dass ich an den Seniorenweltmeisterschaften der Leichtathleten in Sacramento, Kalifornien, teilnehmen wollte – nach zwei Jahren, in denen sich dieser Mastersathlet mit Verletzungen und Depressionen herumschlagen musste. Inzwischen bin ich  seit ein paar Tagen von dort wieder zurück. Mir schwirren einige unsortierte Gedanken durch den Kopf. Der Jetlag ärgert noch meinen Körper und natürlich habe ich auch diese übliche Probleme mit dem Immunsystem nach Meisterschaften – also eine richtig fette Erkältung.

Aber ich hab ja mit meiner 4 x 100m-Staffel diese Silbermedaille gewonnen, die ich als Entschädigung für alles nehmen könnte. Ja, eine Medaille entschädigt tatsächlich für alles und ich freu mich wahnsinnig über sie, muss ich sagen. Nun soll nicht auch noch in diesem Blog auf die lokalen Organisatoren der WM in Sacramento geschimpft werden –obwohl ich das angesichts der vielen, einfachen und vermeidbaren Fehler in Sacramento  schon verdammt gern täte. Es genügt wohl festzustellen, dass sie’s –wie ich das sehe- versemmelt haben. Sie ließen ausgezeichnete Offizielle, Kampfrichter und freiwillige Helfer mit Konzepten und Vorgaben im Regen stehen, die einfach schlecht und voller Fehler waren. Dabei ist für mich auch  klar, dass die gastgebende Sac State Universität die Veranstalter regelrecht ausgenommen und bloß versucht haben, viele, viele Dollars mit der WM zu machen.

Andere werden das alles im Nachhinein besser kritisieren können. Oder sie stecken, wie World Masters Athletics, einfach den Kopf in den Sand und tun so, als ob nichts falsch gelaufen wäre. Es ist eben in den USA viel bequemer, die US-Athleten für ihre –vielfach tatsächlich – großartigen Leistungen zu bejubeln als zu schreiben, „die Organisatoren haben die WM vermasselt“. Dabei hatten die im Vorfeld erklärt, sie als Veranstalter hätten von den Fehlern bei früheren Meisterschaften gelernt. Aber es war ganz das Gegenteil! Die Organisatoren dieser WM haben tatsächlich so viele wirklich grundlegende, schwere Fehler gemacht, dass die Macher künftiger WM dann überhaupt keine Probleme haben werden, wenn sie bloß diese Fehler  vermeiden. Vielleicht sollten wir sogar alle wirklich dankbar dafür sein, dass die Organisatoren in Sacramento uns an den wirklich schalen Beigeschmack erinnert haben, der zurückbleibt, wenn man auf einfache, grundlegende Dinge geradezu schei…t.

4x100m M55 Tom Phillips, Tony Wells, Wally Franklyn, Trevor Wade v. lks

Vor allem für eine Tatsache habe ich wirklich überhaupt kein Verständnis. Sie haben vielleicht bemerkt, dass ich von der Silbermedaille geschrieben habe, die ich nehmen  „könnte“. Nun erstmal, Gold wäre natürlich auch gut gewesen, aber die US-Staffel war an dem Tag einfach besser. Und sogar mit einer Bronzemedaille wäre ich zufrieden gewesen, weil die Australier uns so verdammt nah kamen. Aber heute habe ich in Wahrheit gar nichts, keine Medaille. Weil die Organisatoren es nämlich tatsächlich geschafft haben, dass keine Medaillen mehr da waren.

Das muss man einen Moment sacken lassen. Eine Gold, eine Silber, eine Bronze pro Wettkampf. Plus je vier davon für die drei besten Staffeln. Vielleicht noch ein paar Extra, wenn Athleten gleiche Leistungen erreichen. Jedes Schulkind könnte die Zahl der nötigen Medaillen an den Fingern abzählen – ganz ohne Computer. Und dann dieser Fehler! Bei einer internationalen Meisterschaft in einem Land, das von sich im Brustton der Überzeugung glaubt, wirklich alles zu kennen und zu wissen, was notwendig ist. Ja, es stimmt wirklich:  Einen Tag vor dem Ende der WM hatten sie keine Medaillen mehr.

