tittar på?

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Bilanz! Das Schlag- und Lieblingswort unseres nationalen Verbandes der Läufer, Springer, Werfer. Bilanz nach jeder Europameisterschaft, Bilanz nach jeder Weltmeisterschaft. Schnell und postwendend publiziert nach einem solchen Event und dabei wohl kalkulierend, dass das Kurzzeitgedächtnis bei Senioren nicht mehr so ausgeprägt ist und sie deshalb riechende Wander-Klosetts, fehlende Umkleideambiente und mangelnde Sitzgarnituren schnell vergessen. Auch kalkulierend, dass Kritik nicht über den großen Teich schwappt und daher nur in den eigenen Reihen der Organ-Spender verbleibt, also der 10-Euro-extra-an-die-Organisation-Zahlenden bei internationalen Starts. Wer vergrault sich auch gern Umarm- und Herz-Freunde aus Übersee?

Bilanzen zu nationalen Meisterschaften gibt es nicht, denn wer beschmutzt schon das eigene Nest und wer vergrault sich schon den nächsten Ausrichter? Da ist es wesentlich nahe liegender, Ausrichter im Ausland zu bewerten, Kleinigkeiten zum Aufreißer zu machen und den Mantel der Großzügigkeit hierzulande auszubreiten.

Der eigene Spiegel wird in Darmstadt nicht aufgehängt, geschweige in denselben gesehen. Obwohl ein international renommiertes Möbelhaus gerade ein Sonderangebot an Spiegeln feilbietet, Marke „tittar på?”, zu Deutsch: ”guckst du?”

Beim Bilanzieren der eigenen, nationalen Meisterschaften müsste längst auch einmal das Umfeld berücksichtigt werden. Nicht nur das Stadion mit seinen Anlagen, nicht nur das Angebot an Kaffee und Kuchen und auch nicht der Zeitplan und seine evtl. Verzögerungen. Nein, auch das Kampfgericht gehört mit in die Bilanz. Auch Beispiele wie jüngst in Minden. Ob nun das Lamento danach angemessen oder nicht, ob korrekt oder überzeugend war,  ist hier nicht die Frage. Ein Kampfrichter „Gerät“ (hier gleich mit „G“ notiert) stand und steht seit Minden im (möglichen) Konflikt zu seinen Kollegen von der nationalen und internationalen Wasserwaage.


Aus seiner Sicht handelte er korrekt und ließ seine Maßschablone als Maß aller Dinge gelten. Im Widerspruch zu Gerätekontrolleuren im In- und Ausland, die dem Wettkämpfer „Wurf“ (hier gleich mit „W“ notiert) das Streitobjekt mit dem Genehmigungsvermerk „gut“ versehen haben und hatten. Nach seiner Schablonen-Entscheidung hätte Kampfrichter „G“ Hilfe von außen gebraucht, also genau des Verbandes, der ihn ausgebildet hat und der ihn „an die Front“ schickte. Ein Verband, der selbstredend  die Aufgabe und Pflicht hat, seine „Richter“ ständig zu überprüfen und zu bilanzieren, ein Verband, der im Streitfalle eingreifen muss, um Ansehen von Personen und Meisterschaften zu schützen. Geschehen ist nichts. Bis heute: Nichts. Auch Wettkämpfer „W“ hätte Hilfe gebraucht, denn er hatte schließlich ein (international) korrektes Geräte vorgelegt.

Seit Minden gibt es zwei Fronten, die sicher nicht aus Daffke entstanden sind. Hier die Regelauslegung mit dem Werkzeug „Schablone“, dort ein Gerät, das international ohne Beanstandung erlaubt ist und damit auch Rekordlisten-fähig ist.

Nun, unser Verband hüllt sich in Schweigen, wartet auf die nächste (internationale) Bilanz-Meisterschaft, um den Organ-Spendern wieder Mut zur Teilnahme zu machen, verbunden mit der Hoffnung auf das Kurzzeitgedächtnis. Seit Minden aber stehen Kampfrichter „G“ wie auch Wettkämpfer „W“ allein auf weiterer Flur und warten wie weiland die bayerische Staatsregierung auf den Engel Aloisius  und auf die von ihm zu  übermittelnde göttliche Eingebung, die eines Tages unseren nationalen Verband der Läufer, Springer und Werfer heimsuchen wird, um Probleme zu lösen statt Verantwortung weiter zu schieben, „andere“ zu bilanzieren und brisanten Themen auszuweichen. „Halleluja, soag i“

Ein Ralf-Peters-Kommentar

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6 Antworten to “tittar på?”

  1. Klaus Lange Says:

    Es gibt zahlreiche Passagen in diesem Blog, die ein breites Schmunzeln hervorrufen bis zum Video, das auch heute noch allerliebst ankommt.
    Doch -leider- mischen sich in dieses Schmunzeln viele Sorgenfalten.

  2. Heinz Engels Says:

    GLOSSE

    Tja, die verflixte (und zugenähte) Regelauslegung ! Was ist das für die Gs und Ws ein immerwährender „Vorkampf“ vor dem Senioren-Wettkampf. Immer wieder diese Kontrollen.

