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Gottvater

22. Januar 2014

Bildschirmfoto 2014-01-22 um 06.36.58Natürlich wäre Lidia Zentner noch 5 Hundertstel schneller gewesen, wenn Trainer Herbert Jaehtzen irgendwann während des Laufes (und nicht erst 30m vor dem Ziel) auf den möglichen WR hingewiesen hätte, womit der Schuldige für ein kleines Dilemma gefunden ist: Seit Samstagabend rätselt nämlich die Läufergemeinde unter den bundesdeutschen Seniorenleichtathleten, ob die einmalige Lidia Zentner (Foto unten © H. Jaehtzen) einen 3000m-Hallenweltrekord ihrer neuen Altersklasse W60 gelaufen ist. Für manche Puristen ist die Sache von vornherein klar. Sie  nämlich kennen in den Altersklassen keine Rekorde sondern allenfalls „Bestleistungen“. Doch es geht weniger um Wortklaubereien als darum, wie die 3000m-Zeit von Lidia Zentner beim 25. Seniorensportfest des LAC Quelle Fürth einzuordnen ist: 11:16,54 min.

Bildschirmfoto 2014-01-22 um 06.25.55Denn in den Büchern der WMA-Rekordwächter ist eine handgestoppte bzw. als handgestoppt gemeldete 11:16,5 von Kathryn Martin vermerkt, erzielt am 19. Januar 2012 in New York. Die erste Frage war also, was denn „besser“ sei: Handgestoppte oder elektronische Zeit. Beide gleich sagten die Regelkundigen. Doch dann fand der suchende Herbert Müller  einen veritablen Bericht in der New York Times und auch noch ein Video des Rekordlaufs der US-Amerikanerin (Foto lks) und schlussfolgerte, dass Kathryn Martins „Lauf elektronisch gestoppt wurde, ja so ist es, leider“, und er vermutete: „Ich habe den Eindruck, die Amis lassen die Null als letzte Ziffer hinter dem Komma einfach weg.):“  Coach Jaehtzen trauerte sogleich, aufgrund des Videos sei Lidia leider doch keinen Weltrekord gelaufen, denn Kathryn Martins Zeit wurde doch elektronisch gestoppt.

ZentnerSo viel Stress braucht es eigentlich nicht. Denn es gibt gleich doppelte Abhilfe.  Zunächst weiß Sportsfreund Dieter Massin:

Meine Meinung zum Rekord von Lidia Zentner, belegt durch knallharte Indizien :
(a) Ken Stone
nachweislich ist Ken Stone der Lordsiegel-Bewahrer aller Weltrekorde, die von US-Amerikanern erzielt wurden. Er hat bereits am 19. Januar auf seiner Netzseite über den Rekord von Lidia Zentner berichtet (siehe hier). Und er hat ihn akzeptiert. Punkt!
Mehr brauchte man eigentlich nicht, und dennoch hole ich weiter aus
(b) Sandy Pashkin
…Wenn Sandy in ihrer [WMA-Rekord-]Liste stehen hat 11:16,5 min, dann sind das 11:16,5 min und nicht 11:16,50 min. Das würde Sandy nie machen. Sie übernimmt belegte und nachweisbare Ergebnisse (während ihrer Amtszeit).
(c) Ergebnisliste
die Ergebnisliste des Meetings in New York weist bei allen Zeiten immer ein „Komma und eine Zehntelzahl“ aus; bei allen. (siehe hier)
Es kann doch wohl nicht sein, dass in der heutigen Zeit solche Handzeiten aufgeführt werden, wenn Elektronisches vorliegt.
Auch die US Amerikaner führen den selben Rekord als nationalen an (siehe hier).
(d) Videoaufzeichnung
diese Aufzeichnung sagt gar nichts. Ich frage:
1. wer hat das Video gemacht?
2. war dieses Video das offizielle Veranstalter-/Zeitnehmer-Video?
3. warum wird in der E-liste nicht davon berichtet?
Weitere Fragen verkneife ich mir.
(e) Wikipedia
leider führen weder Heckner noch Gasselsberger Hallenrekorde, so dass nur die WMA-Liste Auskunft gibt.
Summa summarum: Ken Stone, Gottvater der Seniorenszene, ist für mich in diesem Fall das Maß aller Dinge. Und das heißt:
Lidia Zentner ist neue Weltrekordhalterin. Punkt. Und kein Komma….“
Das wäre eigentlich schon ausreichend. Aber dann überlegt Lidia Zentner selbst, die Dinge zu klären und zwar  läuferisch. Das hat sie sich längst für die 3000m bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Senioren in gut fünf Wochen in Erfurt vorgenommen. Weiß Gott die beste Idee.
Bleib bis dahin gesund, Lidia!
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Stück Metall

