Posts Tagged ‘Altersklasse’

Kasseler Rippchen

25. Juli 2011

Das Bild ist bekannt: am Abend eines (politischen) Wahltages stehen sie alle vor der Kamera. Alle Sieger, denn einen Verlerer gibt es nie. Alle reden ihr Wahlergebnis schön und sehen trotz erheblicher Stimmverluste ihre Jahrzehnte lange Erfolgsarbeit bestätigt. Und alles wird mit Siegermimik, strahlend bis zerknirscht, dem Zuschauer preis getan.
So auch im DLV; nach dem „Leipziger Beschluss“ nun der „Kasseler Beschluss“. Nach dem ‚Leipziger Allerlei‘ nun das ‚Kasseler Rippchen‘, das kaum noch Fleisch hat. Und vor der virtuellen Kamera stehen (kalifornisch) sonnengebräunt die beiden Vertreter des Bundesausschusses ‚Senioren‘ und loben ihren Kompromiss, den sie dieses Mal nicht in nächtelanger Arbeit (siehe O-Ton nach Leipzig), sondern per transatlantischer Einflussnahme mit den 20 Landes- und Kurfürsten und dem Höchstleistungssport-orientierten Präsidium ausgehandelt haben. Die neue Kommunikationsvariante über den großen Teich zeigt und zeitigt in beispielhafter Form wie zum Wohle der Athleten gedacht und entschieden wird.
Die nun beschlossene internationale Regelung, gerade noch in den Staaten beim Weltverband in Regel und Anwendung gesehen, wird nun auch in Deutschland Einzug halten, nachdem vor Jahren (siehe die neue Gewichtsregelung, die erst vier Jahre nach Bekanntwerden in Deutschland eingeführt wurde) die DLV-egoistische Variante (wir sind ja schließlich wer) Blüten trieb.
Nun also schauen die jungen Wilden (M/W 30) ab 2012 nur noch in die Landesröhre, sofern es überhaupt Landesmeisterschaften gibt, dürfen sich aber dafür seit Kassel „Senioren“ nennen. Der Ritterschlag zum Senior erfolgt also in bisher gehabter Form. Ein Erfolg, den man nicht oft genug feiern kann, und der die Ritterschlag-Jungsenioren stolz und sicher macht, dass man/frau nun nicht mehr zu Meisterehren kommen kann und darf.
Die Kommunen wird’s bestimmt freuen, denn sie sparen beim nächsten Sportehrentag eine Reihe von Einladungen, hatten doch gerade die leichtathletischen Jungsenioren immer den Großteil der Ehrungen ausgemacht, zu einem Zeitpunkt als es noch fleischige Rippchen gab und nicht die Diät-Variante à la Kassel 2011.

Ein Ralf-Peters-Kommentar

(Foto: Kasseler Rippchen, © Kochbar, RTL)

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Kurfürsten

22. Juli 2011

Noch mit dem Jetlag aus Sacramento in den Knochen finde ich wichtige Informationen in meinem E-Mailschließfach. Es  steht das nächste Highlight an oder der nächste Tiefpunkt.  Heute tagt der DLV-Verbandsrat in Kassel. Wie es so schön heißt „am Rande der deutschen Meisterschaften“.

Das Gremium hat dabei Aufgabe und  Gelegenheit, seine seltsame,  sportfeindliche Entscheidung vom Frühjahr zu korrigieren, mit der es die Altersklassen M/W 30 und 35 abschaffte und in der Realität so die 30-39jährigen Leichtathleten vom Wettkampfsport ausschloss. Mit diesem besonders undurchdachten Beitrag zum demografischen Wandel hatte der DLV-Verbandsrat seinerzeit nicht nur Kopfschütteln, sondern auch eine bis dahin nicht gekannte Unterschriftenaktion ins Leben gerufen: Die „internetten Sechs“ (lampis.netpromasters-lamasters-sportresults-model2010geherpokal und SeLA-Netz) kämpften schon  kurz nach Bekanntwerden der beschlossenen Abschaffung der Altersklassen („AK“) 30 und 35 beharrlich für die Beibehaltung der so wichtigen Altersgruppen der 30 bis 39-jährigen und starteten eine in der Geschichte des DLV einmalige Unterschriften-Aktion. Zusammen mit dem Fachmagazin ‚Senioren Leichtathletik‚, das von seiner aktuellen Ausgabe in diesen Tagen allen Landesverbandspräsidenten ein Freiexemplar zukommen ließ, wurde damit der Protest von rund 1500 aktiven Leichtathleten gegen das Hinausdrängen der U40-Generation aus der aktiven Leichtathletik dokumentiert. Dieser Protest richtet sich offen gegen ein Vorgehen, das sinnfrei der erfolgreichen deutschen  Mastersleichtathletik den „Nachwuchs“ wegnehmen will und wird – so es kommt.