    Frage : Warum eigentlich ?
    Antwort : Weil es immer wieder diese Ws gibt, die in fantasievoller Arbeit an ihren eigenen Geräten rumbasteln. Es wird gefeilt, geklebt, umwickelt, gesprüht /gesprayt, geschmiert, nachgebessert, tja, es sind manchmal wahre Künstler unter den Ws.
    Manchmal geht es um zehntel Millimeter /-Gramm, handgeformt (nicht mundgeblasen !), um auch die letzte Gewinnchance rauszukitzeln.

    Und dann kommt der Scharfrichter G /Gerätekontrolleur. Er guckt und guckt und findet das, was im Regelbuch IWR-Regel 187 nicht drin steht : Künstlerische Gestaltung eigener Wettkampfgeräte aller Art.
    Und der W ist natürlich sehr bös‘, da irgendwo ein G – Künstler die Kunst als positiv bewertete.
    So wird es immer zwei Fronten geben……bei den Wettkampf-Senioren….. da hilft auch ein Gebet zum Engel Aloisius nicht….vermute ich mal fantasievoll.

  3. Günter Heinrichs Says:

    Ich bin nun nicht der Literaturfachmann, aber diese Glosse ist für mich eine Satire, da voll mit Ironie und auch Spott. Dieser Spott richtet sich aber nicht gen „G“ oder „W“, sondern gen Verband.
    Auch bin ich nicht der staatlich geprüfte Kontrolleur, bin aber beim Rubbeln schon versiert genug, um sagen zu können, daß beim Feilen und Rubbeln die Eisenspäne fallen. Dann käme die Kugel durch die Schablone. So war es aber nicht in Minden.
    Zusammengefaßt: Satire ja, Rubbeln nein

    • Heinz Engels Says:

      Eine Glosse kann tatsächlich satirisch, ironisch, polemisch oder einfach nur witzig sein. Sie darf (sollte) allerdings nicht unter die Gürtellinie rutschen (beleidigend sein).
      Ich hatte die Mindener Kugel nur zum Anlass genommen, um auf mögliche Manipulationen hinzuweisen (z.T. aus Erfahrung).
      Leider sind bei vielen kleineren Veranstaltungen unerfahrene „Kampfrichter“ im Einsatz und Gerätekontrollen selten.
      Deshalb sage auch ich : Satire JA, Rubbeln NEIN !

  4. Klimmer, Hellmuth Says:

    Das war ja fast zu erwarten – eine Glosse (oder doch Satire?) zum Problem der Nichtrespektierung der eigenen Kugel Axel Hermanns durch den DM-Gerätekontrolleur in Minden.

    Als erstes frage ich mich (erneut): Wie benachteiligt wäre wohl der 95-kg-Athlet gewesen, wenn er das 1/2 mm dünnere, nicht schwerere Gerät des Veranstalters benutzt hätte? Ich glaube, das wäre nicht leistungsmindernd gewesen (im Gegensatz vielleicht zum Hammer, Speer). Ergo: Hier enfachte ein Großer einen Sturm im Wasserglas.

    Als zweites frage ich mich beim Lesen des R.-Peters-Kommentar: Auf welcher Seite steht Ralf? Da er genau so redundant schreibt wie Hermanns, sich offensichtlich in geschraubten Formulierungen gefällt, befürchte ich: hier gibts Beifall für diesen kritikwürdigen Vorfall, Beifall für den Werfer (und seine wiederholten derben Ausfälle?)

    Eine Stellungsnahme, ein Pro oder Contra, war das nicht.

  5. Jürgen Rudert Says:

    Oh. Oh, Wenn in Zella Mehlis, bei einer DM !, nach Zwei Fehlversuchen eines Topfavoriten der AK M 60, dieser in 19 m Entfernung vom Wurfringes, 17 m Entfernung der 20 Kollegen(sitzend am Zaun) und in Anwesentheit von DLV -Kampfrichtern und Schiedsrichtern, ……. !
    hingehen kann, einen Hammer nimmt, sich vor dem Fußballtor aufbaut und schnelle Drehungen mit dem fliegenden Hammer absolviert……., dann ist das Horror Pur und wir brauchen hier nich t über Regelauslegungen diskutieren, sondern ob das was dieser Athlket dort abgezogen hatte under dem Deckmantel des DLV !!,
    hirnrissig oder geistesgestört war …….!

    Schließlich schaffte er dann , im 3, Versuch eine Weite.. und blieb
    ganz oben dran!
    Hätte ich dies gemacht; ich wäre Disqualifiziert worden.
    Offenbar spielen für Sen -Top Athleten die Regeln keine Rolle; sie Feilen eigenen Kugeln und bekleben Speere etc… , wenn sie jetzt aber Sportkollegen an Leib und Leben bedrohen ( bei einer DM!)
    dann frage ich mich , wo sind wir eigentlich ?

    Guten Tag ihr Gs und Ws !
    Jürgen

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