27. Juli 2011

Gefunden im Blog von Sprinter und Fotograf Tom Philipps (GB). So offen, persönlich  und ehrlich, wie ich Tom schätze. Und wissen Sie was? Er hat recht:

„Meine regelmäßigen Leser wissen, dass ich an den Seniorenweltmeisterschaften der Leichtathleten in Sacramento, Kalifornien, teilnehmen wollte – nach zwei Jahren, in denen sich dieser Mastersathlet mit Verletzungen und Depressionen herumschlagen musste. Inzwischen bin ich  seit ein paar Tagen von dort wieder zurück. Mir schwirren einige unsortierte Gedanken durch den Kopf. Der Jetlag ärgert noch meinen Körper und natürlich habe ich auch diese übliche Probleme mit dem Immunsystem nach Meisterschaften – also eine richtig fette Erkältung.

Aber ich hab ja mit meiner 4 x 100m-Staffel diese Silbermedaille gewonnen, die ich als Entschädigung für alles nehmen könnte. Ja, eine Medaille entschädigt tatsächlich für alles und ich freu mich wahnsinnig über sie, muss ich sagen. Nun soll nicht auch noch in diesem Blog auf die lokalen Organisatoren der WM in Sacramento geschimpft werden –obwohl ich das angesichts der vielen, einfachen und vermeidbaren Fehler in Sacramento  schon verdammt gern täte. Es genügt wohl festzustellen, dass sie’s –wie ich das sehe- versemmelt haben. Sie ließen ausgezeichnete Offizielle, Kampfrichter und freiwillige Helfer mit Konzepten und Vorgaben im Regen stehen, die einfach schlecht und voller Fehler waren. Dabei ist für mich auch  klar, dass die gastgebende Sac State Universität die Veranstalter regelrecht ausgenommen und bloß versucht haben, viele, viele Dollars mit der WM zu machen.

Andere werden das alles im Nachhinein besser kritisieren können. Oder sie stecken, wie World Masters Athletics, einfach den Kopf in den Sand und tun so, als ob nichts falsch gelaufen wäre. Es ist eben in den USA viel bequemer, die US-Athleten für ihre –vielfach tatsächlich – großartigen Leistungen zu bejubeln als zu schreiben, „die Organisatoren haben die WM vermasselt“. Dabei hatten die im Vorfeld erklärt, sie als Veranstalter hätten von den Fehlern bei früheren Meisterschaften gelernt. Aber es war ganz das Gegenteil! Die Organisatoren dieser WM haben tatsächlich so viele wirklich grundlegende, schwere Fehler gemacht, dass die Macher künftiger WM dann überhaupt keine Probleme haben werden, wenn sie bloß diese Fehler  vermeiden. Vielleicht sollten wir sogar alle wirklich dankbar dafür sein, dass die Organisatoren in Sacramento uns an den wirklich schalen Beigeschmack erinnert haben, der zurückbleibt, wenn man auf einfache, grundlegende Dinge geradezu schei…t.