4x100m WM Sacramento Staffelstab-Übergabe von Wally Franklyn an Tom Phillips (übrigens sehr weit) links 😉

Ich gebe zu, dass ich seit 2007 in diesen Dingen etwas vorgeschädigt bin. Denn bei meiner ersten Masters-WM in Riccione (Italien) habe ich in der Staffel wirklich alles gegeben und wir schlugen die USA. Wir hatten Gold, entgegen allen Prognosen. Als es dann aber zur Siegerehrung ging, machten die Offiziellen plötzlich eine ganz lange Mittagspause. Danach  wollten sie den Zeitplan wieder einholen und strichen deshalb einfach mal eine ganze Anzahl von Siegerehrungen. Da waren wir wirklich angefressen. Ich meine, dass war meine erste große Goldmedaille und diese bei einer Siegerehrung vor all meinen Freunden, Fotografen und den anderen Athleten überreicht zu bekommen, entschädigt für so vieles, was ich mir mit diesem verrückten Sport da antue und dass es sich doch lohnt und zu zeigen:  Hier gibt es diese Auszeichnung, und nicht nur für einen selbst. Ein bisschen Anerkennung braucht der Mensch. Das braucht man für sich einfach. Mit anderen Worten: ich brauchte diese Anerkennung für mich und meine Motivation. Auf dem Weg aus dem Stadion zum Bus bekamen wir die Medaille dann einfach so von einem Offiziellen in die Hand gedrückt  – das brachte es wirklich nicht.

Zwei Jahre später war dann in Finnland die Siegerehrung mit der Staffel ein großartiges Erlebnis. Sie entschädigte ein riesiges Stück für das deprimierende Erlebnis, in Lahti eine Einzelmedaille über 200m um ganze 2 Hundertstel verpasst zu haben. Wenn Sie in diesem Blog etwas zurück blättern, finden Sie die ganze Geschichte einschließlich des Zielfotos. Diese Staffelmedaille in Lahti erinnerte mich deshalb daran, niemals aufzugeben und an alle diese Weisheiten, die vielleicht abgedroschen klingen. Aber wenn man so viel wie ich in diese Sache investiert, wenn man immer wieder und meist allein trainiert, dann will man einfach allen, die in der Familie, als Mediziner, Physios und sonst wie dabei mithelfen, zeigen, dass auch sie es wirklich gut gemacht haben. Diese Anerkennung durch ein bloßes Stück Metall an einem Band ist viel mehr als die Summe einzelner Teile.

Witzigerweise sagte mir bei der Siegerehrung in Lahti meine innere Stimme: „Ist das jetzt so gut, wie es sich anfühlt? Kannst Du eigentlich damit umgehen?“ Ich konnte es nicht, wie mir meine Tiefs aufgrund von Verletzungen und anderen Dinge dann gezeigt haben. Zu der Zeit war es mir nicht bewusst, aber inzwischen weiß ich, dass ich diese negative Stimme einfach umdrehen und sagen muss: “Wenn das so geil ist, wie es sich anfühlt, war es verdammt gut.“

Vielleicht war es besser denn je. Vor Sacramento stand es jedenfalls 2:0 für uns gegen die Yankees. Ein Hattrick wäre nicht schlecht gewesen. Doch zunächst verletzten sich Big Geoff und Eric während der WM, aber Wally, Tony,  Trevor und ich waren doch noch ein ziemliches starkes Quartett. Aber die Amis starteten zuhause und mussten auch nicht halb um den Erdball anreisen. Und dann waren sie auch einfach schneller als wir. Dieses Mal.

Egal, aber einfach durch dieses Stück silberfarbenes Metall an einem Band, wollte ich sehen, fühlen und  hören, wie nah wir dran waren. Um zu wissen, dass sich all die Anstrengungen, die Schmerzen und der verdammt harte Einsatz (von mir und denen um mich rum) immer noch auszahlen und der Erfolg allemal ein verdammt guter Grund ist, weiterzumachen und es das nächste Mal wieder zu versuchen:  Schnellster sein.