Freunde! Der Spaß, der Ehrgeiz und die Freude, den die Mastersleichtathleten am aktiven Wettkampfsport haben, stören offenbar die Funktionäre um Schoeppe,  Girschikofsky & Co. Sie dulden allenfalls AOK-Hausfrauentrab und Trimm-dich-Aktionen. Das aber ist ebenso anmaßend wie dumm.

Was heute geschieht, ist dabei auch bemerkenswert undemokratisch. Denn da hat Bayernpräsident Schöppe in persona gleich 30 Stimmen, wenn er den Arm hebt. Sein westfälischer Kollege genauso viel und die Niedersächsin Rita Girschikofsky 14. Insgesamt 103 Contra-Stimmen reichen folgich  für das Ende der traditionellen Mastersleichtathletik (guckst Du hier den Beitrag von Blasius Hippel). Die Stimmen entfallen also nicht etwa auf die Landesverbände und eine mehrköpfige Delegation, die unterschiedlich votieren könnte. Allein der jeweilige Präsident eines Landesverbandes stimmt ab. Schöppe hält also sozusagen 30 Hände hoch.  Das ist abenteuerlich. Denn selbst wenn das höchste Gremium eines Landesverbandes beschlösse, die Altersklassen beizubehalten, könnte der Präsident mit allen Stimmen seines DLV-Landesverbandes gegenteilig abstimmen. Gleichzeitig hat der DLV-Präsident nur eine einzige, seine eigene  Stimme. Da stimmten ja die Kurfürsten und Kurbischöfe des Mittelalters demokratischer ab, weil jeder von ihnen bei der Wahl nur  eine Stimme hatte. Diese Strukturen und die  Neuordnung  der unübersichtlichen Schar von Landesverbänden sind der wirkliche Reformbedarf im zurzeit allenfalls noch drittligareifen DLV!

Bekannt geworden ist (erst) jetzt auch der aktuelle Antrag des Bundesfachausschusses (BFA) ‚Senioren‘  an den DLV-Verbandsrat. Dieser schlanke, bescheidene Antrag (lesen!) wird heute nicht angenommen werden.  Er wird wohl so entschieden werden, dass man sich auf die sogenannte  internationale Lösung verständigt. Abgeschafft bleibt die Altersklasse M/W 30. Die Submasters, aus der  sich die Leichtathletikseniorinnen und -senioren in der Vergangenheit rekrutiert haben, sind dann Geschichte. Bei mir war es die DM 1991 in Hagen (Westfalen), als ich über 800m Vierte wurde und meine beiden Ältesten tödlich beleidigt waren, dass „Mama keine Medaille“ bekam. Für mich war der Wettkampf ein tolles Gefühl, nach -zig Jahren und fünf Kindern „wieder da“ zu sein! Ich glaube nicht, dass ich fünf Jahre in der allgemeinen Wettkampfklasse hinterher gelaufen oder erst mal eine mehrjährige Warteschleife eingelegt hätte.  Der in Aussicht stehende M/W-35er-Beschluss den z.B. Nordrhein, Westfalen und Hessen heute  favorisieren, ist also in Wahrheit nur ein fauler Kompromiss. Er kneift mit der Altersklasse M/W 30 nämlich das ab, was nicht abgekniffen werden darf.