4x100m M55 Tom Phillips, Tony Wells, Wally Franklyn, Trevor Wade v. lks

Vor allem für eine Tatsache habe ich wirklich überhaupt kein Verständnis. Sie haben vielleicht bemerkt, dass ich von der Silbermedaille geschrieben habe, die ich nehmen  „könnte“. Nun erstmal, Gold wäre natürlich auch gut gewesen, aber die US-Staffel war an dem Tag einfach besser. Und sogar mit einer Bronzemedaille wäre ich zufrieden gewesen, weil die Australier uns so verdammt nah kamen. Aber heute habe ich in Wahrheit gar nichts, keine Medaille. Weil die Organisatoren es nämlich tatsächlich geschafft haben, dass keine Medaillen mehr da waren.

Das muss man einen Moment sacken lassen. Eine Gold, eine Silber, eine Bronze pro Wettkampf. Plus je vier davon für die drei besten Staffeln. Vielleicht noch ein paar Extra, wenn Athleten gleiche Leistungen erreichen. Jedes Schulkind könnte die Zahl der nötigen Medaillen an den Fingern abzählen – ganz ohne Computer. Und dann dieser Fehler! Bei einer internationalen Meisterschaft in einem Land, das von sich im Brustton der Überzeugung glaubt, wirklich alles zu kennen und zu wissen, was notwendig ist. Ja, es stimmt wirklich:  Einen Tag vor dem Ende der WM hatten sie keine Medaillen mehr.

4x100m WM Sacramento Staffelstab-Übergabe von Wally Franklyn an Tom Phillips (übrigens sehr weit) links 😉

Ich gebe zu, dass ich seit 2007 in diesen Dingen etwas vorgeschädigt bin. Denn bei meiner ersten Masters-WM in Riccione (Italien) habe ich in der Staffel wirklich alles gegeben und wir schlugen die USA. Wir hatten Gold, entgegen allen Prognosen. Als es dann aber zur Siegerehrung ging, machten die Offiziellen plötzlich eine ganz lange Mittagspause. Danach  wollten sie den Zeitplan wieder einholen und strichen deshalb einfach mal eine ganze Anzahl von Siegerehrungen. Da waren wir wirklich angefressen. Ich meine, dass war meine erste große Goldmedaille und diese bei einer Siegerehrung vor all meinen Freunden, Fotografen und den anderen Athleten überreicht zu bekommen, entschädigt für so vieles, was ich mir mit diesem verrückten Sport da antue und dass es sich doch lohnt und zu zeigen:  Hier gibt es diese Auszeichnung, und nicht nur für einen selbst. Ein bisschen Anerkennung braucht der Mensch. Das braucht man für sich einfach. Mit anderen Worten: ich brauchte diese Anerkennung für mich und meine Motivation. Auf dem Weg aus dem Stadion zum Bus bekamen wir die Medaille dann einfach so von einem Offiziellen in die Hand gedrückt  – das brachte es wirklich nicht.

Zwei Jahre später war dann in Finnland die Siegerehrung mit der Staffel ein großartiges Erlebnis. Sie entschädigte ein riesiges Stück für das deprimierende Erlebnis, in Lahti eine Einzelmedaille über 200m um ganze 2 Hundertstel verpasst zu haben. Wenn Sie in diesem Blog etwas zurück blättern, finden Sie die ganze Geschichte einschließlich des Zielfotos. Diese Staffelmedaille in Lahti erinnerte mich deshalb daran, niemals aufzugeben und an alle diese Weisheiten, die vielleicht abgedroschen klingen. Aber wenn man so viel wie ich in diese Sache investiert, wenn man immer wieder und meist allein trainiert, dann will man einfach allen, die in der Familie, als Mediziner, Physios und sonst wie dabei mithelfen, zeigen, dass auch sie es wirklich gut gemacht haben. Diese Anerkennung durch ein bloßes Stück Metall an einem Band ist viel mehr als die Summe einzelner Teile.