Das aber haben uns die Organisatoren in Sacramento einfach geklaut – durch ihre schiere Naivität. Jetzt werden sie mir wohl die Medaille per Post schicken, natürlich. Aber dies ist ja nichts. Wie habe ich mich angesichts dessen gefreut, als die britischen Athleten und Fans bei der Siegerehrung im Chor „You’ll never walk alone“* sangen.

Keine Frage, die Medaille ist persönliche Anerkennung, doch sie würdigt auch die Leistung des ganzen Teams – am Tag des Erfolgs ebenso wie nach der Rückkehr zuhause. Seltsamerweise ist es das, was der Fehler der Organisatoren in Sacramento mir noch einmal klar gemacht hat.

Wolken haben Silberstreifen.“

—————–

* zum Beispiel so bei der M35

Fotos: (c) Tom Phillips -mehr von ihm in seinem Blog und über Twitter „tomsprints“

Übersetzung durch annettesseite – so gut es ging. Fehler bitten wir daher nachzusehen und sind für Korrekturen (bitte an annette (at) koop.de) dankbar 🙂

Wahre Finnen

23. April 2011

Wenn es um die Darstellung des eigenen Landes geht, wenn es um die Nation Finnland geht, wenn es um Zusammenhalt geht, dann ist diese kleine Nation Finnland ganz groß. Erst recht im Sport. Leichtathletik-Länderkämpfe gegen Schweden z.B. elektrisieren auch heute noch das ganze Land und bei internationalen Meisterschaften wird auch noch der letzte Finne überzeugt, sein Land zu vertreten. Und so tritt dann an die Startlinie der „wahre Finne“, der sein letztes Hemd gibt, um die Ehre der Nation einzubringen.

2009 sah Finnland das wohl bislang beste Beispiel, wie man eine Nation vertreten kann. Über 1500 finnische Masters fuhren ins Ski-Sprung-Mekka nach Lahti und nahmen an den Weltmeisterschaften der Masters teil. 1500 Mastersathleten, das war ein Drittel aller Teilnehmer. 1500 Mastersathleten aus einem Land mit 5 Millionen Gesamteinwohnern. Im Vergleich dazu der nächste Organisator Sacramento, in Kalifornien liegend – 37 Millionen Einwohner.

Lob über Lob ob der Organisation „The best ever“ ließ Interimspräsident Tom Jordan zum Ende der WM 2009 verlauten und dazu die Nachricht, dass der Medaillenspiegel eine klare Aussage traf zum Erfolgsbild. Finnland war 2009 die Nummer Eins in der Masterswelt.

Ähnlich sieht es immer aus, wenn in Deutschland eine internationale Mastersmeisterschaft über die Bühne geht. Aus dem DLV-Gebiet kamen immer (und teils mehr als) 50% der Gesamtteilnehmer. Ein Zeichen, dass auch in Deutschland die Herausforderung einer solcher Meisterschaft angenommen wird.

Nun also sind die USA an der Reihe; nach 1995 ein weiteres Mal. Damals kamen wie just in Finnland so um die 5300 Teilnehmer nach Buffalo; darunter waren knapp 1800 US-Boys und -Girls, die an die Grenze zu Kanada fuhren und sich als Nation Nummer Eins in der Masterswelt präsentierten.

Doch „tempora mutantur“. Das Interesse in den Staaten hat erheblich nachgelassen. Bis wenige Stunden vor der Meldefrist hatten sich keine 1000 US-Senioren eingetragen. Sie, die jahrelang darum gekämpft hatten, dass sie, die US’ler, endlich mal wieder an der Reihe waren, strafen eigentlich das Begehren mit Lügen. Zwar können noch etliche Meldungen eingehen, aber bislang ist von großer Euphorie nicht gerade die Rede.
Anders ausgedrückt: die Finnen sind die wahren Senioren. Oder?

Jyväskylä wird 2012 bei der Hallen-WM erneut zeigen, dass die ‚wahren Finnen‘ im Sport zu finden sind, auch wenn es (politische) Zweifel gibt, dass sie auch die ‚wahren EURO-päer‘ sind.