War folglich aller Protest vergebens? Heute denke ich da an den mutigen, aufrüttelnden Rücktritt des Aktivensprechers Wolfgang Ritte, an die vielen SeLa-Leserbriefe, Kommentare, Interviews und an die besonders beeindruckende Stadionansprache von Thomas Ritte bei der DM Senioren I in Ahlen vor ein paar Wochen. Alle hatten eines zum Ziel: M/W 30 und M/W 35 müssen bleiben. Der Verbandsrat des DLV wird sich dummerweise anders entscheiden und damit ein funktionierendes gutes System zerschlagen, um das uns ganz Leichtathletik-Europa beneidet.

Oder geschieht ja doch noch ein Innehalten? Denn die Hälfte ist natürlich nicht genug. Die Leichtathletik braucht das Ganze, Ihr Funkti0näre! Aber wenn ihr statt dessen  nur die AK  M/W35, also 50% zulasst und Euch oberflächlich-gönnerhaft auf Internationales beruft, dann doch bitte mit allen Konsequenzen: International gilt bei der AK-Zugehörigkeit die Geburtstagsregelung statt der DLV-Jahrgangsregelung sind und alle Wettbewerbe in allen Altersklassen. Und die internationalen Maße und Gewichte. Rosinenpicken ist da nicht. Nioch ist Gelegenheit, einen Fehler zu korrigieren. Heute in Kassel, am Rande der Meisterschaften.

(Foto: Titelbild Seniorenleichtathletik August 2011; Grafik re.: Druck des Kurfürstenkollegiums bei der Wahl Heinrichs VII. )

Initiative

27. Juni 2011

Die Aussage  des Wochenendes bei der DM Senioren I in Ahlen kam von keinem Geringeren als Dr. Thomas Ritte, als er vom örtlichen Veranstalter für seine drei Siege (110 m Hürden, Weitsprung, Stabhochsprung) am Sonntagmittag besonders geehrt wurde
Nach der Ehrung im Sportpark Nord der westfälischen Stadt ergriff Dr. Thomas Ritte das Mikrofon und hielt ein beeindruckendes Plädoyer: „Ohne M/W 30 und M/W 35 gibt es keine Zukunft für die Seniorenleichtathletik“, sagte der Athlet des Weseler TV und führte den Anwesenden vor Augen, was passiert, wenn diese beiden Altersklassen gestrichen werden. Für seine beherzte spontane Rede erhielt der Arzt lang anhaltenden (und ehrlichen) Applaus der Athleten, Betreuer und Kampfrichter.

Danach zeichnete LG-Vorsitzende Manfred Kreutz (Foto: links neben Dr. Ritte) danach die LG Neiße und ihren Betreuer Gerd Scholz mit einem weiteren Ehrenpreis aus. Anlass war die T-Shirt-Initiative der LG Neiße, die von den sächsischen Aktiven ausging.

(Foto: © LG Ahlen)

Rückschritt

15. August 2009

images-1Auf ihrem Kongress in Berlin hat die IAAF eine plötzliche Kehrtwendung vollzogen und man reibt sich ungläubig die Augen: Künftig gibt es keine Wertung der „Altersklassen M/W 35“ bei Straßenlaufwettbewerben mehr. Auf der WMA-Generalversammlung in Lahti wurde dies diskutiert und die Delegierten erfuhren einige Hintergründe: Die Veranstalter der beiden Stadtmarathons in London und New York sind Ausgangspunkt der Regeländerung, Sie wollten die Altersklassenänderung.
Die WMA-Delegierten in Lahti haben klar gegen eine solche Änderung votiert. In Lahti war dabei auch zu hören, dass das IAAF Masters Committee ebenfalls gegen diese Änderung der Altersklassen gestimmt hat, nachdem erst 2005 beim IAAF Kongress in Helsinki auf Antrag der WMA die Altersklasse 35 der Männer  eingeführt worden war.

Daher ist das jetzt Beschlossene ein Rückschritt, und  Konfusion ist die Folge; denn 35-jährige Masterssportler  und Masterssportlerinnen werden zwar über 5.000m oder 10.000m im Stadion gewertet, aber nicht über dieselbe Distanz auf der Straße und dies für eine oder zwei Handvoll Weltklasse-Laufprofis, die nie bei einer Senioren-WM starten werden.