Witzigerweise sagte mir bei der Siegerehrung in Lahti meine innere Stimme: „Ist das jetzt so gut, wie es sich anfühlt? Kannst Du eigentlich damit umgehen?“ Ich konnte es nicht, wie mir meine Tiefs aufgrund von Verletzungen und anderen Dinge dann gezeigt haben. Zu der Zeit war es mir nicht bewusst, aber inzwischen weiß ich, dass ich diese negative Stimme einfach umdrehen und sagen muss: “Wenn das so geil ist, wie es sich anfühlt, war es verdammt gut.“

Vielleicht war es besser denn je. Vor Sacramento stand es jedenfalls 2:0 für uns gegen die Yankees. Ein Hattrick wäre nicht schlecht gewesen. Doch zunächst verletzten sich Big Geoff und Eric während der WM, aber Wally, Tony,  Trevor und ich waren doch noch ein ziemliches starkes Quartett. Aber die Amis starteten zuhause und mussten auch nicht halb um den Erdball anreisen. Und dann waren sie auch einfach schneller als wir. Dieses Mal.

Egal, aber einfach durch dieses Stück silberfarbenes Metall an einem Band, wollte ich sehen, fühlen und  hören, wie nah wir dran waren. Um zu wissen, dass sich all die Anstrengungen, die Schmerzen und der verdammt harte Einsatz (von mir und denen um mich rum) immer noch auszahlen und der Erfolg allemal ein verdammt guter Grund ist, weiterzumachen und es das nächste Mal wieder zu versuchen:  Schnellster sein.

Das aber haben uns die Organisatoren in Sacramento einfach geklaut – durch ihre schiere Naivität. Jetzt werden sie mir wohl die Medaille per Post schicken, natürlich. Aber dies ist ja nichts. Wie habe ich mich angesichts dessen gefreut, als die britischen Athleten und Fans bei der Siegerehrung im Chor „You’ll never walk alone“* sangen.

Keine Frage, die Medaille ist persönliche Anerkennung, doch sie würdigt auch die Leistung des ganzen Teams – am Tag des Erfolgs ebenso wie nach der Rückkehr zuhause. Seltsamerweise ist es das, was der Fehler der Organisatoren in Sacramento mir noch einmal klar gemacht hat.

Wolken haben Silberstreifen.“

—————–

* zum Beispiel so bei der M35

Fotos: (c) Tom Phillips -mehr von ihm in seinem Blog und über Twitter „tomsprints“

Übersetzung durch annettesseite – so gut es ging. Fehler bitten wir daher nachzusehen und sind für Korrekturen (bitte an annette (at) koop.de) dankbar 🙂

Makulatur

1. März 2011

Jedes Gemeinwesen lebt davon, dass es eine Vereinbarung über sein Zusammenleben und –wirken abgeschlossen hat. Nur so kann ein solches existieren. Dies hat bereits Jean-Jacques Rousseau in seinem im Mai 1762 erschienenen Werk „Der Gesellschaftsvertrag“ erkannt. Dies gilt insbesondere für einen Staat, der sich eine Verfassung gibt, aber auch für Gemeinwesen innerhalb eines Staatsgebildes, zum Beispiel eine GmbH, aber auch einen Verein oder einen Fachverband. Im Sport sind es die internationalen und nationalen Verbände, die sich Satzungen geben, um ihr Zusammenwirken grundlegend zu regeln. In der Leichtathletik sind dies für Senioren die Satzungen des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) sowie des „World Masters Athletics (WMA)“  im internationalen und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für den nationalen Bereich. Sowie Verstöße gegen das Grundgesetz Verfassungsverstöße bedeuten, sind die nationalen und internationalen Sportfachverbände an ihre selbst gesetzten Grundgesetze, also die jeweiligen Satzungen gebunden. Regelungen, die gegen das Grundgesetz verstoßen, sind verfassungswidrig, solche, die gegen Satzungen von Fachverbänden verstoßen satzungswidrig.