Ach ja: Online können (erst einmal) noch bis zum Ostersonntag Meldungen abgegeben werden. Auch für Deutsche und andere Mitteleuropäer  geht das bis zum 24. April, 20.59 Uhr. Bisher nämlich  stehen erst 195 Masters aus Deutschland auf der Liste…

Ein Kommentar von Ralf Peters

Makulatur

1. März 2011

Jedes Gemeinwesen lebt davon, dass es eine Vereinbarung über sein Zusammenleben und –wirken abgeschlossen hat. Nur so kann ein solches existieren. Dies hat bereits Jean-Jacques Rousseau in seinem im Mai 1762 erschienenen Werk „Der Gesellschaftsvertrag“ erkannt. Dies gilt insbesondere für einen Staat, der sich eine Verfassung gibt, aber auch für Gemeinwesen innerhalb eines Staatsgebildes, zum Beispiel eine GmbH, aber auch einen Verein oder einen Fachverband. Im Sport sind es die internationalen und nationalen Verbände, die sich Satzungen geben, um ihr Zusammenwirken grundlegend zu regeln. In der Leichtathletik sind dies für Senioren die Satzungen des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) sowie des „World Masters Athletics (WMA)“  im internationalen und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für den nationalen Bereich. Sowie Verstöße gegen das Grundgesetz Verfassungsverstöße bedeuten, sind die nationalen und internationalen Sportfachverbände an ihre selbst gesetzten Grundgesetze, also die jeweiligen Satzungen gebunden. Regelungen, die gegen das Grundgesetz verstoßen, sind verfassungswidrig, solche, die gegen Satzungen von Fachverbänden verstoßen satzungswidrig.

Der Verbandsrat des Deutschen Leichtathletik-Verbandes,nach dem Verbandstag das höchste Gremium dieses Verbandes, hat nunmehr auf seiner letzten Sitzung im Zusammenhang mit den Deutschen Hallenmeisterschaften die Seniorenaltersklassen erst mit den Klassen M/W 40 beginnen lassen, also die bisherigen der M/W 30 und M/W 35 ersatzlos gestrichen. Entsprechende Änderung der Leichtathletik-Ordnung haben die Mitglieder des Verbandsrates, also die Präsidenten der 20 Landesverbände und die Präsidiumsmitglieder des DLV beschlossen. Hierzu waren sie satzungsgemäß berufen, weil Änderungen der LAO vom Verbandsrat vorzunehmen sind. Damit dieser Beschluss aber nicht in den Verdacht gerät, dass die selbst (vom DLV) oder von den internationalen Verbänden (IAAF oder WMA) nur Makulatur sind, stellen sich die vielen betroffenen Seniorenleichtathleten U40 die Frage, ob ein solcher Beschluss rechtens ist oder gegen das „Grundgesetz der Leichtathleten“ verstößt.

Der DLV ist zunächst sowohl Mitglied der IAAF als auch der WMA. Damit erkennt er deren Regelwerk an. Selbstverständlich kann er, von deren Vorschriften abweichende Regeln treffen, also solche, die nur „national“ gelten. Die internationalen Fachverbände, also IAAF und WMA, geben die Altersklassen der Senioren vor: Sowohl in Regel 141 der IAAF-Satzung als auch in der Regel 141 der WMA-Satzung wird vorgegeben, dass die Senioren mit der jeweiligen Altersklasse M/W 35 beginnen, dass also auch diejenigen Senioren sind, die das 35. Lebensjahr vollendet haben, aber noch nicht 40 sind. Denn dort heißt es:

IAAF:
„Altersklassen bei IAAF-Veranstaltungen: Senioren/Seniorinnen: für Stadionwettbewerbe: jeder Athlet, der seinen 35. Geburtstag erreicht hat, für Wettbewerbe außerhalb des Stadions: jeder Athlet, der seinen 40. Geburtstag erreicht hat.“

WMA:
„Wettkämpfe werden nur in den unten angegebenen Altersklassen durchgeführt:
Alter: 35-39 M 35 +W 35“