Und was passiert, wenn nun auch die Werfer, deren Spitzenathleten bekanntlich oft älter als 35 sind, ebenfalls einen Antrag stellen?

gefunden

4. Mai 2009

von_PlakatWir haben Bente Ingvardsen (DEN) gefunden. Sie erinnern sich: Beim Hamburg-Marathon vor einer Woche war die aus Holstebro in Jütland stammende Laborantin als Gesamtdreizehnte mit einem neuen W60-Weltrekord in den Resultatlisten aufgetaucht. Das warf Fragen auf, weil die im Internet vermerkten bisherigen Zeiten der Dänin eine Weltrekordleistung ausschlossen. Also gingen wir auf die Suche nach Bente. Die Veranstalter des Hamburg-Marathon schreiben heute auf unsere Anfrage:

Hallo,
in diesem Fall ist eine Disqualifikation ausgesprochen worden, da mit dieser Nummer ein Mann unterwegs war.Online ist dies aber noch nicht sichtbar.

Gruß,
Marcel Bahlke 
Möbel Kraft Marathon Hamburg
 

Tja, is‘ nichts mit einem neuen Marathonweltrekord in der W60. Es bleibt die Frage, was gegen solche blöden Verhaltensweisen hilft. Vielleicht dies:

a) Auf jede Startnummer wird auch der (Vor-)Name des Läufers bzw. der Läuferin gedruckt und

b) Wer nicht laufen kann und absagen muss, kann die Startnummer auch weitergeben, muss das aber mitteilen.

c) Wer ohne Ummeldung mit einer anderen Startnummer läuft, kriegt was auf die Finger. 

Oder denk ich da zu kompliziert und bin befangen, nachdem ich zwei Stunden meines Lebens hinter der lieben Bente her recherchiert habe?

 

(Foto brit berlin, pixelio)

Sehr jung

19. Februar 2009

Heute morgen lese ich in einem Pressebericht des niedersächsischen OSC Damme dieses Kompliment:

Das sehr junge Dammer AK-50-Damenteam holte sich unterdessen den Landestitel in der Mannschaftswertung dieser Alterskategorie.

😀

Auswertung

28. April 2008

Viel Arbeit macht die Auswertung der einzelnen Sportfeste. Manchmal freut man sich auch nur, weil hinter dürren Resultatlisten auf den ersten Blick mehr als nur gemessene Weiten und Zeiten, nämlich  großartige Persönlichkeiten und Geschichten stecken. Zum Beispiel haben wir heute bei der Bahneröffnung im niedersächsischen Nienhagen diese Daten gefunden:

Frauen W75 [Klassenübersicht]

100 m Endlauf                  Wind: 0,9                        26.04.2008
 1.Stölting, Ingrid            32 MTV Wolfenbüttel                 22,09 sec

Kugelstoß  Vor-/Endkampf                                        26.04.2008
 1.Stölting, Ingrid            32 MTV Wolfenbüttel                  5,95 m  

Diskuswurf  Vor-/Endkampf                                       26.04.2008
 1.Stölting, Ingrid            32 MTV Wolfenbüttel                 13,80 m

       

Männer M75 [Klassenübersicht]

100 m Endlauf                  Wind: -1,0                       26.04.2008
 1.Stölting. Konrad            30 MTV Wolfenbüttel                 23,39 sec

Diskuswurf  Vor-/Endkampf                                       26.04.2008
 1.Stölting. Konrad            30 MTV Wolfenbüttel                 15,10 m

Ist es nicht einfach nur toll, wenn die Stöltings im jugendlichen Alter des achten Lebensjahrzehnts gemeinsam Leichtathletik machen, sie dabei schneller ist als er, aber er wiederum die Diskusscheibe weiter wirft als sie?

Übrigens können wir nicht jede persönliche Leistung aufgreifen und veröffentlichen. Dafür bitten wir um Verständnis. Meist richten wir uns ein bisschen nach „dem Reckemeier“ des Vorjahres. Wenn eine Leistung unter die zehn Besten der entsprechenden Altersklasse gepasst hätte, berichten wir (oder wollen es zumindest). Allerdings gibt es natürlich keinen Grundsatz ohne Ausnahme, zumal wir längst nicht von allen Sportfesten erfahren, bei denen Masters-Leichtathleten gute Resultate erzielen. Also die Bitte: Mailt uns, wenn es spannende, berichtenswerte, neue Informationen aus der Seniorenleichtathletik gibt…