Der Verbandsrat des Deutschen Leichtathletik-Verbandes,nach dem Verbandstag das höchste Gremium dieses Verbandes, hat nunmehr auf seiner letzten Sitzung im Zusammenhang mit den Deutschen Hallenmeisterschaften die Seniorenaltersklassen erst mit den Klassen M/W 40 beginnen lassen, also die bisherigen der M/W 30 und M/W 35 ersatzlos gestrichen. Entsprechende Änderung der Leichtathletik-Ordnung haben die Mitglieder des Verbandsrates, also die Präsidenten der 20 Landesverbände und die Präsidiumsmitglieder des DLV beschlossen. Hierzu waren sie satzungsgemäß berufen, weil Änderungen der LAO vom Verbandsrat vorzunehmen sind. Damit dieser Beschluss aber nicht in den Verdacht gerät, dass die selbst (vom DLV) oder von den internationalen Verbänden (IAAF oder WMA) nur Makulatur sind, stellen sich die vielen betroffenen Seniorenleichtathleten U40 die Frage, ob ein solcher Beschluss rechtens ist oder gegen das „Grundgesetz der Leichtathleten“ verstößt.

Der DLV ist zunächst sowohl Mitglied der IAAF als auch der WMA. Damit erkennt er deren Regelwerk an. Selbstverständlich kann er, von deren Vorschriften abweichende Regeln treffen, also solche, die nur „national“ gelten. Die internationalen Fachverbände, also IAAF und WMA, geben die Altersklassen der Senioren vor: Sowohl in Regel 141 der IAAF-Satzung als auch in der Regel 141 der WMA-Satzung wird vorgegeben, dass die Senioren mit der jeweiligen Altersklasse M/W 35 beginnen, dass also auch diejenigen Senioren sind, die das 35. Lebensjahr vollendet haben, aber noch nicht 40 sind. Denn dort heißt es:

IAAF:
„Altersklassen bei IAAF-Veranstaltungen: Senioren/Seniorinnen: für Stadionwettbewerbe: jeder Athlet, der seinen 35. Geburtstag erreicht hat, für Wettbewerbe außerhalb des Stadions: jeder Athlet, der seinen 40. Geburtstag erreicht hat.“

WMA:
„Wettkämpfe werden nur in den unten angegebenen Altersklassen durchgeführt:
Alter: 35-39 M 35 +W 35“

Ist dies international festgelegt, fragt es sich, ob der nationale Fachverband hiervon zulasten einer Altersklasse, derjenigen der M/W 35, abweichen darf (Bislang ist der DLV zugunsten einer Altersklasse, nämlich der M/W 30 bereits abgewichen, die er in die Senioren miteinbezogen hat). Die Satzung des DLV, dessen Grundgesetz, das für jeden, also nicht nur für Athleten und Vereine, sondern auch für die Gremien, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen des Verbandes, verpflichtend ist, schreibt in § 2 unter anderem Folgendes vor: Der Verband ist verpflichtet, „die Leichtathletik im Gebiet der ihm angeschlossenen LV in Übereinstimmung mit den Regeln der International Association of Athletics Federations (IAAF) einheitlich auszurichten“ („ 2 Abs. 1.1 der Satzung). Der nunmehrige Beschluss des DLV-Verbandsrates setzt somit die Vereinheitlichungsverpflichtung der DLV-Satzung außer Kraft, lässt sie zur Makulatur werden. Der Verband ist zur Vereinheitlichung verpflichtet, ihm ist es satzungsgemäß untersagt, Beschlüsse zu verabschieden, die dem entgegenstehen, also eine
Altersklasse vom Seniorenwettkampfbetrieb auszuschließen. Zumindest die Abschaffung der Altersklassen M/W 35 verstößt daher gegen die DLV- Satzung und damit gegen das „Grundgesetz der Leichtathleten“. Und dies zulasten einer Altersklasse. Zwar bestand auch schon vor dem Verbandsratsbeschluss eine Uneinheitlichkeit, weil national auch die Altersklasse M/W 30 angeboten worden ist. Diese nationale Besonderheit benachteiligte jedoch keinen Athleten. Die Abschaffung
der Altersklasse M/W 35 benachteiligt dagegen die 35-40jährigen Senioren, weil sie
nunmehr keine eigene Altersklasse mehr haben.