Ist dies international festgelegt, fragt es sich, ob der nationale Fachverband hiervon zulasten einer Altersklasse, derjenigen der M/W 35, abweichen darf (Bislang ist der DLV zugunsten einer Altersklasse, nämlich der M/W 30 bereits abgewichen, die er in die Senioren miteinbezogen hat). Die Satzung des DLV, dessen Grundgesetz, das für jeden, also nicht nur für Athleten und Vereine, sondern auch für die Gremien, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen des Verbandes, verpflichtend ist, schreibt in § 2 unter anderem Folgendes vor: Der Verband ist verpflichtet, „die Leichtathletik im Gebiet der ihm angeschlossenen LV in Übereinstimmung mit den Regeln der International Association of Athletics Federations (IAAF) einheitlich auszurichten“ („ 2 Abs. 1.1 der Satzung). Der nunmehrige Beschluss des DLV-Verbandsrates setzt somit die Vereinheitlichungsverpflichtung der DLV-Satzung außer Kraft, lässt sie zur Makulatur werden. Der Verband ist zur Vereinheitlichung verpflichtet, ihm ist es satzungsgemäß untersagt, Beschlüsse zu verabschieden, die dem entgegenstehen, also eine
Altersklasse vom Seniorenwettkampfbetrieb auszuschließen. Zumindest die Abschaffung der Altersklassen M/W 35 verstößt daher gegen die DLV- Satzung und damit gegen das „Grundgesetz der Leichtathleten“. Und dies zulasten einer Altersklasse. Zwar bestand auch schon vor dem Verbandsratsbeschluss eine Uneinheitlichkeit, weil national auch die Altersklasse M/W 30 angeboten worden ist. Diese nationale Besonderheit benachteiligte jedoch keinen Athleten. Die Abschaffung
der Altersklasse M/W 35 benachteiligt dagegen die 35-40jährigen Senioren, weil sie
nunmehr keine eigene Altersklasse mehr haben.

Schließlich ist der Verband satzungsgemäß auch verpflichtet, alles zu tun, um Athleten auf internationale Meisterschaften vorzubereiten, also auch Senioren der Altersklasse M/W 35 auf die entsprechenden europäischen und Weltseniorenmeisterschaften. Mit der Streichung dieser Altersklassen verletzt der Verbandsratsbeschluss demzufolge auch die sich aus § 2 Abs. 1.5. der DLV-Satzung ergebende Verpflichtung, den in Frage kommenden Athleten Möglichkeiten der Vorbereitung zu geben.

Wenn eine Satzung daher keine Makulatur werden soll, ist der in Leipzig gefasste Verbandsratsbeschluss der DLV-Satzung anzupassen, ihn verfassungskonform zu machen, also zumindest die Altersklassen M/W 35 wieder in das Seniorenangebot aufzunehmen. Die Ausdehnung auch auf die Klassen M/W 30 weicht zwar auch von den internationalen Vorgaben ab, ist jedoch unschädlich, weil dadurch kein einziger Athlet benachteiligt, sondern eine Vielzahl von Athleten zusätzlich bei der Leichtathletik gehalten werden, die man ansonsten mangels entsprechenden Wettkampfangebotesverschreckt.

Ein Kommentar von Blasius Hippel

Meldefalle

5. Januar 2011

Auf einigen Insider-Kanälen hat sich mittlerweile herum gesprochen, dass der DLV kurz vor Weihnachten heimlich still und leise die Ausschreibung für die Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften 2011 in Erfurt (Erfurter Kramerbrücke, Foto re.) „ins Netz“ gestellt hat. Leider bleibt diese Version insbesondere älteren  Athletinnen und Athleten wegen eines fehlenden Internetanschlusses verborgen. Hinweise auf die verkürzten Qualifikationszeiträume erfolgten von eifrigen Surfern auf verschiedenen Ebenen. Aber diese Hinweise reichen bei weitem nicht, denn hinter der Ausschreibung verbirgt sich richtiger Zündstoff.

Die Stimmung der Athletinnen und Athleten ist in letzter Zeit sowieso durch die undurchsichtigen Planungen des DLV im Meisterschaftsbereich mit dem von der WMA und EVAA abweichenden Beginn der Altersklassen und den unterschiedlichen Maßen und Gewichten mehr als beansprucht. Die von der Athletenvereinigung proMASTERS angestrebte Harmonisierung scheint  in weite Ferne zu rücken.

Aber zurück zum Thema:

Dass man rechtzeitig Ausschreibungen veröffentlicht, ist erstrebenswert und organisatorisch sinnvoll – erst vier Wochen vor einem Meldeschluss aber doch eher peinlich und wenig athletenfreundlich. Und dann werden in dieser Ausschreibung auch noch klammheimlich Verschärfungen für eine Teilnahme aufgenommen, die nicht jeder Athlet oder Verein erkennt. Gespannt darf man sein, wie die Teilnehmerlisten mit der eingeschränkten Teilnahmeberechtigung aussehen werden. Hallenleistungen bis 31.10.2010 werden ja nicht mehr anerkannt. Nur noch Freiluftleistungen aus 2010 und Hallenleistungen ab 01.11.2010. Da werden sicher viele Athleten (darunter Deutsche-, Europa- und Weltmeister) und Vereine sorglos und wie immer ihre Hallenbestleistungen aus 2010 angeben, ohne zu merken oder zu wissen, dass damit ihre Teilnahme ausgeschlossen ist (wird).

Denn wie steht in der „Allgemeinen Ausschreibung zur DM“? – „Unvollständige oder fehlerhafte Meldungen werden vom Landesverband nicht berücksichtigt. Eine Benachrichtigung darüber erfolgt nicht!“. Die böse Überraschung erfolgt dann für alle in Erfurt.

Hier erhebt sich sowieso die Frage, wie die Landesverbände eine Kontrolle über eine Startberechtigung durchführen wollen und sollen. Derzeit gibt es in den Verbänden und beim DLV noch keine Datenbank, die alle Seniorenergebnisse erfasst. Und was machen die Athleten, die im Sommer pausierten oder gesundheitlich nicht starten konnten? Denn offene Hallenwettkämpfe für Senioren werden erst nach dem Meldeschluss am 24.01.2011 angeboten! Also zu spät! Soll der Athlet oder Verein doch sehen, wie er zu seinen Qualifikationsleistungen kommt. Und was ist eigentlich mit neuen Startgemeinschaften, die sich für die 4 x 200 m Staffeln qualifizieren müssten? All diesen Athleten oder Vereinen hilft nur noch ein rechtzeitiger Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung beim DLV oder der Vorsitzenden des Bundesausschusses Senioren.  Aber welcher Athlet und Verein weiß das schon und kann rechtzeitig darauf reagieren? Viele Fragen, die sich aus einer kurzfristigen und unüberlegten Ausschreibung ergeben. Auf Einsprüche und Proteste darf man gespannt sein, insbesondere wenn nicht einmal im Vorfeld über eine Nichtteilnahme informiert wird. Wie viele Athleten reisen an und dürfen nicht starten?

Es bewegt sich also doch etwas in der Seniorenleichtathletik, auch ohne dass sich irgend ein Athlet bewegt. Aber wohin und warum ohne die Athleten?

Fazit:

-darauf achten, dass die Qualifikationsleistungen aus der Freiluftsaison 2010 oder aus der Hallensaison ab 01.11.2010 stammen

-für alle Staffeln und Startgemeinschaften ganz schnell noch irgendwo an einem offiziellen Wettkampf laufen (es bleiben noch 3 Wochen Zeit)

-ansonsten bleibt nur der Weg über einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung beim DLV oder der Vorsitzenden des Bundesausschusses Senioren

Dieter Tisch

PS: Auch ich bin Antragsteller..

(Foto © asminhasferias CC )