Schließlich ist der Verband satzungsgemäß auch verpflichtet, alles zu tun, um Athleten auf internationale Meisterschaften vorzubereiten, also auch Senioren der Altersklasse M/W 35 auf die entsprechenden europäischen und Weltseniorenmeisterschaften. Mit der Streichung dieser Altersklassen verletzt der Verbandsratsbeschluss demzufolge auch die sich aus § 2 Abs. 1.5. der DLV-Satzung ergebende Verpflichtung, den in Frage kommenden Athleten Möglichkeiten der Vorbereitung zu geben.

Wenn eine Satzung daher keine Makulatur werden soll, ist der in Leipzig gefasste Verbandsratsbeschluss der DLV-Satzung anzupassen, ihn verfassungskonform zu machen, also zumindest die Altersklassen M/W 35 wieder in das Seniorenangebot aufzunehmen. Die Ausdehnung auch auf die Klassen M/W 30 weicht zwar auch von den internationalen Vorgaben ab, ist jedoch unschädlich, weil dadurch kein einziger Athlet benachteiligt, sondern eine Vielzahl von Athleten zusätzlich bei der Leichtathletik gehalten werden, die man ansonsten mangels entsprechenden Wettkampfangebotesverschreckt.

Ein Kommentar von Blasius Hippel

Einen

23. Oktober 2009

karin_und_reinhard 7hamm wa noch von den World Masters Games Sydney 2009! Genau genommen sogar zwei.
Zu erst einmal wollen wir uns bei Reinhard Michelchen für seine Berichte aus Sydney bedanken. Neben eigenen Wettkämpfen auch noch regelmäßig Blogbeiträge zu schreiben, ist schlicht und einfach anstrengend. Das gilt um so mehr, als man ja noch mit unbekannten Tücken wie z.B. einer US-Tastatur oder fehlenden bzw. besetzten PCs zu kämpfen hat. Eigentlich kann ein solches Vorhaben nur klappen, wenn man dabei großartig unterstützt wird: Also ein großes Dankeschön auch an Karin Michelchen, die Reinhards „Öffentlichkeitsarbeit“ in Sydney erst möglich gemacht hat.

Zweiter Punkt: Paul Mc Guire hat uns geschrieben:

Annette

Thanks for showing my video of the Masters Games Opening Ceremony on your blog. Although I cannot read German, it looks like a good coverage of the Games.

I have also made a video of the Closing Ceremony for you to view.

I hope you enjoy.

Regards

Paul McGuire

Danke, Paul, und bis Turin 2013.

WMA

28. Mai 2009

WMA-LogoNicht nur, weil man mit bemerkenswerten Athleten wie Alfred Gross geradezu respektlos umgeht, stelle ich (mir) die Frage, was eigentlich beim Weltverband der Seniorenleichtathletik los ist. Die WMA ist weit entfernt von Zeiten, in denen Präsidenten wie Torsten Carlius oder Cesare Beccalli positive Meldungen und Entwicklungen verkünden konnten. Auf der Internetseite der WMA finden sich zunehmend nur Warnungen, Absagen und Richtigstellungen – aber beispielsweise nicht einmal ein Hinweis über die am Monatsende offiziell ablaufende Meldefrist für die WM in Lahti.
So wirkt die WMA weder souverän noch positiv. Es wird daher Zeit für einen Neuanfang, der mit einem neuen Präsidenten gelingen kann. Bekanntlich kandidieren auf der Generalversammlung in Lahti zwei Bewerber:  Rex Harvey (USA) und Stan Perkins (Australien). Gleich wer es ist, frage ich, ob der Wahlgewinner diesen Neuanfang leisten kann? Wir alle sollten es hoffen. Denn es gibt zu einer funktionierenden WMA keine Alternative.