Frohlocken

11. November 2010

Kleinhirn an Großhirn: Frohlocken! Anders als bei unserem kleinen belgischen Nachbarn für die Hallen-EM vom 16. bis 20. März 2011 in Gent konnte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die Online-Anmeldung zur Senioren-WM vom 6. bis 17. Juli 2011 bei unserem großen amerikanischen „Bruder“ in Sacramento/Kalifornien (USA) nicht verhindern. Wie unschwer auf der Homepage der WMA, des Senioren-Weltverbandes, unter www.world-masters-athletics.orgnachzulesen ist, hat das WMA-Präsidium einstimmig den Organisatoren grünes Licht für die beabsichtigte Online-Anmeldung gegeben. Und zwar ab sofort, genauer: bereits ab 01. November 2010.
Die Vorteile liegen auf der Hand und machen sich obendrein in barer Münze bezahlt. Es fängt damit an, dass die virtuelle zur herkömmlichen Meldung über den eigenen nationalen Verband vorab mit zehn US-Dollar rabattiert wird. Ferner entfallen die zehn Euro Bearbeitungsgebühr beim DLV und dessen ungünstiger Umrechnungskurs von linear 1,25 $ pro Euro (aktuell 1,43 $ bei steigernder Tendenz). Das hat den Geruch von modernem Raubrittertum. Oder netter formuliert: Unser aller Verband in Darmstadt befürchtet stündlich den wirtschaftlichen Kollaps des alten Kontinents und zugleich die wundersame Auferstehung von Obama-Land. Beides mehr als unwahrscheinlich bis zum offiziellen Meldeschluss am 24. April 2011.
Der Veranstalter und sein Service-Anbieter „Simply Register“ verbürgen sich dafür, dass keine persönlichen Daten weitergegeben und keine Kreditkarten-Informationen gespeichert werden. Womit wir sogleich bei den erforderlichen Voraussetzungen wären: Natürlich bedarf es eines Internet-Zuganges und den Einzug des Meldebetrages über eine Kreditkarte. Nebenbei bemerkt: Bei erfolgter Online-Anmeldung kann der/die Teilnehmer/in jederzeit Änderungen  vornehmen und hat einen besseren Zugang zu allen Informationen im Vorfeld der Titelkämpfe.
Bleibt der Hinweis auf die Veranstalter-Website: www.wma2011.com

Geschrieben von: Axel Hermanns, lampis.net

(Foto: American Dollar © thinkpanama)

Rekorde

19. September 2010

Seit Jahren ein Dauerbrenner: die Mastersrekorde. Jüngstes Beispiel dazu gestern in Gleina, wo die DM im Straßengehen stattfand. Über 50 km Gehen gibt es mehrere Rekorde:

Die  der Liste der WMA enthält einen anderen Weltrekord als die Rekord-Liste der sehr versierten Italiener. Bei den Europäern gibt es gar keinen Rekord über 50 km .

Also:_ „Der Dumme im Leben ist immer der Sportler“. So möchte man einen Schlager von Chris Howland und Fred Bertelmann aus den 1950ern gern umbenennen. In Gleina bei den Straßenmeisterschaften der Geher war dieser Sportler der Este Kalju Niidusaar (Foto unten), der vor einem Vierteljahr 65 Jahre alt geworden ist und nun versucht, Rekord an Rekord zu gehen. In Gleina bot sich bei einem Klassefeld die Gelegenheit. Doch welchen Rekord sollte er gehen? Den Rekord, den die WMA festhält? Den Rekord, den die EVAA festschreibt? Den Rekord, den Briten, Spanier oder Italiener festhalten? Oder vielleicht den Rekord, den ein Statistiker privat notiert, da er besser informiert ist als die gewählten Statistikexperten der Verbände?

Es mutet fast so an, als befänden wir uns in der Leichtathletik auch in Box-Zuständen. Hier kämpfen im wahrsten Sinne des Wortes vier Verbände um die Herrschaft und um das Sagen weltweit, WBA, WBC, IBF und WBO. Jede Organisation mit dem selben Anspruchsdenken.

Doch so etwas tut der Leichtathletik überhaupt nicht gut. Die Verbände und auch die Statistiker sollten bemüht sein, eine einheitliche Linie zu fahren statt individuelles Denken in den Vordergrund zu stellen. Das Ganze dann zeitnah oder in einem festgelegten Rhythmus der Öffentlichkeit preisgeben. Derzeit ist das Durcheinander riesengroß. Privatstatistiker haben andere Daten als der Weltverband und der Europaverband.

Sieger ist keiner bei diesem „Wettstreit“; der Verlierer hingegen ist bekannt: es ist der Masterathlet.