Club

28. Mai 2009

LaufenQuasi über Nacht hat der Mastersleichtathletik-Weltverband WMA die Zusammenarbeit mit der IAU beendet und dies auf seiner Internetseite mitgeteilt.  Der 22.  IAU 100km World Cup, der als Masters-WM konzipiert war, ist dies also plötzlich nicht mehr. Wir recherchieren -bisher erfolglos- gerade, aus welchen Gründen dies geschehen ist. Was derlei für den einzelnen Athleten bedeutet, schreibt uns der Tübinger Ultraläufer und vielfache deutsche Meister Alfred Gross:

„Zu dumm, wenn man sich gewissenhaft vorbereitet, das Hotel gebucht, die Reisepläne gemacht und sich ein Nationaltrikot zugelegt hat und dann in die Röhre schaut. Die WMA scheint ein ganz besonderer Club zu sein….“

Dem ist leider nichts hinzuzufügen.

(Foto: MarMar, pixelio)

Lahti III

19. April 2009

LahtilogoWir haben uns ja schon früh über die finnischen Preise beschwert, die den Genuss der bevor stehenden Masters-WM der Leichtathleten in Lahti schon im Vorfeld trüben und viele Mastersathleten fernhalten. Sie erinnern sich u.a. an diesen  Blogbeitrag und diesen sowie unsere Alternative?

Es sind Preise, die während der WM nach oben geschoben werden. Das finden wir gar nicht gut. Zunächst haben die Verantwortlichen der WMA sich empört, wir und andere hätten behauptet, es gebe keine Übernachtungsmöglichkeiten in Lahti mehr. Das ist falsch, aber so konnte man von eigener Untätigkeit ablenken. Inzwischen versucht die WMA, der Weltverband der Seniorenleichtathleten, die Probleme schön zu schreiben und macht viel PR-Tamtam – vor allem in den USA. Auf der viel gelesenen und auch von uns besonders geschätzten Webseite von Ken Stone lesen wir hier, wie optimal alles sei. 

Dann wollen wir unseren US-Freunden mal vorrechnen, was auf Sie zukommt: In einfachen Schulklassen kostet die Übernachtung tatsächlich 25 Euro – aber pro Person und Nacht, also 34 USD pro Person und Nacht (=50 Euro bzw. 68 USD für zwei, DZ ist ja nicht). WCs und Duschen auf dem Gang und wahrscheinlich keine abschließbaren Schränke nur Liegen, und ob es ein Frühstück gibt, weiß ich nicht. TV gibt es sicherlich keins.

Ein weiteres Beispiel, eine Hotelübernachtung:
In Pajulahti, einem großen und attraktiven Sporthotel 20km vor den Toren Lahtis, kostet das Doppelzimmer  im älteren Teil des Komplexes mindestens (64 Euro x 2=) 128 Euro, also knapp 167 USD. Gebucht werden muss mindestens für vier Nächte. Hinzu kommt der Bustransport von 5 Euro pro Strecke und Person, also 20 Euro pro DZ-Tag = 26 USD. Der Gesamtpreis beträgt also in Wahrheit 148 Euro bzw. 193 USD. Das ist  genauso teuer wie eines der „preiswerteren“ Hotels in Lahti selbst (DZ 73 Euro pP = 146 Euro pro DZ).

Die so genannten „Summer Hotels“, die ca 30 Minuten von Lahti entfernt liegen  kosten per DZ ab 100 Euro (=130 USD) aufwärts, allerdings in einem Fall ohne Frühstück, im andern für 106 Euro (= 138 USD) inklusive Halbpension. Transportkosten von 5 euro pP und Strecke = 20 Euro für 2 am Tag kommen hinzu. Für vier DZ-Nächte müssen mindestens 480 Euro (=625 USD) bezahlt werden.