(Foto: WMA-Rekordseite/Ausschnitt; Kalju Niidusaar Foto: privat)

Übertreten

18. April 2010

Ab 2010 gilt die neue Fehlstartregel: Wer fehl startet, scheidet aus. Wie es die WMA und andere Masters-Organisationen halten, ist unklar, denn Masters machen oft noch Fehlstarts. So auch bei der neuen Punktewertung nach (Bernd) Rehpennig (WMA Modell 2010 – kann auf der Website  der WMA runtergeladen werden). Kaum war sie 2009 einschlägig bekannt worden, kursierten nach Lahti 2009 auf Ken Stones Website Punkte-Umrechnungen, die meisten mehr oder weniger unrichtig. Und im neuen Jahr setzt sich das fort. Und nicht mehr nur auf Ken Stones Website feiert das Fehlerteufelchen Urständ, sondern auch bei Annettes Meldung vom 13.04.2010!

Das Beispiel gefällig? Bitte:

Da findet in Borken am 10. April 2010 ein qualitätvoller Masters-Werfer-Fünfkampf statt. Qualitätvoll nicht zuletzt deswegen: Susanne Wissinger, W75, wirft hervorragend. So gut wirft sie, dass ihr 4796 Punkte gutgeschrieben werden. Diese 4796 Punkte werden mit den in den EVAA-Rekordlisten geführten 4594 Punkten der Finnin Kaija Jortikka aus dem Jahre 1998 verglichen und festgestellt: Hurra! Europarekord um 202 Punkte verbessert. Und was ist mit dem Weltrekord? Nun, bis die Schnarchsäcke der WMA die WR-Listen korrekt nachgeführt haben, kann man sich auf den Nimmerleinstag vertrösten. Denn dort wird Kortijka mit einer tieferen Punktzahl (4539) geführt, die sie 1999 bei der WM in Gateshaed (also ein Jahr später!) erreicht hatte und im Gegensatz zu der ER-Liste der EVAA, in der die Einzelleistungen aufgeführt sind, sind auf der WR-Liste der WMA keinerlei Einzelleistungen aufgeführt: soviel zur Verlässlichkeit der WMA-Rekordlisten. Nun hatte aber an den WMG in Sydney Doherty Heather am 15. 10. 2009 ganze 4864 Punkte erreicht, mithin eine in Punkten bessere Leistung, als in den offiziellen WR- und ER-Listen. Somit, schliesst man bei Annette messerscharf: kein WR für Susanne Wissinger!

Falsch! Susanne Wissingers 4796* Punkte sind mit der neuen Wertung (WMA Modell 2010) errechnet worden, dahingegen Heathers und Jortikkas Punkte mit der alten. Wieder mal der alte Äpfel-mit-Birnen-Vergleich!

Also, nochmals:

„Auf die Plätze“:

Mit der alten Wertung gerechnet erreichte
Kaija Jortikka 1998: 4594 Punkte;
Doherty Heather 2009: 4864 Punkte;
Susanne Wissinger 2010: 5291 Punkte.

„fertig“:

Mit der neuen Wertung gerechnet erreichte
Kaija Jortikka 1998: 4157 Punkte;
Dojerty Heather 2009: 4425 Punkte;
Susanne Wissinger 2010: 4794* Punkte.

(*Die in Borken errechneten 4796 sind um 2 Punkte zu hoch, da dort beim Umrechnen des Speerwurfresultates ein Rundungsfehler begangen wurde. Wie beim Umrechnen vorzugehen ist, ist in den Reglementen und Appendices der IAAF und der WMA genau beschrieben. Leider wird das von verschiedenen im Umlauf befindlichen Umrechnungsprogrammen nicht berücksichtigt.)

Das ist zwar kein Fehlstart, denn im Werfen gibt es das nicht, aber es ist:
ÜBERTRETEN!

Pino Pilotto, untröstlich

ps Alles haarklein hier

Sacramento

16. März 2010

Ich hab schon mal einen kleinen Blick in das kommende Jahr geworfen. Die nächste Masters-WM steht an. Austragungsort ist Sacramento, die Hauptstadt des US-Bundesstaats Kalifornien. Wenn ich gesund bleibe, möchte ich gern dabei sein. Mit meinen (Schul-)Ferien passt es so gerade. Der 6. Juli, der erste WM-Tag. ist mein letzter (Niedersachsen-)Schultag vor den Sommerferien. Andere deutsche Leichtathletikmasters werden es schwerer haben. Denn am 7. Juli haben die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen noch längst keine Sommerferien. Sacramento!