Dann wirbt die WMA noch für „ein Erlebnis mit noch mehr Tiefe“: Übernachtungen in Privatquartieren. Mit Tiefe ist aber  wohl nicht das Preisniveau gemeint. Denn die sicherlich sozial spannende Altermative ist in Wahrheit ein teueres Vergnügen: Gefordert werden 43 Euro pro Person und Nacht, also 86 Euro pro DZ (= 112 USD) und das für mindestens 7 Tage. Gesamtpreis also gut 600 Euro bzw. 780 USD für ein DZ im Privathaus: Hohe und keine tiefen Preise für Bed&Breakfast – ohne Shuttlebus, denn die fahren nur  die Hotels in Lahti an.

Unser Fazit: Man kann eben die hohen Übernachtungspreise nicht billig schreiben und zugleich die  außerhalb Lahtis entstehenden Buskosten weglassen. 

Nebenbei: Unverständlich ist, warum ein 5-Tages-Busticket ab/bis Pajulahti pro Nase 60 Euro kostet. Kaum jemand wird mehr als einmal am Tag von Pajulahti nach Lahti und zurück fahren, also 10 Euro ausgeben. An fünf Tagen zahlt er also 50 Euro, folglich weniger (!) als das 60-Euro-Sonderangebot, wobei noch interessiert, ob das Ticket tageweise individuell abgefahren werden kann oder gezwungermaßen ab dem ersten Gültigkeitstag die anschließenden fünf Tage hintereinander. Da wären dann nämlich auch wettkampffreie Tage dabei. 

Aus Helsinki kostet das Busticket nach Lahti übrigens knapp 20 Euro pro Person und Strecke (= 26 USD). Es soll nach einer kursierenden Nachricht ein Zugticket zum Sonderpreis von 60 Euro für 10 Fahrten geben. Eine offizielle Bestätigung haben wir noch nicht und nehmen auch an, dass es 10 Einfachfahrten sind und man für ein Ticket Helsinki und zurück folglich das Doppelte zahlen muss. Für zwei Personen errechnen sich dann 60 x 2 x Hin- und zurück = 240 Euro (= 320 USD)

Also: Hotels teuer und, wo sie billig sind, kommt der teuere Transport hinzu und dann ist es wieder teuer. 

Neben Hotels und Transport darf auch sonst noch heftig gezahlt werden. Hier eine von Ken Stone veröffentlichte Liste der Zusatz- und Meldekosten für US-Athletinnen und -Athleten.

Lahtikosten

Mein lieber Mann!  Das ist ja wirklich nicht wenig…. aber wenn wir unsere Euromeldekosten ansehen… 

Ergebnis:
Dieses Preisniveau schließt einfach viel zu viele Top-Athletinnen und -Athleten aus, die sich so etwas nicht leisten können oder wollen. Egal ob es Masters aus Nordamerika oder Europa sind – von denen aus anderen Kontinenten ganz zu schweigen.  Die hohen Preise richten sich also direkt gegen die Sportler und damit gegen den Sport. Die WMA nimmt dies alles billigend in Kauf. Wer so handelt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Die Abzocke („rip-off“) der Athleten ist die Folge.

Oder siehst Du das anders, Ken?

-.-.-.

ps Alle Berechnungen basieren auf 1 Euro = 1,30 USD

Nicht…

14. September 2008

…dass ich was gegen die Amis habe: Wenn ich aber sehe, wer die Vorschläge für die „IAAF Best Masters of the Year 2008“  auswertet, …
Tatsächlich kenne ich Leute, die da einen ganz dicken Hals bekommen. Die Vorauswahl treffen nämlich Rex Harvey (USA), Sandy Pashkin (USA), Brian(-Ich-kontrolliere-das-Nationaltrikot-)Keaveney (Kanada) und Cesar Moreno Bravo (Mexiko) – also sämtlich Nord- und Mittelamerikaner. Da werden es europäische Spitzenmasters wohl schwer haben. Oder?